Überblick

Die Verteilung der Publikationen auf Fachgebiete kann erste Hinweise auf die Stärken eines Forschungssystems geben (Bezugsjahr 2014, Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved July 15, 2015, from http://www.scimagojr.com). Weltweit wie in Südafrika steht die Medizin mit den meisten Publikationen an erster Stelle. Allerdings liegt der Anteil der Medizin in Südafrika unter dem Durchschnitt (Südafrika: 14,1 Prozent, Welt sowie Deutschland: etwa 17,5 Prozent). Die Ingenieurwissenschaften in Südafrika können mit relativ geringen Anteilen (5,3 Prozent, Deutschland: 8,7 Prozent) nicht den zweiten Platz einnehmen, den sie weltweit mit einem Anteil von 12 Prozent behaupten. Auf dem zweiten Platz liegen 2014 erstmals die Sozialwissenschaften, deren Anteil in den letzten zwei Jahrzehnten in Südafrika stetig gewachsen ist.  Diese haben die Agrar- und Biowissenschaften, deren Anteil im selben Zeitraum geschrumpft ist, inzwischen auf den dritten Platz verdrängt (s. unten).
Eine Spezialisierung Südafrikas ist in folgenden Fachgebieten festzustellen (Auswahl basierend auf Spezialisierungsindex Länderanteil/Weltanteil  1,3):

  • Sozialwissenschaften (12,8 Prozent, Welt: 4,5 Prozent, Deutschland: 3,3 Prozent)
  • Agrar- und Biowissenschaften (8,6 Prozent, Welt sowie Deutschland: 4,8 Prozent)
  • Geisteswissenschaften (8,6 Prozent, Welt: 2,4 Prozent und Deutschland: 1,8 Prozent)
  • Erd- und Planetare Wissenschaften (4,2 Prozent, Welt: 2,6 Prozent, Deutschland: 3,6 Prozent)
  • Umweltwissenschaften (4 Prozent, Welt: 3,0 Prozent, Deutschland: 2,7 Prozent).

Bei einem weltweiten Vergleich der Anzahl der Publikationen liegt Südafrika im Jahr 2014 insgesamt auf Rang 30. Innerhalb der einzelnen Fachgebiete erreicht Südafrika die beste Platzierung in den Geisteswissenschaften (Rang 9), Sozialwissenschaften (Rang 11) sowie den Agrar- und Biowissenschaften und den Umweltwissenschaften (Rang 24).

Die forschungspolitischen Schwerpunkte Südafrikas sind im sogenannten "Ten Year Innovation Plan (TYIP)" von 2008 festgeschrieben. Die Umsetzung der Schwerpunkte des TYIP (Biotechnologie & Gesundheitsforschung, Energieforschung & Globaler Klimawandel, Weltraumforschung und –technologie sowie Human- und Sozialentwicklung) erfolgt u.a. durch die Einrichtung von Exzellenzzentren (Centres of Excellence, CoE) in Schlüsselforschungsbereichen, anwendungsorientierte sog. "Kompetenzzentren" sowie die Einrichtung und finanzielle Förderung von bislang 150 Forschungslehrstühlen im Rahmen des Förderprogramms "South African Research Chair Initiative (SARChI)".

Quelle: ESASTAP 

Bio- und Agrarwissenschaften

Im Januar 2014 wurde vom DST die neue nationale Bioökonomie-Strategie nach einer mehr als siebenjährigen Entwicklungsphase vorgestellt. Diese baut auf der National Biotechnology Strategy von 2001 und dem 10-Jahres Innovationsplan von 2008 auf, in dessen Rahmen auch die Initiative "Farmer to Pharma" angesiedelt ist.

Die Strategie zielt auf die Entwicklung biobasierter innovativer Technologien in den Wirtschaftszweigen Landwirtschaft, Gesundheitsversorgung sowie Umwelttechnologien ab. Ein differenzierter Implementierungsplan soll gemeinsam mit anderen Fachministerien entwickelt werden. Bislang wurden sechs CoE im Bereich der Bio-, Gesundheits- und Ernährungswissenschaft eingerichtet: "Birds as Keys to Biodiversity Conservation", "Invasion Biology", "Tree Health Biotechnology", "Food Security", "Biomedical TB Research", sowie "Epidemiological Modelling and Analysis".

Energie

Angesichts der südafrikanischen Energiekrise, die sich 2008 weiter zugespitzt hat, unternimmt die Regierung seitdem große Anstrengungen im Bereich Energieforschung und Entwicklung alternativer Energien. Der 2011 verabschiedete Integrated Resource Plan for Electricity 2010-2030 (IRP) soll zukünftigen Engpässen in der Energieversorgung entgegenwirken. Südafrika deckt seinen Strombedarf gegenwärtig zu ca 90% mit fossilen Brennstoffen (in aller erster Linie mit Kohle aus heimischem Bergbau), Nuklearenergie und Erneuerbaren Energien (EE) steuern in etwa zu gleichen Teilen den übrigen Bedarf bei. Südafrika hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2030 auf mindestens 22% zu erhöhen und parallel den Anteil der aus Kohle gewonnenen Elektrizität auf 45% zu senken. Der eingeführte "Renewable Energy Feed-In Tarif" (REFIT), ein Einspeisetarif für erneuerbare Energien, verbessert die Bedingungen für die kommerzielle Nutzung dieser Energien. Zudem begann die Regierung mit der Einführung grüner Steuern, um die Forschung im Bereich umweltfreundlicher Technologien  voranzutreiben.

Signifikante Forschungskapazitäten im Bereich saubere Kohltechnologien liegen bei SANERI und dem Energie-Zentrum der Forschungseinrichtung CSIR, im Bereich Nuklearenergie vor allem bei der South African Nuclear Energy Corporation (NECSA) sowie verschiedenen Universitäten. Eine führende Rolle im Bereich Erneuerbare Energien spielt u.a. das Centre for Sustainable Energy Studies an der Universität Stellenbosch. Außerdem wurden insgesamt drei Kompetenzzentren (Centre for Competence for Catalysis, das Hydrogen Infrastructure Centre of Competence und das Centre for Systems Integration and Validations) zur Umsetzung der südafrikanischen Wasserstoffstrategie "Hydrogen South Africa" eingerichtet.

Quelle:

South Africa Yearbook 2014/2015 - Science and Technology

Nach oben

Geistes- und Sozialwissenschaften

Aufgrund seiner Vergangenheit und sozioökonomischen Herausforderungen gehören die Geistes- und Sozialwissenschaften innerhalb der nationalen Forschungsagenda mit zu dessen Schwerpunkten. Das Zehn-Jahres-Innovationsprogramm sieht die Entwicklung eines Forschungsprogrammes mit den Schwerpunkten Paläoanthropologie, Archäologie und Evolutionsgenetik vor. Ziel ist das bessere Verständnis menschlichen Verhaltens und die Verbesserung der Lebensbedingungen, insbesondere der farbigen und schwarzen Bevölkerungsgruppen.
Südafrika soll zudem ein anerkanntes Wissensdrehkreuz für Sozialwissenschaften in Afrika werden. Im Bereich der Paläoanthropologie zählt Südafrika zu den weltweit führenden Ländern; ein diesbezügliches Exzellenzzentrum (CoE for Paleosciences) wurde 2013 an der Universität Witwatersrand geschaffen. Im April 2014 wurde das Fachzentrum für menschliche Entwicklung (CoE for Human Development) an den Universitäten Witwatersrand und KwaZulu Natal (UKZN) gegründet, welches sich insbesondere mit der frühkindlichen Entwicklung befasst.

Von der Stellenbosch University wurde bereits 1999 das Stellenbosch Institute for Advanced Studies (STIAS) gegründet, mit dem Ziel,  Forscher und Intellektuelle zu fördern und zu motivieren, innovative und nachhaltige Lösungen für weltweite und insbesondere den afrikanischen Kontinent betreffende Probleme zu finden. STIAS verfolgt zudem das Ziel, der Abwanderung vielversprechender junger Forscher entgegen zu wirken, indem es ihnen die Möglichkeit gibt, Forschungsvorhaben in einem internationalen Rahmen umzusetzen und das eigene Profil dadurch weiter zu entwickeln.

Nach oben

Gesundheitsforschung

Schwerpunkte im Bereich Gesundheitsforschung sind HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Insbesondere das Institut für Diagnostikforschung (IDR) entwickelt neuartige Produkte und Hilfsmittel zur Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten. Die Südafrikanische Aids Impfstoff Initiative (SAAVI) arbeitet an der Entwicklung von Impfstoffen gegen Aids.
Südafrika ist Partner der Initiative "European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP)", welche klinische Versuche für Arzneimittel und Impfstoffe gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria durchführt.

Nach oben

Raumfahrt

In der nationalen Weltraumstrategie 2014 werden die durch die Raumfahrt angestrebten Ziele (bspw. Impulse für die Wirtschaft und eine Verbesserung des nationalen Ressourcenmanagements) präzisiert und strategische Ansätze zum Erreichen der Ziele aufgezeigt. Zuständig für die Umsetzung dieser Strategie ist die South African National Space Agency (SANSA). Erklärtes Ziel der Regierung ist es, Südafrika zu einem international anerkannten Standort für Astronomie, Weltraumforschung und Technologie zu entwickeln. Hauptakteure der Weltraumforschung und -technologie sind die Universität Stellenbosch und der CSIR.

Als Mitglied einer von vier afrikanischen Staaten getragenen Ressourcen-Management-Kooperation hat Südafrika begonnen, an dem ZA-ARMC1-Satelliten zu arbeiten, um seine wertvollen Bodenschätze zu kartieren und zu erschließen.

2014 startete mit dem 25-jährigen Mandla Maseko der erste schwarze Afrikaner in den Weltraum.

Südafrika ist durch Standortfaktoren wie Klima und abgeschiedene, bevölkerungsarme Gebiete für die Weltraumforschung besonders geeignet. Es verfügt über das größte optische Einzelteleskop in der südlichen Hemisphäre, das 2005 in Betrieb genommene Southern African Large Telescope (SALT) und unterhält darüber hinaus das Hartebeesthoek Radioastronomie Observatorium (HartRAO) sowie ein Astronomie Observatorium (SAAO) mit dem Ziel, ein besseres Verständnis der Formation, Struktur und Evolution unserer Galaxie zu erlangen. Die südafrikanische Antarktisbasis Hermanus Magnetic Observatory (HMO) bietet u.a. Weltraumphysikern die Möglichkeit, die komplexe Plasmaumwelt der Erde zu untersuchen.

Als wichtiges Prestigeobjekt ist das Square Kilometre Array Telescope (SKA), das weltweit größte Radioteleskop, zu nennen. Zwei Drittel der Anlage werden bis 2024 in Südafrika entstehen, der übrige Teil in acht weiteren afrikanischen Staaten und Australien/Neuseeland. Mit einer Summe von ca. 1,5 Mrd. Euro zählt das Projekt zu den größten Infrastrukturprojekten des 21. Jahrhunderts. Zur Umsetzung der Idee wurde ein internationales Team zum Bau des MeerKAT, (afrikans für moreKAT = größeres Karoo Array Telescopes, eine kleinere Version des SKA) gebildet. Die insgesamt 64 Antennen des MeerKat sollen bis 2018 fertig gestellt sein.

Im Oktober 2015 verabschiedeten Afrikas Bildungs- und Wissenschaftsminister (u.a. aus Südafrika) einen Entwurf für die erste Raumfahrtstrategie des Kontinents. In einer gemeinsamen Strategie werden große Potenziale über die Raumfahrt hinaus gesehen im Klima- und Katastrophenschutz, Wettervorhersagen, der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit.

Quelle:

Nach oben

Weitere Informationen
Links/Institutionen

Umwelt- und Klimaforschung

Eng verknüpft mit dem Thema Energie sind die Herausforderungen des Klimawandels.
Die Federführung im Bereich Globaler Klimawandel liegt beim Department of Environmental Affairs. Zu den Forschungsbereichen gehören Biodiversität, Antarktis- und Meeresforschung, Erdbeobachtung und Geoforschung.
Südafrikanische Universitäten sind Mitglieder des Klimakonsortiums für das südliche und östliche Afrika (SEACC), welches sich die Einbindung lokaler Forschungseinrichtungen in die regionale Klimaforschung und die Schaffung lokaler Kapazitäten zum Ziel gesetzt hat. Gründungsinstitutionen sind die Nelson Mandela Metropolitan University, die Rhodes University, University of Fort Hare, der Sustainable Seas Trust und die Wilderness Foundation.
Das vor einigen Jahren gegründeten Exzellenzzentren, das Applied Centre for Climate and Earth Systems Science (ACCESS), bündelt die Aktivitäten verschiedener Universitäten und Institute im Bereich Klimaforschung.

Der Antarktis und dem Südlichen Ozean kommt für das globale Klima große Bedeutung zu. Südafrika ist eines der wenigen Länder mit einer Basis in der Antarktis Das "South African National Antarctic Programme" (SANAP) unterstützt Forschungsaufenthalte in der Antarktis und bietet Forschungsmöglichkeiten in den Bereichen Physik, Geo-, Lebens-, Meeres- und Polarwissenschaften.

April 2015 starteten die NRF und das Südafrikanische Umweltbeobachtungs-Netzwerk SAEON an der Nelson Mandela Metropolitan Universität in Partnerschaft mit dem Ministerium für Umwelt, Ozeane und Küsten (DEA) ein internationales ozeanographisches Projekt namens "Agulhas" im Bereich der Langzeit-Klimaforschung in der Meereswissenschaft.

Wasser ist in Südafrika aufgrund der sich stetig verschärfenden Wasserknappheit nach wie vor ein wichtiges politisches und wissenschaftliches Thema. Federführend ist die Water Research Commission (WRC). Die Hauptfelder südafrikanischer Wasserforschung sind Wasserressourcenmanagement, mit Wasser verknüpfte Ökosysteme, Wassernutzung und Abfallmanagement und landwirtschaftlicher Wasserverbrauch. Ein akutes Problem ist die Verschmutzung von Grundwasser durch Bergbaufolgeschäden (Acid Mine Drainage).

Nach oben

Eine Initiative vom

Projektträger