Kurzprofil

Budapest hat sich seit den neunziger Jahren zu einem der führenden Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Mittel- und Osteuropa entwickelt. Der Verwaltungsbezirk (Komitat) Pest erstreckt sich rund um die Hauptstadt Ungarns auf 6.394 km² Fläche und grenzt im Norden an die Slowakei; er ist aufgeteilt in 23 Bezirke. Als Cluster wird im vorliegenden Porträt die Budapest metropolitan area (Region Mittel- und Zentralungarn) begriffen, auf der sich auf mehr als 7.600 km² Fläche ca. 3,3 Mio. Einwohner verteilen.

Budapest liegt im sog. Karpatenbecken und entwickelte sich seit 1873 durch die Zusammenlegung der zuvor selbstständigen Städte Buda, Óbuda und Pest zum politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Ungarns.

Die Stärkefelder des Clusters liegen in Informations- und Kommunikationstechnologien, Biotechnologie und Pharma sowie der Automobilindustrie.

Internationale Anziehungskraft

Die Hauptstadt Budapest (und die Metropolregion) ist mit Abstand der bestentwickelteste Landesteil Ungarns: Hier konzentrieren sich rund 18 Prozent der Bevölkerung, 21 Prozent der Arbeitsplätze und über die Hälfte der 500 größten Unternehmen des Landes. Auch das Pro-Kopf-BIP ist hier mehr als doppelt so hoch wie der ungarische Durchschnitt. Zudem erwirtschaftet Zentralungarn beinahe die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (2011: 48,2 Prozent).

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Die Arbeitslosenrate lag in Zentralungarn im Jahr 2012 bei 9,4 Prozent und damit unter dem nationalen Durchschnitt (10,8 Prozent).

Der Cluster profitiert in hohem Maße von seiner verkehrstechnisch wie geographisch günstigen Lage: Internationale Verkehrskorridore sowie das ungarische Autobahnsystem kreuzen sich in Budapest, die Hauptstadt gilt als Zugangstor zur Central and Eastern Europe (CEE)-Region (Region Mittel- und Osteuropa).

Der internationale Flughafen Budapest Liszt Ferenc wurde 1950 eröffnet und fertigt im Jahr über 8,5 Mio. Passagiere ab. Zudem werden dort jährlich über 92.000 Tonnen Luftfracht umgesetzt. Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, Köln-Bonn und Stuttgart werden direkt angeflogen. Der Nachfolger der Hochtief Airport GmbH, der Flughafeninvestor Avialliance GmbH mit Sitz in Essen, ist mit knapp zur Hälfte (49,666 Prozent) am Flughafen beteiligt.

Die Position des Clusters im europäischen und globalen Umfeld zeigt sich anhand einiger Rankings, in denen sich Budapest in jüngster Zeit platzierte:

  • Im Bericht European Cities and Regions of the Future 2014/15 belegt Budapest in der Kategorie Top 10 Eastern European Cities den ersten Platz (noch vor Breslau), in Top 10 Major European Cities – Cost Effectiveness den siebten Platz, in Top 10 Major European Cities – Overall den neunten Platz, in Top Major European Cities – FDI Strategy den achten Platz und in Top 10 Major European Cities – Business Friendliness den fünften Platz.
  • In der Doing-Business-Studie der Weltbank belegte Ungarn im Jahr 2014 den 54. Platz (zwei Plätze niedriger als im Jahr zuvor).
  • Auf dem jährlich erscheinenden Innovation Cities Index der australischen Innovationsagentur 2thinknow belegt Budapest 2014 weltweit den 64. Rang, in Europa den 30. Rang.

Für chinesische Investoren sind u. a. Budapests Standortvorteile als Zugang zur CEE-Region (EU: 500 Mio. Bürger; Ukraine, Russland und Balkan: 210 Mio.) interessant: 2011 investierten rund 5.000 chinesische Unternehmen fast 2,3 Mrd. USD in Ungarn. Seit 2006 findet in Budapest die China Expo Hungary statt, 2014 stellten sich hier über 150 chinesische Unternehmen vor. 2012 war China bereits das fünftwichtigste Herkunftsland für Direktinvestitionen in Ungarn, bevorzugt wird in die Themenfelder IKT, Elektronik, Chemie sowie Forschung und Entwicklung (F&E) investiert. Der aus chinesischer Sicht besondere Stellenwert des Standortes wird auch durch die Tatsache, dass die europäische Zentrale der China Investment Promotion Agency (CIPA) im Februar 2010 in Budapest eingeweiht wurde, unterstrichen.

Eine weitere, seit 2012 im jährlichen Turnus stattfindende Messe ist die Hungarian Innovation TechShow (HITS), die vom Netzwerk Hungarian Mobility and Multimedia Cluster (siehe Kapitel "Thematische Stärkefelder") organisiert wird. Dort werden neue Technologieprodukte und –lösungen vorgestellt sowie der Central European Startup Award verliehen.

Ungarns wichtigster Exportpartner ist Deutschland (25,8 Prozent), mit großem Abstand gefolgt von Rumänien (5,6), Österreich (5,5), Slowakei (5,2), Italien (4,8), Frankreich (4,5), Großbritannien (3,9), Polen (3,9) und Tschechien (3,1).

Der ungarische Staat verfügt über eine ganze Reihe steuerpolitischer Instrumente, von denen Investoren profitieren können: Dazu zählen insbesondere Steuergutschriften (tax credits), Zuschüsse (cash grants), reduzierte Steuersätze (reduced tax rates), verringerte Sozialversicherungssätze (reduced social security contribution rate). Eine Auflistung findet sich im Worldwide R&D incentives reference guide 2013-2014 von Ernst&Young.

Thematische Stärkefelder

In der 2013 vorgestellten Regionalen Forschungs- und Innovationsstrategie RIS3 Central Hungary 2014 – 2020 werden vier Sektoren als Motoren des innovationsgestützten Wachstums der Region Zentralungarn identifiziert: Informations- und Kommunikationstechnologien, Gesundheitsindustrie, Umwelttechnologien und Kreativwirtschaft (siehe auch Kapitel "Entwicklungsdynamik").

3.1 Informations- und Kommunikationstechnologien

Die ungarische IKT-Industrie, die inzwischen rund zehn Prozent des BIP ausmacht, konzentriert sich in Budapest. In ganz Ungarn sind inzwischen mehr als 100.000 Menschen in 14.000 Unternehmen beschäftigt.

Auch die zentrale Interessenvertretung des ungarischen IKT-Sektors, die ICT Association of Hungary (IVSZ), hat ihren Sitz in Budapest und vereint mehr als 300 IKT-Unternehmen. Zu den strategischen Zielen des 1991 gegründeten Verbands zählen die industrielle Entwicklung des IKT-Sektors, die Förderung (besonders von KMU) und die Ausbildung. Die IVSZ ist wiederum in internationale Organisationen wie etwa Digital Europe, European Alliance for Innovation und The World Information Technology and Services Alliance (WITSA) eingebunden.

Das 2007 gegründete Budapester Netzwerk Hungarian Mobility and Multimedia Cluster (MMCluster) ist heute eines der wichtigsten Netzwerke in der ungarischen Digitalwirtschaft und verfügt über rund 70 Mitglieder.

3.2 Biotechnologie, Pharma und Medizin

In ganz Ungarn werden derzeit etwa 70 Biotechnologieunternehmen gezählt. Zu den vier Zentren der ungarischen Biotechnologie zählen neben Budapest noch Debrecen, Szeged und Pécs. Rund 60 Prozent der Unternehmen finden sich in Budapest.

Die Zahl der ungarischen Biotechnologieunternehmen stagniert seit 2008. Die Hungarian Biotechnology Association sieht den Grund hierfür zum einen in der fehlenden Frühfinanzierung für Start-Ups als auch in den fehlenden F&E-Zuschüssen für junge Unternehmen. Mehr als die Hälfte der ungarischen Biotechnologieunternehmen sind der "roten Biotechnologie", also der medizinischen Biotechnologie, zuzurechnen. Im Jahr 2013 war der Gesamtumsatz in Ungarn das erste Mal seit 2009 wieder rückläufig (ca. 74 Mio. EUR). Insgesamt waren 2013 1.439 Beschäftigte in den Biotech-Unternehmen zu verzeichnen.

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3.3 Automobilsektor

Im ungarischen Automobilsektor sind derzeit über 600 Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern aktiv; der Gesamtumsatz der Branche liegt über 15 Mrd. EUR. Über 91 Prozent der Produkte und Dienstleistungen werden exportiert.

Budapest gehört zu einem von fünf Zentren der Automobilindustrie in Ungarn; weitere Zentren sind Györ, Veszprém, Kecskemét und Miskolc. In Budapest liegen die Schwerpunkte vor allen Dingen in der Fahrzeugtechnologie, der Elektronik und der Mechatronik (Györ: Motorenproduktion, Kraftfahrzeugherstellung; Veszprém: Mechatronik, Brenn- und Schmierstoffe; Kecskemét: Werkstoffwissenschaft, Fahrzeugmontage).

Mit dem EJJT Vehicle Technologies Knowledge Centre existiert ein von der Lehre entkoppeltes Fachzentrum an der Fakultät für Verkehrswesen (Faculty of Transportation Engineering and Vehicle Engineering) der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule Budapest (siehe Kapitel "Bildung, Qualifikation und Fachkräfte").

Zu den in Budapest ansässigen Automobilherstellern und –Zulieferern gehören AVL, Cascade, Continental, Michelin, ThyssenKrupp u. a. Von den Tier-1-Zulieferern unterhalten gleich drei deutsche Unternehmen F&E-Zentren im Cluster: Bosch eröffnete sein Forschungszentrum Budapest schon im Jahr 2000; 600 Forschungsingenieure sind in der Forschung beschäftigt. Neben Hardware- und Softwareentwicklung liegt der Schwerpunkt auf automobilelektronischen Kontrolleinheiten wie ABS und ESP. Auch Knorr und Thyssen-Krupp verfügen über Entwicklungszentren im

Akteure und Netzwerke

Die Aufgabe der INNOREG – Regional Innovation Agency for Central Hungary (Közép-Magyarországi Regionális Innovációs Ügynökség) liegt in der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Zentralungarns, sowohl in ökonomischer als auch in innovativer Hinsicht vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung. Die Aufgaben der INNOREG lauten im Einzelnen:

1. Identifizierung internationaler Trends und Ausarbeitung von Strategien und Analysen

2. Monitoring der F&E-Aktivitäten in der Region

3. Informationsbereitstellung zu Fördermöglichkeiten für innovative KMU in der Region

4. Aufbau eines Netzwerks für Technologietransfer und Innovationszentren

5. Ausrichtung von Innovationswettbewerben, Messen und Medienveranstaltungen

6. Förderung von neuen Produkten und Technologien durch Vermittlung zu Wagniskapitalgebern und Business Angels

7. beratende Tätigkeiten bzgl. technologischer und rechtlicher Fragen

Zudem ist INNOREG die verantwortliche Agentur für die RIS3 Zentral-Ungarn-Strategie (siehe Kapitel "Entwicklungsdynamik").

Die 2003 gegründete Hungarian Biotechnology Association (HBA) vereint heute mehr als 100 Mitglieder, sie unterstützt den Technologietransfer sowie die Ausbildung in biotechnologischen Berufsbildern und organisiert Tagungen und Konferenzen, um die Akteure der Branche besser zu vernetzen. Die HBA vertritt ihre Mitglieder auch auf internationaler Ebene, beispielsweise durch die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen wie der Biotechnology Industry Organization (BIO), der EuropaBio und der European Federation of Biotechnology (EFB).

Die Hungarian Investment Promotion Agency (HIPA) richtet sich an ausländische Unternehmen, die vorhaben, in Ungarn zu investieren. Dabei sollen in erster Linie solche Investitionen gefördert werden, die im Einklang mit den von der ungarischen Regierung identifizierten Zielbranchen stehen.

Die Budapest Enterprise Agency (BEA) wurde 1993 von der Stadt Budapest eingerichtet und hat die Aufgabe, Beschäftigung vor allem in Budapester KMU zu fördern. Dazu werden Start-Ups und neugegründete Unternehmen beispielsweise durch Workshops und Trainings gefördert. In Budapest sind rund 230.000 Unternehmen sowie 140.000 selbstständige Einzelunternehmer registriert.

Auch das Netzwerk Alliance Informatics and Innovation Cluster (Alliance Informatikai és Innovációs Klaszter) hat seinen Sitz in Budapest. Ziel ist die Entwicklung moderner und marktfähiger Produkte innerhalb des ungarischen IKT-Sektors und damit verbunden die Verknüpfung benachbarter Themenfelder wie etwa der IKT und Umweltschutz sowie Gesundheitswesen und Diagnostik. Die Unternehmen des Netzwerks erwirtschaften einen Umsatz von rund 850 Mio. EUR und zählen 12.183 Beschäftigte. Von den derzeit rund 40 Mitgliedern stammen ca. 75 Prozent aus Budapest.

Der Hungarian Medical Cluster (Magyar Medikai Gyártók és Szolgáltatók Klaszter) mit Sitz in Budapest hat 29 Mitglieder aus dem Bereich der Medizintechnologie.

Weitere branchenspezifische Verbände und Netzwerke in Budapest finden sich in einer Auflistung der Webseite cluster-analysis.org.

Deutsche Brückenköpfe im Cluster

Führende deutsche Automobilhersteller verfügen über Standorte im Cluster, wie etwa Bosch, das erst 2013 eine neue Zentrale in Budapest bezog, in der ab 2015 rund 850 Mitarbeiter aus Vertrieb, Verwaltung und Entwicklung beschäftigt werden. Knorr-Bremse errichtete in Budapest bereits im Jahr 2009 ein Werk für Systeme für Schienenfahrzeuge, wo das Unternehmen seit 1995 auch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum betreibt. Auch Continental unterhält dort seit 1990 einen Standort.

Die Deutsch-Ungarische Industrie und Handelskammer (DUIHK) ist mit ca. 900 Mitgliedern die größte bilaterale Unternehmensorganisation in Ungarn.

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Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Budapest ist das Bildungszentrum Ungarns. Sowohl die größte Universität des Landes, die Eötvös-Loránd-Universität (ELTE), als auch die beiden wichtigsten Technischen Hochschulen sowie eine der wichtigsten medizinischen Hochschulen Ungarns haben hier ihren Sitz. Über ein Drittel der Budapester Bevölkerung verfügte 2011 mindestens über einen Bachelor-Abschluss. Damit lag der Anteil höher als im Rest Ungarns (19 Prozent) und in der EU (27 Prozent).

Die Eötvös-Loránd-Universität (ELTE), die 1635 ihren Lehrbetrieb aufnahm, gilt als eine der ältesten Universitäten Ungarns. Zu den acht Fakultäten der ELTE zählen u. a. solche der Informatik (zentrale Ausbildungsinstitution für Informatiker im Clustergebiet), Geisteswissenschaften, des Rechts und der Politikwissenschaft sowie der Naturwissenschaft. An der Hochschule studieren über 30.000 Studenten, es existieren Kooperations- und Austauschvereinbarungen mit über 120 Universitäten weltweit. Im Academic Ranking of World Universities belegt die ELTE einen Platz im Feld 301 bis 400. Sie ist Mitglied in folgenden internationalen Netzwerken:

Die Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Hochschule Budapest (Budapest University of Technology and Economics, ungarisch: Budapesti Műszaki és Gazdaságtudományi Egyetem, kurz BME) hat mehr als 20.000 Studenten. Bereits 1782 gegründet, gilt sie heute als eine der ältesten Technischen Hochschulen weltweit. Wie die ELTE verfügt auch die BME über insgesamt acht Fakultäten, alleine mit 14 deutschen Hochschulen und Universitäten existieren Partnerschaften. Rund fünf Prozent der Studenten (1.127) sind ausländischer Herkunft.

Die Hochschule unterhält verschiedene, von der Lehre entkoppelte knowledge centres, in denen Forschungs- und Entwicklungsprogramme in Kooperation mit Industriepartnern interdisziplinär verwirklicht werden.

Die BME ist u. a. Mitglied im Netzwerk Top Industrial Manager Europe (T.I.M.E.), ein Zusammenschluss von mehr als 55 vornehmlich Technischen Hochschulen mit gemeinsamen internationalen Austauschprogrammen, mit deren Hilfe beispielsweise Doppeldiplome erlangt werden können.

Die Òbuda-Universität (Óbudai Egyetem) wurde im Jahr 2000 als Zusammenschluss dreier Technischer Hochschulen (Donát Bánki Technical Institute, Kandó Kálmán Politechnical College, Light Industry Technical College) gegründet und zählt heute mit ihren 12.000 Studenten zu den größten Technischen Hochschulen Ungarns.

Die Semmelweis-Universität (Semmelweis Orvostudományi Egyetem) ist eine der ältesten medizinischen Hochschulen Ungarns; an ihr sind fast 13.000 Studenten eingeschrieben. Dabei sind 2.910 Studenten ausländischer Herkunft, was einem Anteil von 22 Prozent entspricht. Die meisten ausländischen Studenten stammen aus Deutschland (853), so dass inzwischen sogar eine deutschsprachige Studentenvertretung gegründet wurde. Die medizinische Fakultät der Semmelweis-Universität eröffnete 2008 in Kooperation mit den Asklepios Kliniken einen externen Campus (Asklepios Medical School) in Hamburg.

Die private Andrássy Universität Budapest (Andrássy Gyula German Speaking University Budapest/Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest, kurz: AUB) ist die einzige deutschsprachige Universität außerhalb des deutschen Sprachraums und als multinationales Gemeinschaftsprojekt Deutschlands, Österreichs und Ungarns sowie der Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern gegründet worden. Von den über 50 bestehenden Kooperationsvereinbarungen mit Hochschulen sind 28 solche mit deutschen Hochschulen.

Zentrale Einrichtung der Andrássy-Universität ist das Institut für Donauraumstudien und europäische Integrationsforschung. Unterstützt wird die Hochschule vom DAAD und dem Auswärtigen Amt mit Gastdozenturen und Stipendien. Die Forschungsschwerpunkte des Instituts liegen in den Bereichen "Europäische Integration", "Transformationsprozesse" und "Identitätsbildung".

Als eine der internationalisiertesten Universitäten weltweit gilt die 1991 gegründete Central European University (CEU, Közép-európai Egyetem). Die Studierendenschaft (1.600) setzt sich aus mehr als 100 Ländern zusammen. Die CEU verfügt über insgesamt 15 Fakultäten. Gründer ist der US-amerikanische Investor ungarischer Herkunft George Soros, der die CEU bis heute mit etwa 880 Mio. USD gefördert hat. Im Times Higher Education World University Ranking 2014-15 belegt die CEU einen Platz in den Top 100 im Bereich der Sozialwissenschaften; die Politikwissenschaftliche Fakultät der CEU zählt laut dem Wochenmagazin Die Zeit sogar zu den Top 5 in Europa. Die CEO Business School wurde 2002 in die CEU eingegliedert.

Die 1920 gegründete staatliche Corvinus-Universität Budapest (Budapesti Corvinus Egyetem) hat sieben Fakultäten, darunter Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften und 18.000 Studenten. Weitere Universitäten und Hochschulen im Clustergebiet sind:

  • Universität für Wehrtechnik

Entwicklungsdynamik

2010 wurde Viktor Orbán von der nationalkonservativen Fidesz-Partei zum zweiten Mal nach 1998 bis 2002 zum Ministerpräsidenten Ungarns gewählt. Einige der seit 2010 verabschiedeten Gesetze stießen auf internationale Kritik wegen ihrer Unvereinbarkeit mit den europäischen Grundwerten. Im September 2013 wurden vom ungarischen Parlament mit der 5. Verfassungsreform einige Gesetze nachgebessert.

Trotzdem gibt es nach wie vor Kritik an Orbán: War nach 1989 in Ungarn noch ein Kurs in Richtung Marktliberalisierung eingeschlagen worden, wächst der Staatseinfluss (gerade in vielen Dienstleistungsbranchen) inzwischen wieder. Mit Schwierigkeiten hat seit dem Amtsantritt Viktor Orbans beispielsweise die ungarische Pharmabranche zu kämpfen: Im Rahmen der Sparmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen, so das Budapest Business Journal, fokussiert sich die Vergabepraxis bei Ausschreibungsverfahren strikt nach dem Preisfaktor (blind bidding), wodurch sich teurere und innovativere Produkte der ungarischen Pharmaunternehmen beispielsweise gegenüber chinesischen Unternehmen im Nachteil sehen.

Mit Amtsantritt Viktor Orbáns im Mai 2010 sanken auch die Bildungsausgaben von einstmals 1,2 Mrd. EUR auf knapp 660 Mio. EUR bis 2012. Staatlich gefördert wird ein Studium nur noch, wenn die Absolventen nach ihrem Studium für eine festgeschriebene Zeit in Ungarn arbeiten (gehen sie ins Ausland, muss die Fördersumme zurückgezahlt werden). Entsprechend sank die Zahl der Studenten in Ungarn bereits im Jahr 2013 auf ein 17-Jahrestief.

Im Transparency International's corruption perception index (CPI) belegte Ungarn im Jahr 2013 den 47. von insgesamt 177 Ländern (und den 20. von 28 EU-Staaten). Im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal, in den Orbán-Vertraute involviert waren und der (inzwischen wieder gestrichenen) Internetsteuer ist es in der letzten Zeit vermehrt zu Protesten gegen die Regierung in Budapest gekommen.

Die Arbeitsgruppe BudapestHUB (bzw. thehub) formuliert in Budapest 2.0.2.0 Runway – The Startup Credo das Ziel, bis zum Jahr 2020 das Startup-Zentrum der Region Zentral- und Osteuropa zu werden. Demnach sollte der ungarische Staat in erster Linie die Rolle eines Katalysators übernehmen bzw. gründerfreundliche Rahmenbedingungen schaffen, die Start-Up-Szene jedoch nicht durch zu viele Regulierungen beeinträchtigen.

Im nationalen Strategiepaper National Research and Development and Innovation Strategy 2013 – 2020: Investment in the future wird u. a. das Ziel erklärt, den F&E-Anteil am BIP bis 2020 auf 1,8 und bis 2030 auf 3 Prozent zu steigern. Die drei Hauptzielrichtungen lauten:

  • Entwicklung international wettbewerbsfähiger Wissenszentren
  • Förderung effizienter Wissensverwertungsprozesse
  • Generierung eines intensiven Flusses von Know-How

Ungarn will zudem in der EU das Land mit dem größten Industriesektor und den höchsten Exporten gemessen am BIP werden.

Die Forschungs- und Innovationsstrategie für Zentralungarn (Research and Innovation Smart Specialization Strategy (RIS3 of Central Hungary (CH) 2014 – 2020)) ist das zentrale Strategiedokument für die Region. Federführender Akteur im Cluster für die Umsetzung der intelligenten Spezialisierung ist die Innovationsagentur für Zentral-Ungarn, INNOREG.

Das Ziel der Strategie liegt in der Durchsetzung von "grüner Wirtschaft" und "grüner Innovation" und der gezielten Fortentwicklung des F&E-Sektors in der Region und nachhaltigen Problemlösungen.

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