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Kurzprofil

Der Südwesten Norwegens hat eine lange Tradition als Zentrum der Energie- und Meerestechnik. Im Zuge der Entdeckung von Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee in den 1960er hat sich die Region um die Städte Stavanger, Bergen und Kristiansand in den folgenden 50 Jahren kontinuierlich zu einem weltweit führenden Standort in diesem Sektor entwickelt. 

In den letzten Jahren wirken die Akteure den sinkenden Förderquoten durch zunehmende internationale Vernetzung und technologische Innovationen entgegen. Netzwerke wie NCE SubseaArena Offshore Support Vessel oder Arena NOW bringen unterschiedliche Akteure entlang der Wertschöpfungskette zusammen, um Synergien zu schaffen und gemeinsam Technologien zur Erschließung von Vorkommen in größeren Tiefen oder in rauherem Klima zu entwickeln. Mit ihrem Know-how erweitern die Unternehmen stetig die Palette ihrer Standorte zur Energieproduktion. So wurde an der norwegischen Küste vor Stavanger 2009 beispielsweise die erste schwimmende Windkraftanalage installiert und Unternehmen aus dem Cluster waren am Aufbau des ersten deutschen Offshore-Windpark beteiligt. 

Getragen werden die Innovationen von staatlichen Exzellenzinitiativen und lokalen Forschungseinrichtungen. Das Centre for Integrated Petroleum Research (CIPR) oder das International Research Institute of Stavanger (IRIS) arbeiten z. B. eng mit den lokalen Netzwerken zusammen und unterstützten die Industrie durch Ausbildungs- und Technologietransferprogramme.

Stavanger mit seinen ca. 130.000 Einwohnern bildet zusammen mit der 15 km südlich gelegenen Stadt Sandnes das wirtschaftliche Zentrum des Clusters. In Stavanger haben vier internationale Ölunternehmen ihren Sitz, u.a. auch Statoil, die staatliche Ölgesellschaft Norwegens, die mit mehr als 25.000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber des Landes ist. Außerdem sitzen etliche staatliche Organisationen in Stavanger. Hierzu zählen PetoroGassco, das Norwegian Petroleum Directorate (NPD) oder die Petroleum Safety Authority Norway.

Bergen ist mit etwa 260.000 Einwohnern (Großstadtgebiet ca. 380.000 Einwohner) die zweitgrößte Stadt Norwegens. Neben der Erdöl- und Gasindustrie prägen der große Seehafen und die damit verbundene traditionsreiche Fischerei- und Werftindustrie die lokale Wirtschaft. Weitere wichtige Wirtschaftsfaktoren sind die Aquakultur und der Tourismus.

Wie Bergen hat sich auch Kristiansand (ca. 80.000 Einwohner) an der Südspitze Norwegens aus seiner maritimen Tradition heraus zu einem wichtigen Standort der Öl- und Gasindustrie entwickelt. Kristiansand ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Süden Norwegens.

Die Bedeutung, die der Cluster für Norwegen - und damit für den laut Human Development Report fortschrittlichsten Staat der Erde - hat, lässt sich am Bruttoinlandsprodukt erkennen. Die Ölindustrie und verwandte Sektoren waren 2009 für 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Der Staatliche Pensionsfonds (Statens pensjonsfond), der aus den Einnahmen der Ölindustrie gespeist wird und der den Wohlstand des Landes sichern soll, verfügt mittlerweile über 525 Milliarden US-Dollar (Stand Ende 2010).

Internationale Anziehungskraft

Stavanger ist seit 1974 Veranstaltungsort der ONS, einer weltweit wichtigsten Messen des Energiesektors. Die internationale Messe zieht jährlich rund 50.000 Fachbesucher und 1.350 Unternehmen an. Die gleichzeitig stattfindende ONS Konferenz genießt ebenfalls hohe Reputation als wichtiges globales Forum für die Themen Öl, Gas und Energie. 2010 wurde sie von mehr als 1.200 Teilnehmern aus Industrie und Politik besucht. Die Veranstaltung wird von einem Kulturfestival begleitet.

Der Cluster steht wegen der weltweiten Führungsposition des Standorts im Bereich der Tiefsee- und Fördertechnologien im Fokus vieler Risikokapitalgesellschaften. Beispielhaft sei hierfür das Venture-Capital-Netzwerk Oiltech Investment. Das Netzwerk besteht aus zehn Investmentgesellschaften, von denen vier aus Norwegen stammen. Das Mitgliedsunternehmen Energy Ventures hat seinen Hauptsitz in Stavanger. Am Investitionsmuster des Netzwerks wird deutlich, dass Südwestnorwegen neben Texas, Aberdeen und Trondheim der wichtigste Standort für Tiefsee- und Fördertechnologien ist. In folgende Firmen aus dem Clustergebiet ist das Venture-Capital-Netzwerk aktuell (Dez. 2012)  investiert:

Diese jungen Unternehmen decken einen Großteil der Wertschöpfungskette im Bereich Exploration und Förderung von Öl und Gas (Reservoir-Erkundungen, Bohrungen, Sicherheit und Umwelt, IT-Unterstützung) ab.

In Bergen und Stavanger liegen der zweit- und der drittgrößte Flughafen Norwegens. Bergen Airport (Flesland) beförderte 2010 rund 5,3 Millionen Passagiere. Über die deutschen Fluglinien Lufthansa, Air Berlin und Eurowings bestehen regelmäßige Verbindungen nach Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Hamburg. Der Flughafen Stavanger befindet sich in Sola, rund elf Kilometer südwestlich vom Stadtkern. Er ist mit gut 3,6 Millionen Abfertigungen in 2010 etwas kleiner. In Deutschland angeflogene Ziele sind Berlin und Frankfurt. Der Flughafen Haugesund liegt zwischen Bergen und Stavanger und wird hauptsächlich für Inlands- und Charterflüge benutzt. Der Flughafen von Kristiansand bietet Verbindungen nach Oslo, Stavanger, Bergen, Kopenhagen und Amsterdam.

Die Flughäfen verfügen über eine große Anzahl an Helikopterlandeplätzen. Hubschrauber dienen als wichtiges Mittel zum Transport auf bzw. zur Wartung von Installationen in der Nordsee. 2010 starteten aus Bergen und Stavanger je knapp 8.000 Helikopterflüge in den Nordseeraum. An beiden Flughäfen wurden nach Angaben des staatlichen Flughafenbetreibers Avinor mehr als 200.000 Passagiere zu bzw. von Installationen in der Nordsee abgefertigt. Dies entspricht ca. 75 Prozent des Gesamtverkehrs in Norwegen auf Ölplattformen.

Im Großraum Bergen liegen der größte Hafen sowie die wichtigsten Rohölterminals Norwegens. Im Seehafen Bergen wurden 2010 gut 93.000 Container und 50 Millionen Tonnen Fracht verschifft. Der Hafen ist außerdem ein Zentrum des weltweiten Kreuzfahrttourismus. Die Anzahl der Passagiere von Kreuzfahrtschiffen in Bergen stieg von 218.000 (2006) auf 291.000 (2010).
Ferner befinden sich im Umland die beiden Rohölterminals Sture und Mongstad. Die beiden Umschlagplätze erfüllen wichtige Funktionen für die Wertschöpfungskette. Hier laufen diverse Pipelines zusammen, Rohöl (und teilweise auch Erdgas) kann vorübergehend gespeichert und nach Nordamerika, Europa und Asien verschifft werden. Zudem besteht die Möglichkeit, die Rohstoffe zu fraktionieren und zu raffinieren.

Norwegische Städte gelten als besonders lebenswert und das Sozialsystem gehört zu den am höchsten entwickelten der Welt. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf betrug 2005 47.557 US-Dollar; das Bildungssystem gilt als vorbildlich. Norwegen wird im Human Development Report regelmäßig auf dem ersten Platz geführt.

2008 war Stavanger gemeinsam mit dem englischen Liverpool die Kulturhauptstadt Europas.

Thematische Stärkefelder

Die herausragende wirtschaftliche Stellung Südwestnorwegens ist in der Offshore Gas- und Ölwirtschaft begründet. Dieser Industriezweig konnte sich aus den traditionellen Standbeinen der norwegischen Industrie, der Fischerei, Werftindustrie und Handelsschiffahrt, heraus entwickeln. Die Entwicklung hin zu der weltweiten Spitzenposition in der Offshore-Förderung stellte daher aus technologischer Sicht keinen Neubeginn dar, vielmehr ist sie das Ergebnis einer strategischen Weiterentwicklung der traditionellen maritimen Kompetenzen unter der Ägide der staatlichen Ölgesellschaft Statoil und des Öl- und Energieministeriums.

Die Kompetenzen umfassen die gesamte Wertschöpfungskette der Öl- und Gaswirtschaft (siehe Abbildung):

  • Exploration und Produktion (Sondierung und Erschliessung neuer Vorkommen, erschöpfende Erschliessung bestehender Vorkommen)
  • Versorgung und Administration (Versorgungsbasen, Catering)
  • Konstruktion, Bau und Erhaltung von Offshoreeinrichtungen
  • Umschlag und Transport, auf dem Seeweg und über Pipelines
  • Konstruktion und Betrieb von petrochemischen Veredelungsanlagen: So liegen beispielsweise vier von fünf Weiterverarbeitungsanlagen / Terminals von Statoil im Clustergebiet: Aufbereitungsanlage KårstøAufbereitungsanlage KollsnesRaffinerie und Kraftwerk MongstadSture Terminal.
  • Beratung und Dienstleistungen

Die gesamte Wertschöpfungskette liegt in norwegischer Hand und ist komplett in die norwegische Wirtschaft integriert, im Gegensatz zu den arabischen Ländern, wo Administration, Veredelung, Anlagenbau, Transport und Vermarktung von den grossen Ölkonzernen durchgeführt werden.

Das Know-How in der Offshore-Technik wird zunehmend für die Erschliessung von Windenergie eingesetzt. Diese ergänzt sich mit der flexibel abrufbaren fossilen und hydraulischen Energieerzeugung zu einem leistungsstarken Energieportfolio - einem Standortfaktor, der im Laufe der zunehmenden Integration in das europäische Verbundnetz weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.

Akteure und Netzwerke

Die Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Stavanger, Bergen, Sandnes und Kristiansand profitieren von verschiedenen staatlichen Vernetzungs- und Exzellenzinitiativen. Zu unterscheiden sind Exzellenzzentren (Centres of Excellence - SFF), Kompetenzcluster (Centres of Expertise - NCE),  Zentren zur Erforschung umweltfreundlicher Energien (Centres for Environment-friendly Energy Research - FME) und die forschungsbasierten Innovationszentren (Centres for Research-based Innovation - SFI).

Exzellenzzentren (Centres of Excellence - SFF) im Clustergebiet:

  • Das Centre for Integrated Petroleum Research (CIPR) ist das bedeutendste Exzellenzzentrum für das Clustergebiet. CIPRs Ziel ist es, die Technologieführerschaft Norwegens in der Petroindustrie auszubauen. Das Zentrum fördert Innovationen durch die Integration verschiedener Forschungsfelder, durch die Anregung von nationalen und internationalen Kooperationen sowie durch die Ausbildung junger Wissenschaftler.
  • Das Bierknes Centre for Climate Research (BCCR) ist das größte Klimaforschungszentrum in Nordeuropa. Ein internationales Team aus 120 Wissenschaftlern liefert wichtige Informationen zum Klimawandel. Besonderer Fokus liegt dabei auf den Polarregionen. Das BCCR gehört zu den Gründern des Nansen-Zhu International Research Centre in Peking, zu dem eine enge Partnerschaft besteht.
  • Das Centre Centre for Geobiology (CGB) an der Universität Bergen untersucht die Entstehung des Lebens und die Wechselwirkungen zwischen der Geos- und Biosphäre. Dies geschieht u.a. durch Tiefseeexpeditionen und -bohrungen. 

Kompetenzcuster (Centres of Expertise - NCE)

  • NCE Subsea ist das zentrale Clusternetzwerk für den Bereich Tiefseetechnologien. Das Netzwerk hat über 100 Mitglieder aus Wirtschaft, Politik und Forschung. NCE Subsea ist Mitglied in der Society for Underwater Technologies, einem weltweiten Dachverband für Tiefseetechnik.
  • NCE NODE umfasst etwa 50 Unternehmen in Südnorwegen entlang der Wertschöpfungsketten in verschiedenen Nischen der Offshore-Technik (Bohrtechnik, wellenkompensierte Kräne, Umlade- und Verankerungstechniken)
  • Weitere Netzwerke außerhalb der Energie- und Meerestechnik sind NCE Culinology und NCE Tourism Fjord Norway.

Zentren zur Erforschung umweltfreundlicher Energien (Centres for Environment-friendly Energy Research - FME):

Forschungsbasierte Innovationszentren (Centres for Research-based Innovation - FMI):

Neben diesen nationalen Exzellenzinitiativen profitieren Unternehmen und Institutionen von dem regional ausgelegten Förderprogramm Arena. Arenas Ziel ist die langfristige (Weiter)Entwicklung regionaler Business Cluster. Das Innovationspotential der Region soll durch dynamische Kooperationen zwischen Unternehmen, FuE-Einrichtungen, Universitäten und der öffentlichen Hand gesteigert werden. Das Programm wurde von Innovation NorwaySIVA und dem Norwegischen Forschungsrat ins Leben gerufen. Von den aktuell 22 unterstützten Projekten liegen fünf im Clustergebiet:

  • Centre for Smart and Safe Wells (Arena Brønnteknologi) ist das zentrale Netzwerk für Bohrungstechnologien. Es unterstützt Mitglieder insbesondere in den Bereichen Forschung, Ausbildungsentwicklung sowie Prüfung und Zertifizierung. Hierbei greift das Arena-Programm auf die Partner IRIS Energy, Universität Stavanger und das IRIS Ullrigg Drilling and Well Centre zurück, welches als weltweit fortschrittlichstes Testzentrum für Bohrtechnologien gilt.
  • Arena Integrated Operations (Arena Integrerte Operasjoner) wurde gegründet, um die nationale und internationale Vernetzung des norwegischen Öl- und Gassektors zu fördern. Dies soll in erster Linie durch IKT-Anwendungen geschehen, die Daten in Echtzeit verarbeiten. So sollen in Zukunft neue Prozesse oder Partner besser integriert werden können.
  • Arena Offshore Support Vessel - Offshore Technology and Operations (Arena Offshorefartøy) ist ein lokales Netzwerk in Haugaland und Sunnhordland, dem das es sich zum Ziel gesetzt hat, die lokale Industrie technologisch auf extremere Förderbedingungen in größeren Tiefen und in arktischen Regionen vorzubereiten. Im Fokus stehen Technologien, mit denen man direkt von Schiffen aus auf dem Meeresgrund arbeiten kann. Die Zielgruppe des Netzwerks sind daher v. a. Werften, Reedereien und Zulieferer. Arena Offshorefartøy strebt eine internationale Führungsposition auf diesem Gebiet an.
  • Das Netzwerk Arena NOW (Norwegian Offshore Wind) bekam im Oktober 2009 den Arena-Status zugesprochen. Die Organisation umfasst Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette maritimer Windkraftanlagen - von Planung und Design bis zum Betrieb. Viele Mitgliedsunternehmen zählen zu den Technologieführern in ihrer Branche. Zusammen mit Statoil und Siemens gelang Arena NOW-Mitgliedern beispielsweise bei Stavander vor der Insel Karmøy die erstmalige Installation einer schwimmenden Windkraftanlage. Sie waren außerdem an dem Aufbau des ersten deutschen Offshore-Windparks Alpha Ventus, beteiligt. Auch in Zukunft gilt Deutschland als einer der wichtigsten Märkte.
  • Mediarena vernetzt die lokalen Akteure der Medien und IKT-Branche und unterstützt den Aufbau eines Medien Clusters - v.a. in der "Media City Bergen". 

Petoro ging 2001 aus der Privatisierung von Statoil hervor und sitzt in Stavanger. Der Vorläufer von Petoro, SDFI (State's Direct Financial Interest), war seit 1985 als selbständiger Rechtsträger gegründet worden, um den immensen Einfluss von Statoil auf das norwegische Bruttoinlandsprodukt zu regulieren. SDFI wurde bis zur Privatisierung allerdings weiterhin von Statoil geführt. Der Staatsbetrieb Petoro verwaltet seitdem die norwegischen Kapitalanlagen bzw. -beteiligungen. Hierzu zählen die Lizenzvergabe an Förderunternehmen sowie Beteiligungen an Pipelines und Onshore-Anlagen. Außerdem beaufsichtigt Petoro die Erdölverkäufe von Statoil. 

Gassco, ebenfalls ein staatliches Unternehmen, verfügt über ein Gaspipelinenetz von rund 8.000 Kilometern, der Firmenhauptsitz liegt in Karmøy, ca. 50 Kilometer nordwestlich von Stavanger.

Das Norwegian Petroleum Directorate (NPD) hat ebenfalls seinen Hauptsitz in Stavanger. Es ist dem norwegischen Öl- und Energieministerium unterstellt. Mit über 200 Mitarbeitern stellt es eine interdisziplinäre Experten- und Forschungsinstitution dar, welche die Regierung berät, langfristige Strategien erarbeitet und entscheidungsrelevante Daten über den Norwegischen Kontinentalschelf zu Verfügung stellt. NPD veröffentlicht regelmäßig kostenlose englischsprachige Studien und Magazine über den Zustand und die Perspektiven der norwegischen Öl- und Gasindustrie.

INTSOK, ein 1997 vom Staat gegründeter Verband der norwegischen ÖL- und Gasindustrie, unterstützt einheimische Unternehmen bei der Internationalisierung. Der Verband arbeitet außerdem eng mit den oben genannten staatlichen Akteuren zusammen. Zu den Partnern gehört zudem die Petroleum Safety Authority Norway (Stavanger), die Regulierungsbehörde für Sicherheits- und Umweltfragen in der norwegischen Petroindustrie.

Neben den übergeordneten staatlichen Clusterorganisationen und Vernetzungsprogrammen gibt lokale Initiativen zur Steigerung des Innovationspotentials und des Technologietransfers. Ein Beispiel hierfür ist der Stavanger Innovation Park (iPark)

Statoil ist der größte und wichtigste Akteur des norwegischen Energiesektors. Das Unternehmen ist zu zwei Dritteln in öffentlicher Hand und betreibt die meisten Plattformen auf dem Norwegischen Kontinentalschelf. Von den Unternehmenszentralen in Stavanger und Oslo werden außerdem die weiteren Aktivitäten des Unternehmens koordiniert: Weiterverarbeitung und Reinigung von Gas, Ölraffination und Methanolproduktion. 2010 betrugen die Gesamterlöse des Unternehmens 529,6 Milliarden Norwegische Kronen (rund 68,3 Milliarden Euro). Als Antwort auf sinkende Förderquoten in der Nordsee strebt das Unternehmen zunehmend auf internationale Märkte. Statoil erfüllt eine wichtige Funktion für die Gasversorgung Deutschlands. Die Pipelines Norpipe (betrieben von Gassled), Europipe I und Europipe II transportieren Gas nach Dornum bei Emden. Von hier aus beginnt der Vertrieb des norwegischen Gases nach Europa.

Das International Research Institute of Stavanger (IRIS) besteht seit 2006 und gehört zu gleichen Teilen der Universität Stavanger und der Stiftung Rogalandsforskning. Das Institut ging im Zuge von Umstrukturierungen aus Rogaland Research hervor. IRIS legt den Schwerpunkt auf anwendungsorientierte Forschung- und Entwicklung in den Bereichen Bohrtechnologien, Reservoirerkundung- und -erschöpfung, Technologietransfer und Vermarktung, Umweltforschung und Geschäftsentwicklung. Damit deckt IRIS einen Großteil der Wertschöpfungskette ab. Das Forschungsinstitut betreibt FuE-Zentren - häufig in Partnerschaft mit Akteuren aus Wirtschaft und Forschung:

Weitere wichtige Akteure des Clusters sind:

  • Norwegian Petroleum Consultants (NPC) ist eines der größten Beratungsunternehmen für Öl- und Gasunternehmen weltweit. Der Hauptfirmensitz ist in Sandnes; es unterhält zudem eine Außenstelle in Singapur. Das Beratungsangebot deckt die Wertschöpfungskette der Branche ab: Engineering, Projektmanagement, Wartung, Modifikationen und laufender Betrieb von Installationen.
  • In Bergen befindet sich der Hauptsitz des Instituts für Meeresforschung. 700 Angestellte erforschen das Ökosystem der an Norwegen grenzenden Meere: Barentsee, Europäisches Nordmeer und Nordsee.

Das Subsea Oil & Gas Directory bietet eine Übersicht über alle Unternehmen der Öl- und Gasbranche im Clustergebiet:

Neben diesen Akteuren der Energie- und Meerestechnik hat sich mit MedViz ein international bedeutendes Biotechnologie-Netzwerk gebildet. Die Universität Bergen, das Universitätsklinikum Haukeland (mit rund 1.100 Betten eines der größten Krankenhäuser des Landes) und Christian Michelsen Research forschen gemeinsam an medizinischen Visualisierungsverfahren. Der Ansatz ist interdisziplinär und verfolgt das Ziel, die Diagnosegenauigkeit zu erhöhen. MediViz plant außerdem, basierend auf den Forschungsergebnissen eine kommerzielle Software zu entwickeln. 

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Im Zuge der Reform der höheren Bildungswesens in Norwegen im Jahr 1994 wurden 98 kleinere Hochschulen/Colleges zu 26 großen Hochschulen und Universitäten zusammengefasst. Im Clustergebiet liegen zwei Universitäten und fünf Hochschulen:

Das offizielle Internetportal Study in Norway informiert ausländische Studierende über die verschiedenen Möglichkeiten, die der Bildungsstandort Norwegen bietet. Außerdem finden sich auf dem Portal Informationen zum norwegischen Bildungssystem, Kontaktadressen und die Möglichkeit, gezielt nach Masterstudiengängen zu suchen.

Der Norwegische Forschungsrat und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ermöglichen Wissenschaftlern kurze Forschungsaufenthalte im jeweiligen Partnerland. Ziel des Austauschs ist die Etablierung von langfristigen akademischen Kooperationen.

Die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften ist ein Hauptanliegen der Netzwerke, weshalb nahezu alle spezielle Programme unterstützen oder anbieten. Das Centre for Integrated Petroleum Research (CIPR) beispielsweise hat neben einem anwendungsorientiertes Promotionsprogramm ein spezielles Masterprogramm für Studenten der Physik, Geologie, Mechanik und Chemie. CIPR kooperiert dabei mit dem Universitätszentrum Spitzbergen UNIS, das sich auf arktische Biologie, Geologie, Geophysik und Technologien spezialisiert hat. Dieser multidisziplinäre Ansatz soll das Angebot an qualifizierten Fachkräften sichern, die den wachsenden Herausforderungen bei der Erschließung neuer Öl- und Gasfelder gewachsen sind.

In Stavanger sitzt außerdem PETRAD, eine staatliche Stiftung, die den Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen Managern, Regierungsmitgliedern und Ölgesellschaften fördert. PETRAD wurde 1989 gegründet. Die Organisation bietet maßgeschneiderte Seminare und Fortbildungsprogramme, die bis zu zehn Wochen dauern können. Die zentralen Akteure der norwegischen Petroleumbranche kooperieren mit PETRAD. Die Bandbreite der Seminare erstreckt sich von Managementfortbildungen über technische Entwicklungen hin zu Dienstleistungsfragen, Unternehmensberatung und FuE. Die Aktivität von PETRAD beschränkt sich nicht nur auf Norwegen. Die Stiftung ist mittlerweile weltweit aktiv und hilft ausländischen Regierungen u.a. bei der Gründung staatlicher Ölgesellschaften.

Die Society of Petroleum Engineers (SPE) ist eine weltweit tätige Non-Profit-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Akteure der Öl- und Gasbranche miteinander zu vernetzen und den Austausch von technischem Wissen und Erfahrungen anzuregen. Sie verfügt über mehr als 97.000 Mitglieder in 118 Ländern und bildet auch in Norwegen das zentrale Netzwerk der Erdöltechniker. SPE Norwegen unterstützt in lokalen Ortsverbänden Studenten und junge Arbeitnehmer bei Ausbildung und Vernetzung. Das SPE Bergen Student Chapter setzt sich beispielsweise aus mehreren hundert Studenten der Universität Bergen und des Universitätskollegs Bergen zusammen. Es bietet den studentischen Mitgliedern die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Technologien der Branche vertraut zu machen und Unternehmen aus dem Sektor kennenzulernen. SPE Stavanger unterhält ebenfalls ein solches Studentennetzwerk. Das SPE Young Professionals Programm hingegen richtet sich an junge, bereits ausgebildete Ingenieure und erleichtert den Übergang in das Arbeitsleben. Auf regelmäßig ausgerichteten Treffen können junge Berufstätige über Disziplinen- und Unternehmensgrenzen hinweg Erfahrungen austauschen.

Entwicklungsdynamik

Die Entwicklung Norwegens zu einer der führenden Erdöl- und Erdgasnationen der Welt begann 1958/1959 mit der Entdeckung von Erdgasvorkommen in der niederländischen Provinz Groningen. Da sich die geografische Formation, die das Gas in Groningen erhielt, bis zur englischen Küste fortsetzte, begann mit dieser Entdeckung die gezielte kommerzielle Suche nach fossilen Energieträgern unter Wasser in der Nordsee; die ersten Explorationslizenzen vergab der norwegische Staat 1962. Die Beanspruchung des Norwegischen Kontinentalschelfs (1963) und die Verträge zur Aufteilung der Nordsee mit den Nachbarn Großbritannien und Dänemark (1965) führten zu politisch stabilen Verhältnissen für die Hochseeförderung.

Die Produktion von norwegischem Erdöl begann 1971 -  zwei Jahre vor der ersten Ölkrise - aus dem Feld Ekofisk. Zu diesem Zeitpunkt fehlte Norwegen das Know-how, um direkt an der Förderung beteiligt zu sein, so dass ausländische Firmen mit der Exploration betraut wurden. Dies änderte sich mit der Gründung von Statoil 1972. Der Staatskonzern begann 1979 mit der Ausbeutung des Feldes Statfjord. Das 1979 entdeckte Vorkommen Gullfaks war schließlich das erste Ölfeld, das komplett in Verantwortung eines norwegischen Unternehmens erschlossen und ausgebeutet wurde.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Norwegen, v. a. durch Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Clustergebiet Südwestnorwegen, zu einem weltweiten Technologieführer im Bereich Meerestechnik sowie Exploration und Förderung von fossilen Energieträgern. In Verbindung mit steigenden Weltmarktpreisen konnten so Vorkommen in größerer Tiefe gefördert werden, z. B. im Norwegischen Meer oder in der Barentssee.

Auf norwegischem Hoheitsgebiet fällt die Förderquote von Erdöl seit 2001 (etwa drei Millionen Barrel täglich) um durchschnittlich vier Prozent jährlich. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, bieten sich Norwegen - neben dem bereits umgesetzten Ausbau der Erdgasförderung - verschiedene Möglichkeiten des Wachstums, von denen auch das nationale Energie- und Meerestechnik-Cluster um Stavanger und Bergen profitieren wird.

Im August 2011 wurde vor Norwegen ein neues Ölfeld entdeckt. Mit einer Gesamtmenge von 500 Millionen bis 1,2 Milliarden Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter) handelt es sich um den größten Ölfund Norwegens seit Mitte der 1980er-Jahre. Bemerkenswert ist außerdem, dass ein solcher Fund in einem bereits gut erkundeten Gebiet in direkter Nähe zum Clustergebiet gelang. Die wirtschaftliche Bedeutsamkeit des Fundes wurde Ende September 2011 von Statoil bestätigt. Die Größe eines Gasfeldes, das im Juni 2009 auf Höhe des Polarkreises entdeckt wurde, scheint sich hingegen nur am unteren Rand der erhofften Fördermenge zu bewegen. Des Weiteren gelten die Barentssee und die Gewässer um den Nordpol in Zukunft durch steigende Marktpreise und fortgeschrittene Technologien als potentielle Förderregionen.

Neben der Erschließung neuer Ölfelder profitiert der Cluster auch von der Modernisierung bereits bestehender Ölplattformen. Die norwegische Regierung fordert eine effizientere Ausbeutung bereits entdeckter Ölfelder und hat u. a. die Ölkonzerne Statoil (eine Milliarde Euro), Total und ConocoPhillips dazu gebracht, in die Modernisierung der vorhandenen Plattformen zu investieren. Davon profitieren u.a. die FuE-Unternehmen sowie die Zulieferer.

Der Cluster kann außerdem von der globalen Expansion seines wichtigsten Akteurs profitieren. Mit fallenden Förderquoten konfrontiert hat Statoil seine Technologieführerschaft benutzt, um in anderen Teilen der Welt mit großen Rohstoffvorkommen aktiv zu werden. Hierzu zählen v. a. Angola und Aserbaidschan; darüber hinaus verstärkt Statoil seine Präsenz in Algerien, Kanada, Grönland, dem Golf von Mexiko und Venezuela. Die globalen Aktivitäten des Konzerns können unter folgender Internetseite eingesehen werden: Statoil Worldwide.

Eine weitere potentiell bedeutende Entwicklung für den Energie- und Meerestechnikcluster ist der Atomausstieg der Bundesrepublik Deutschland sowie die gesamteuropäischen Fördermaßnahmen der Erneuerbaren Energien. Diese politischen Entscheidungen eröffnen den ansässigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen vielfältige Chancen, da Investitionen in die Energieinfrastruktur vonnöten sind. Viele der angestrebten Projekte sind entweder auf norwegischem Hoheitsgebiet oder fallen in das Kompetenzfeld des norwegischen Clusters:

  1. Die regionalen Stärken der alternativen Energiegewinnung (z. B. Windkraft in der Nordsee, Solarenergie in Südeuropa und Nordafrika) und der damit verbundene Transport von Strom erfordern einen europaweiten Ausbau der Netzinfrastruktur
  2. Ein zentraler Baustein der bundesdeutschen und europäischen Strategie zur Energiewende ist der Ausbau und die Modernisierung von Windparks, v.a. in der Nordsee. Nach Plänen der Bundesregierung sollen bis 2020 ein Fünftel des Stroms aus Windenergie bezogen werden. Von diesem Vorhaben sollten insbesondere die Mitglieder des Netzwerkes Arena NOW profitieren, da sie zu den Technologieführern zählen und bereits an einigen bundesdeutschen Windpark-Projekten beteiligt waren.
  3. Pumpspeicherwerke in Norwegen werden als wichtiges Mittel angesehen, um die fluktuierende Stromerzeugung der Erneuerbaren Energiequellen auszugleichen. Das Vorhaben, Norwegen zu einer "grünen Batterie" für Ökostrom zu machen, stößt allerdings zunehmend auf Kritik in der norwegischen Bevölkerung, da Pumpspeicherwerke ein Risiko für die einheimische Flora und Fauna sowie einen erheblichen Eingriff in die Fjordlandschaft darstellen.

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