Kurzprofil

Die Metropolregion Melbourne (Metropolitan Statistical Division), zu der statistisch 31 lokale Verwaltungsbezirke (Local Government Areas) gezählt werden, liegt als Hauptstadt des Bundesstaates Victoria im Südosten Australiens und ist mit über vier Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Australiens nach Sydney. Im vorliegendem Clusterportrait wird der zentrale Verwaltungsbezirk City of Melbourne fokussiert, da dieser aus 14 Stadtteilen bestehende Verwaltungsbezirk das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum Victorias darstellt. Von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung sind stadteilübergreifende Gebiete wie der Hafen von Melbourne entlang des Yarra-River und der Central Business District (CBD), in dem das Finanzzentrum der Stadt und das Parlament Victorias zu finden sind. Weitere bedeutende Stadtteile sind Port Melbourne als Standort des produzierenden Gewerbes, Docklands mit Schwerpunkt in der Luftfahrtindustrie sowie Fisherman's Bend, in dem das Australische Verteidigungsministerium einen Forschungsstandort betreibt. 

Die Wohnbevölkerung der City of Melbourne ist mit ca. 120.000 Bewohnern gering, jedoch arbeiten in dem Stadtgebiet knapp eine halbe Millionen Menschen. Die Arbeitskräfte verfügen über ein gutes Bildungsniveau. 45 Prozent besitzen einen Bachelor- oder höheren Universitätsabschluss, während der Altersmedian bei 36,5 Jahren (Zensus 2006) liegt. Durch die Nähe zum asiatischen Raum herrscht in der Stadt ein hohes Maß an Multilingualität und –nationalität.

Melbourne verfügt über eine hervorragende Infrastruktur. So gilt das Straßennetz als eines der modernsten der Welt und das Straßenbahnnetz, das eines der letzten verbliebenen in Australien ist, ist hoch entwickelt. Über den Melbourne Airport, der nur 25 Kilometer nordwestlich des CBD liegt, gibt es Anbindungen zu Europa, Asien und Amerika. 

Aufgrund der Nähe zum asiatisch-pazifischen Raum besteht die Bevölkerung Melbournes aus einer Vielzahl von Kulturen. Rund 140 Nationen sind in der Stadt vertreten, knapp die Hälfte der Bewohner sind im Ausland geboren. Neben Englisch ist Mandarin die meistgesprochene Sprache in der City of Melbourne.

Die Volkswirtschaft Victorias zählt zu den stärksten und stabilsten der Welt. Sie macht rund ein Viertel des Bruttoinlandproduktes Australiens aus und wird von der Ratingagentur „Standard and Poors“ durchweg mit AAA/A+-Ratings bewertet. Die City of Melbourne trägt mit einem Bruttoregionalprodukt von mehr als 56 Mrd. australischen Dollar (AUD) rund 21 Prozent der Wirtschaft Victorias bei. Im „Global Financial Centres Index QFC" (pdf Dokument) des Qatar Financial Centres belegt Melbourne weltweit Rang 18 (Stand September 2011). 

Melbourne ist traditionell ein Produktionsstandort aus den Branchen Automobilbau, Luftfahrt, Schiffsbau, Verteidigung und Hochpräzisionsmetallverarbeitung. Die Automobilkonzerne „Holden“ und „Toyota Motor Corporation Australia“ sowie das Tochterunternehmen Boeing Aerostructures Australia Pty Limited des Flugzeugherstellers Boeing sind im Stadtteil Port Melbourne ansässig. Mit dem Stahl- und Bergbaukonzern BHP Billiton beherbergt Melbourne zudem das größte Industrieunternehmen Australiens und die größte Minengesellschaft der Welt. 

Neben dem Produktionssektor und der Herstellung von Pharmaprodukten und Chemikalien weist Melbourne eine ausgeprägte Forschungs- und Innovationslandschaft in der Biotechnologie auf. Schwerpunkte liegen in der Stammzellenforschung, der Neurowissenschaft und der Behandlung von Krebs- und Infektionskrankheiten wie HIV, Malaria und Tuberkulose. Eine Vielzahl von Instituten, Unternehmen, modernen Forschungseinrichtungen und -Zentren der Biotechnologie befindet sich in Melbourne, so dass dort auch BIO21 als eines der weltweit ersten Clusterprogramme gegründet wurde.

Viele Unternehmen investieren in universitäre Forschungseinrichtungen und unterstreichen damit die ausgeprägte Kooperation zwischen Hochschulen und Industrie. Die University of Melbourne und die Monash University, als zwei der acht größten Universitäten Australiens, haben neben fünf weiteren Hochschulen Ausbildungsstätten im Cluster.

Internationale Anziehungskraft

Das Straßennetz in Melbourne bietet über Schnellstraßen Anschluss an andere Großstädte des Landes. In der Stadt herrscht aufgrund der enormen Frequentierung durch Arbeitnehmer und Touristen ein hohes Verkehrsaufkommen. Die Regierung Victorias investiert daher jährlich in den Ausbau der Straßen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. 1,39 Milliarden AUD wurden beispielsweise in den Ausbau des Freeways M1, der den Westen und den Osten der Stadt verbindet, investiert. Melbourne hat darüber hinaus mit einem Streckennetz von 250 Kilometern und 1763 Haltestellen das größte Straßenbahnnetz der Welt. 

Der Flughafen von Melbourne ist der zweitgrößte Flughafen des Landes. Seit 1999 steigt das Passagiervolumen stetig an, 2011 nutzten mehr als 28 Millionen Passagiere den Airport (Tagesrekord: 96.000 Fluggäste (pdf Dokument). 2010 wurden 195.900 Flugbewegungen koordiniert. Über 30 Fluggesellschaften bedienen vom Melbourner Flughafen nationale und internationale Flugrouten. Für den Luftfrachtverkehr ist besonders günstig, dass es in Melbourne kein Nachtflugverbot gibt. Mit 250.000 Tonnen wurden 2011 31 Prozent des australischen Frachtverkehrs über Melbourne abgewickelt. In die Expansion des internationalen Terminals wurden 330 Millionen AUD investiert. In den nächsten fünf Jahren investiert die Flughafengesellschaft weitere 1 Mrd. AUD in Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur des Flughafens. Seit Juli 2011 laufen die Arbeiten an einer Direktverbindung des Tullamarine Freeway zum Flughafen, die Mitte 2012 fertig gestellt werden sollen. Auch das Gebiet um den Flughafen wird umstrukturiert und soll die An- und Abreise für Autofahrer und Fluggäste, die mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen, erleichtern.

Der Hafen von Melbourne (Port of Melbourne), der am Yarra-River liegt, ist Australiens größter Containerhafen. Er umfasst ein Gebiet von 510 Hektar mit  34 kommerziellen Anlegeplätzen in fünf Hafenbecken. Im internationalen Ranking derAmerican Association of Port Authorities (pdf Dokument) (2009) belegt er hinsichtlich seiner Umschlagszahlen (2.236.633 TEUs) weltweit Platz 48. Der Hafen ist Umschlagsplatz für 37 Prozent des Containerfrachtverkehrs in Australien. Von der Nähe zum Hafen profitieren Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe. Auch im Hafen sind bereits Infrastrukturprojekte abgeschlossen worden: 2009 bis 2010 wurde dasChannel Deepening Project (Investition: 118,7 Mio. AUD) umgesetzt, bei dem Sandmassen abgetragen wurden, um eine konstante Wassertiefe von 14 Metern zu erreichen. Zudem können folgende Fakten zum Port of Melbourne ergänzt werden:

  • 13.700 Arbeitsplätze
  • 101.000 Hektar Wassergebiet 
  • 2,5 Mrd. AUD Umsatz/Jahr
  • 7.000 Schiffsbewegungen/Jahr 
  • Roll-on/roll-off
  • Anbindung an den Schienenverkehr 

Melbourne ist 2011 vom britischen Wirtschaftsmagazin The Economist zur lebenswertesten Stadt der Welt ernannt worden. Hinsichtlich der Bewertungskriterien Stabilität, Gesundheitswesen, Kultur und Umwelt, Bildung und Infrastruktur erreichte Melbourne Spitzenbewertungen. Schon 2002 lag Melbourne nur knapp hinter Vancouver auf Platz 2 des Rankings.

CNN Money bewertet Melbourne als einen der 15 Zukunftsstandorte der Welt, insbesondere auf dem Gebiet der Biotechnologie. Mit BHP Billiton und dem Telekommunikationsunternehmen Telstra haben zwei der Global 500-Unternehmen ihren Hauptsitz in der Stadt.

Trotz seiner geringen Fläche hat Victoria einen beachtlichen Anteil am nationalen Import  und Export von Dienstleistungen und Gütern. 2010/2011 trug Victoria 10,8 Prozent bzw. 32 Mrd. AUD zum nationalen Exportvolumen und 26,1 Prozent bzw. 70,8 Mrd. AUD zum Import bei. Zu den wichtigsten Exportmärkten gehören China, Neuseeland, Japan, die USA und Saudi-Arabien. Hauptzulieferer sind China, die USA, Japan, Deutschland und Thailand.

In der Forschung und Entwicklung (F&E) ist Melbourne einer der attraktivsten Investitionsstandorte weltweit. Im "Total Tax Index (pdf Dokument)"-Ranking, einem  internationalen Vergleich von zehn Ländern und 41 Großstädten der KMPG, belegen Australien bzw. Melbourne den ersten Platz im Bereich der Forschungs und Entwicklung. Seit Juli 2011 gibt es eine neue Steuerregelung für F&E (pdf Dokument), die ausländische Investitionen in den Standort Melbourne besonders attraktiv macht: Unternehmen mit F&E-Aktivitäten können Steuergutschriften geltend machen. D. h.: Die Steuerverrechnungen werden direkt von der Einkommenssteuerschuld des Unternehmens abgezogen und sollen so einfacher, fairer und leichter zugänglich gemacht werden. Besonders kleinere Unternehmen (Jahresumsatz unter 20 Mio. AUD) können davon profitieren, denn ihnen steht nach dieser neuen Regelung eine Steuergutschrift von 45 Prozent zu. Bei einer Steuerschuld von Null haben diese so möglicherweise ein Anrecht auf die Rückzahlung nicht beanspruchter Steuerverrechnungsbeträge. Größere Unternehmen können ebenfalls F&E-Steuerverrechnungen in Anspruch nehmen, haben aber keinen Anspruch auf Rückzahlungen. Diese Art der Steuerregelung gilt für

  • australische Unternehmen
  • Unternehmen mit steuerlichem Sitz in Australien
  • ausländische Unternehmen, die über eine ständige Niederlassung in Australien F&E betreibt und aus einem Staat kommt, der ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Australien abgeschlossen hat.

Mit Deutschland und 39 weiteren Staaten bestehen Doppelbesteuerungsabkommen. Somit können sowohl Doppelbesteuerung vermieden als auch Steuerverrechnungen in Anspruch genommen werden. Trotz der hohen Körperschaftssteuer von 30% ist der Standort Melbourne somit international anziehend.

Aufgrund der F&E-Steuergutschriften bietet sich nicht nur die Investition in eigene Forschungseinrichtungen an, sondern auch F&E-Förderungen in einem der bereits bestehenden renommierten Forschungsinstituten und Zentren. Zum Beispiel ist IBM eine fünfjährige Partnerschaft mit der Universität Melbourne eingegangen: Im IBM Research Collaboratory for Life Sciences auf dem Campus der Universität arbeiten Wissenschaftler des Konzerns mit Wissenschaftlern der University of Melbourne zusammen. 

Der Pharmakonzern CSL hat sich 2010 dazu entschieden, neue Projekte in seiner Forschungsanlage in Broadmeadows (Vorort von Melbourne 16 km nördlich des Central Business District) zu realisieren. In einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren investiert CSL 235 Millionen AUD und schafft so 650 neue Arbeitsplätze. Der Konzern wird somit auch zukünftig von der globalen Vernetzung Melbournes profitieren, die auch durch die Studie des Globalization and World Cities Research Network (GaWC) bestätigt wird: Melbourne ist eine der 31 besten Städte im Sinne der weltweiten Vernetzung (Einstufung: Alpha World City).

Die "International Airshow and Aerospace and Defence Expo" (AVALON) zieht im Zwei-Jahres-Rhythmus als eine der Leitmessen fast 200.000 internationale Besucher in den Cluster. 2013 wird die Stadt Geelong (75 Kilometer südwestlich von Melbourne) im Fokus der internationalen Fachbesucher aus der Luftfahrts- und Verteidigungsbranche stehen.

Thematische Stärkefelder

Die Besonderheit des Standortes Melbourne stellt die ausgeprägte Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft dar. Sowohl Automobil- als auch Luft- und Raumfahrtindustrie nutzen die Forschungslandschaft in Melbourne und können von der unterstützenden Innovationspolitik des Bundesstaates profitieren. So betreiben die Ford Motor Company Australia , die University of Melbourne und das Victorian Government zusammen seit 2006 das Advanced Centre for Automotive Research and Testing (ACART), ein Spezialzentrum für Automobilforschung und -prüfung. Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet des Treibstoffverbrauchs und der Reduktion des Emissionsausstoßes von Fahrzeugen. Fachliche Kompetenzen liegen unter anderem bei Tests von Fahrgestellen und Belastungsmaschinen (Benzin und Diesel für die Schadstoffklasse Euro IV), Tests im Windkanal, Simulationen von Verbrennungsmotoren und Forschung nach alternativen Kraftstoffen (Biokraftstoffe, Diesel, usw.). Auch GM Holden hat neben seinem Hauptsitz eine Forschungseinrichtung in Melbourne. Die wichtigsten Interessenverbände in der Automobilbranche sind die Victorian Automobile Chamber of Commerce und die Australien Automotive Aftermarket Association (Sitz in Clayton, 19 km südöstlich des CBD). 

Die Automobilindustrie konzentriert sich mit der GM-Marke Holden und dem australischen Sitz von Toyota im Stadtteil Port Melbourne. Etwas außerhalb des Zentrums sind noch folgende Firmen ansässig: Ford mit Sitz in Campbellfield (16km nördlich des CBD) und "Kenworth" mit Sitz in Bayswater (26km östlich des CBD).

Das australische Verteidigungsministerium betreibt die Defence Science and Technology Organisation (DSTO) als Forschungsstandort im Stadtteil Fisherman's Bend. 1939 war diese Einrichtung, die noch unter dem Namen Aeronautical Research Lab bekannt war, Australiens erste dieser Art. Die wichtigste Innovation der Forschungseinrichtung ist der 1957 von Dave Warren entwickelte Flugdatenschreiber, die sogenannte Black Box.

Die Luft- und Raumfahrtbranche ist mit Unternehmen wie Boeing und Thales ebenfalls im Stadtteil Port Melbourne bzw. den benachbarten Docklands (stillgelegter Teil des Hafens, in dem Bürokomplexe entstanden sind) vertreten. 

Der Flugzeughersteller Boeing arbeitet eng mit Wissenschaftlern der Swinsburne University zusammen. Das Australian Advanced Manufacturing Research Centre (AusAMRC) ist die gemeinsame Forschungseinrichtung und gehört zum globalen Netzwerk aller Boeing-Forschungszentren GlobalNET, zu dem auch das Direct Manufacturing Research Center (DMRC), einer Kollaboration der Universität Paderborn und weiteren Unternehmen wie Evonik und Siemens gehört. Ebenso zählt das Sir Lawrence Wackett Aerospace Centre der RMIT University in Port Melbourne zu den etablierten Forschungseinrichtungen in Melbourne. Die Wissenschaftler dieses Zentrums arbeiten eng mit Flugzeugherstellern zusammen und bieten gleichzeitig (internationalen) Studenten die Möglichkeit, in Forschungsprojekten mitzuwirken. Der Fokus liegt auf vier Gebieten: Strukturen und Materialien, Lebenszyklus-Management, Dynamische Systeme sowie Design und Fertigungsprozesse.

Auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und Biotechnologie hat sich der Standort Melbourne zu einem globalen Exzellenzzentrum entwickelt. Fast 75 Prozent der Biotech-Unternehmen Australiens sind in der Metropolregion ansässig. Australiens Marktführer CSL mit einem Anteil von zwei Milliarden AUD hat seinen Sitz im Verwaltungsbezirk City of Melbourne. CSL ist einer der weltweit größten Hersteller von Blutplasma, der Tochterunternehmen (CSL Behring GmbH und CSL Behring AG) in Deutschland und der Schweiz besitzt. Mit dem Australien Synchrotron im Vorort Clayton verfügt die Metropole Melbourne über eine der modernsten Einrichtungen weltweit. Mit dem Synchrotron, einer leistungsstarken Maschine mit der Größe eines Fußballfeldes, kann Synchrotronstrahlung erzeugt werden, die für wissenschaftliche Experimente eingesetzt wird. Sowohl australische als auch internationale Forscher nutzen die Einrichtung, um beispielsweise neue Methoden zur Behandlung von genetisch bedingten Krankheiten zu entwickeln. Die Regierung Victorias investierte  157,2 Millionen AUD in die 2007 eröffnete Einrichtung. 

In Melbourne sind viele weitere bedeutenden Forschungsinstitute und Kliniken ansässig, die miteinander vernetzt sind. Das Bio21-Cluster ist eines der weltweit ersten Clusterprogramme, das von Melbourne Health, der University of Melbourne und dem Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research gegründet wurde und heute aus 22 Akteuren besteht. Die international anerkannte Stärke des Clusterprogramms liegt auf den Gebieten biomedizinischer Forschung, Gesundheitspflege und Ausbildung. Gleichzeitig steht der Informationsaustausch der Mitglieder im Vordergrund. Der größte Erfolg des Programms ist die Eröffnung des Bio21-Molecular Science and Biotechnology Institutes an der University of Melbourne. Das Institut (Investitionsvolumen 140 Mio. AUD) hat sich auf den Gebieten der medizinischen, landwirtschaftlichen und ökologischen Biotechnologie spezialisiert. 

In Melbourne sind vor diesem Hintergrund bereits große Innovationen und Durchbrüche der Diagnostik gelungen: So wurde an der University of Melbourne das Cochleaimplantat, eine Hörprothese (bionisches Ohr) für Gehörlose mit funktionierendem Hörnerv, entwickelt. Ebenso waren an der ersten künstlichen Befruchtung maßgeblich Wissenschaftler der Monash University beteiligt. Für die Behandlung von Krebserkrankungen hat der Melbourner Konzern CSL mit Impfstoffen gegen Schweinegrippe und Gebärmutterhalskrebs Meilensteine gelegt. CSL investierte von 2009 bis 2011 knapp eine Milliarde AUD in weltweite F&E-Programme.

Akteure und Netzwerke

In der City of Melbourne haben sieben Universitäten Ausbildungsstätten:  University of Melbourne Monash University Deakin University  RMIT University Swinburne University of Technology La Trobe University  und Victoria University. Der Cluster zeichnet sich insbesondere durch eine enge Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aus. Zahlreiche Forschungseinrichtungen, die sich an den Universitäten befinden, werden durch Drittmittel auf der Wirtschaft unterstützt. (Mehr dazu unter Bildung, Qualifikation und Fachkräfte)

Neben den bestehenden Netzwerken innerhalb des universitären Betriebes haben sich (über-)regionale Netzwerke gebildet, die für die thematischen Stärkefelder von Bedeutung sind. Die Handelskammer der Automobilbranche Victorias (VACC) nimmt eine besondere Bedeutung für die Automobilbranche ein. Die VACC vertritt bereits die Interessen von über 5000 Unternehmen und bietet in einem eigenen Skills Development Centre Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte im Bereich des Automobilsektors an.

Die jährliche International Conference on Sustainable Automotive Technologies ist eine Konferenz der RMTI University, der Clemson University (Clemson, USA) und der Technischen Hochschule Ingolstadt. Diese Konferenz besitzt aufgrund des globalen Informationsaustausches über Innovationen innerhalb der Branche Netzwerkcharakter.  

Für die Luft- und Raumfahrt ist der Verband Aviation /Aerospace Australia mit Sitz in Melbourne von Bedeutung. Als Anlaufstelle für Unternehmen dieser Branche bietet er Unterstützung bei der Marktorientierung und Ansiedlung in Melbourne. 

Im Bereich der Biotechnologie gibt es mehrere Organisationen, die für das Cluster von Interesse sind:

  • AusBiotech: veranstaltet jährlich eine gleichnamige internationale Konferenz; Oktober 2012 im Melbourne Convention & Exhibition Center
  • Bio21Cluster: Zusammenschluss von 22 renommierten Instituten, (Lehr-) Krankenhäusern und Forschungszentren, zeichnet sich aus durch Informationsaustausch, interdisziplinäre und gemeinschaftliche Forschung zur Zielerreichung; bietet Undergraduate Research Opportunities Program für Studenten an, damit diese möglichst früh Berufserfahrung im Bereich der Biotechnologie und Lebenswissenschaften sammeln können
  • BioMelbourneNetwork: erstes australisches Netzwerk der Branche, das zwischen Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft vermittelt; veranstaltet eine Reihe von Tagungen, Workshops und anderen Events
  • Victorian BioPortal: Informationsportal für alle Bereiche der Biotechnologie wie z.B. Industrielle, landwirtschaftliche und diagnostische Biotechnologie

Die Investitionsförderungsagentur InvestVictoria berät Unternehmen bei der Ansiedlung in der Stadt bzw. dem Bundesstaat. InvestVictoria besitzt weltweit Büros, unter anderem auch in Frankfurt am Main. Ähnliche Unterstützung bietet auch  EnterpriseMelbourne (City of Melbourne). 

Unterstützung bietet auch die Deutsch-Australische Industrie- und Handelskammer (AHK) an. Das Auswärtige Amt verfügt über ein Generalkonsulat in Melbourne, dessen Aufgaben künftig jedoch von den deutschen Botschaften in Canberra und Sydney übernommen werden sollen. Die deutsche Repräsentanz in Melbourne wird dann ein Honorarkonsul übernehmen.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Das Bildungsniveau in Melbourne ist sehr gut. 45 Prozent der Arbeitsnehmer in der Stadt besitzen einen Bachelor- oder höheren Universitätsabschluss. Dies ist auf das einheitlich strukturierte und dennoch durchlässige Bildungssystem des Landes zurückzuführen. Insgesamt zwölf Abschlüsse umfasst das  Australian Qualification Framework (AQF). Das AQF kategorisiert die erworbenen Qualifikationen, ob an einer Universität oder einer Berufsakademie, und macht sie auf nationaler Ebene vergleichbar.

Nach dem Abitur können Schulabgänger ein Studium oder eine Berufsausbildung im Rahmen des Australian Technical and Further Education (TAFE) Systems beginnen. Mit einer Ausbildung an einem der vielzähligen privaten und staatlichen TAFE-Institute geht dem Auszubildenden keine Zeit bei einem späterem Studienbeginn verloren, da der Abschluss durch das AQF anerkannt ist und Universitäten die erworbenen Fähigkeiten anrechnen (advanced standing). So hat ein Auszubildender bei erfolgreichem Abschluss durch seine berufliche Qualifizierung einen direkten Zugang zum zweiten Studienjahr. 

Sowohl das Studium an einer Universität als auch das TAFE-System werden auch von internationalen Studenten hoch frequentiert. Die verhältnismäßig hohen Studiengebühren in Australien variieren je nach Abschluss zwischen 5.000 und 18.000 AUD pro Jahr.

Die Hochschulen in Melbourne zeichnen sich durch ein hohes Angebot von F&E-Programmen aus. Die University of Melbourne gehört zu den führenden australischen Universitäten auf dem Gebiet der Forschung und hat internationale Anerkennung erlangt. Ca. 180 Mio. AUD wurden vom Innovationsministerium in die Förderung der Hochschuleinrichtungen investiert (Research Block Grants). Die bedeutendsten fünf Einrichtungen, die unter dem Namen Melbourne Research Institutes an der University of Melbourne angesiedelt sind, sind:

Im weltweiten Times Higher Education and QS World University Ranking ist die University of Melbourne, mit 35.000 eingeschriebenen Studenten, die bestplatzierteste Universität des Landes (Rang 37). Hinsichtlich der Studienfächer belegt die Hochschule Plätze unter den Top 35 Universitäten im weltweiten Vergleich: Engineering and Technology Rang 25, Clinical, Pre-Clinical and Health Rang 14, Life Sciences Rang 27, Physical Sciences Rang 34, Arts and Humanities Rang 19 und Social Sciences Rang 25. Die herausragenden Platzierungen in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften kann auf das breite Lehr- und Forschungsangebot der Universität zurück geführt werden. Zu den Instituten und Fakultäten, die für die Clusterschwerpunkte von Bedeutung sind, gehören unter anderem:

Melbourne School of Engineering

  • 4500 Studenten 
  • Vier Bachelorstudiengänge: Bachelor of Biomedicine, Environments, Commerce und Science
  • Mehrere Aufbaustudiengänge (Master) im Bereich Biomedical Engineering, Chemical and Biomolecular Engineering, Civil Engineering, Electrical and Electronic Engineering, Energy, Engineering Management, Environmental Engineering, Geomatics and Spatial Information Science, Information Technology und Mechanical Engineering and Mechatronics

Faculty of Medicine, Dentistry and Health Sciences 

  • 5400 Studenten
  • beinhaltet vier große Lehreinrichtungen, die jeweils eine Vielzahl von Studiengängen anbieten: Melbourne Medical School, Melbourne Dental School, Melbourne School of Health Sciences, Melbourne School of Population Health
  • Kooperation mit mehreren Lehrkrankenhäusern und 22 Forschungszentren

Faculty of Science

Die Monash University belegt im weltweiten Hochschulranking Platz 117. Diese Universität zeichnet sich unter anderem durch die Mitgliedschaft im  Cooperative Research Centre for Advanced Composite Structures aus. Das von der Regierung unterstützte Zentrum zählt 28 weltweite Mitglieder, unter anderem auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.  Neben dem RMTI ist die Monash auch am Advanced Manufacturing Cooperative Research Centre (AMCRC) beteiligt. 

Entwicklungsdynamik

Melbournes Innovationspolitik im Hinblick auf Nachhaltigkeit und seine Pläne zur Verbesserung der Infrastruktur werden wahrscheinlich in Zukunft weiterhin eine hohe Anziehungskraft auf internationale Unternehmen ausstrahlen.

Die Eröffnung von weiteren hochklassigen Forschungseinrichtungen und Schaffung von neuen Arbeitsplätzen wird Melbourne als Biotechnologie-Standort etablieren. Zu den geplanten Investitionen zählt unter anderem das Victorian Parkville Comprehensive Cancer Centre, das 2015 fertig gestellt werden soll. Allein dort werden 1400 Arbeitsplätze im Bereich der F&E geschaffen.

Das Victorian Departement of Business and Innovation verfolgt zudem einen Technology Plan for the Future (pdf Dokument), um den Bundesstaat auf dem Gebiet der Biotechnologie weiter voran zu treiben. Mit 55 Millionen AUD möchte die Regierung insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stärken. 

Folgende Pläne werden unter anderem von der Regierung zum Ausbau ihrer Wettbewerbsfähigkeit verfolgt:

  • Melbourne 2030: Bis 2030 wird mit einem Bevölkerungsanstieg von bis zu einer Million Menschen in der Metropolregion gerechnet. Der Plan verfolgt das Ziel, Fläche und Transportinfrastruktur möglichst umweltfreundlich und sozialverträglich zu gestalten, um weiterhin eine der lebenswertesten Städte weltweit zu bleiben.
  • City West Plan: Beinhaltet den Strukturwandelplan des westlichen Central Business Districts, die Neugestaltung des Stadtteils Docklands und die Expansion des Hafens.

Momentan läuft zudem auf nationaler Ebene ein Milliardenprojekt zur verbesserten Vernetzung von Großstädten. Eine Hochgeschwindigkeitszugstrecke zwischen Brisbane und Melbourne über Sydney ist bereits in Planung. 61 bis 108 Mrd. AUD müssen für das Projekt geplant werden. Momentan läuft Phase 2 des Projekts, in der die genaue Streckenplanung festgelegt werden soll. 

Kontakte im Cluster

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