Kurzprofil

Das Emirat Qatar ist ein souveräner arabischer Staat (Dawlat Qatar [arab.], State of Qatar [engl.]). Das im Nordosten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf gelegene Staatsgebiet hat eine Fläche von insgesamt nur 11.586 Quadratkilometern. Das Land wird seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als absolute Monarchie von der Familie Al-Thani regiert. Die enormen Vorkommen an Hydrokarbonressourcen und der daraus resultierende Reichtum des Landes haben die Entwicklung eines international ausgerichteten und sich schnell entwickelnden Clusters ermöglicht. Mit enormem finanziellem Aufwand konnten moderne Voraussetzungen für Kooperationen zwischen Wirtschaft und Forschung geschaffen werden. In Doha leben etwa 800.000 Einwohner. Qatars Bevölkerungsstruktur ist stark durch ausländische Einflüsse geprägt. Nur ungefähr 20 Prozent der 1,8 Millionen im Staat lebenden Menschen sind im Besitz der qatarischen Staatsbürgerschaft.

Das Land bezieht seinen Reichtum aus den großen Erdöl- und Erdgasvorkommen. Im Jahr 1939 wurde erstmals auf dem Staatsgebiet Erdöl entdeckt. Seither erfährt Qatar einen besonders dynamischen Aufschwung des Landes. Staat und Wirtschaft wurden sehr schnell modernisiert und nach der Unabhängigkeit im Jahr 1971 öffnete sich das Land nach einem Regierungswechsel zunehmend für westliche Weltanschauungen. Das Emirat verfügt mit dem North Gas Field im Persischen Golf über das größte Erdgasfeld der Erde, das sich auf einer Fläche von 9.000 Quadratkilometern erstreckt. Mit fast 900 Billionen Kubikfuß besitzt Qatar etwa 13 Prozent der weltweit bekannten Erdgasreserven. 

Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2011 über 170 Milliarden US-Dollar und hat mit einem Pro-Kopf-Wert von knapp 100.000 US-Dollar einen der höchsten Werte weltweit. Qatars Wirtschaft besteht noch immer zu über 50 Prozent aus dem Öl- und Gassektor. Weitere 10 Prozent des BIP werden durch den Finanzsektor getragen. Insbesondere vor den Erfahrungen der Globalen Finanzkrise, die die reichen arabischen Golfstaaten besonders in den Jahren 2008 und 2009 hart traf, unternimmt Qatar zur langfristigen Absicherung des Wirtschaftswachstums zunehmend Anstrengungen, die nationale Ökonomie weiter zu diversifizieren. Das Königshaus Hamad ist darauf bedacht, den nicht-energiebezogenen Wirtschaftssektor auszubauen und zu fördern bzw. sich auch auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien weiter zu entwickeln. Der Cluster Qatar spielt eine Hauptrolle in diesem Prozess. Nahe Doha wurde der Qatar Science & Technology Park (QSTP) errichtet, der ausländischen und inländischen, technologieorientierten Unternehmen die Möglichkeit bietet, sich in den Gebäuden des Parks niederzulassen und zu kooperieren. Einige weltbekannte Unternehmen, wie Cisco, EADS, Shell, Total und Microsoft sind bereits diesem Ruf gefolgt.

Im Networked Readiness Index des Global Information Technology Report 2012, herausgegeben vom World Economic Forum, belegt Qatar derzeit Rang 28 und bestätigt damit seine herausragende Stellung für Investitionen in der arabischen Welt. Im Human Development Report 2011 (Zusammenfassung) liegt Qatar auf Platz 37, der dem Land somit eine sehr hohe Entwicklung hinsichtlich nachhaltiger und sozialer Faktoren (soziale Gerechtigkeit, Fairness, stärkerer Zugang zu besserer Lebensqualität u.a.) diagnostiziert.

Gleichzeitig mit der Forcierung der Innovationsfelder Gesundheitsforschung, Medizin, Erneuerbare Energien, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Umwelttechnologien konnten international renommierte Hochschulen motiviert werden, einzelne Studiengänge in eigens dafür eingerichteten Gebäuden am Standort anzubieten. Wie ihre ausländischen Partner, so liegt auch die Qatar University im Bildungskomplex Education City unmittelbar in der Nähe zum Qatar Science & Technology Park. Die Nähe von Forschungspark und Bildungsinstituten soll einerseits die Diversifizierung der Wirtschaft und Forschung vorantreiben, andererseits eine Brücke zwischen Forschungsprojekten und Kommerzialisierung schlagen. Die gesamten Bildungs- und Wirtschaftsförderungsprogramme von Qatar werden unter Leitung der Qatar Foundation durch eine eigens dafür reservierte Ölquelle finanziert.

Internationale Anziehungskraft

Qatar bietet die offenste arabische Wirtschaft für internationale Investoren. Im Global Competitiveness Report 2012–2013des World Economic Forums ist Qatar das bestplatzierteste arabische Emirat und belegt global einen elften Rang, vor Saudi-Arabien (Rang 18), den Vereinigten Arabischen Emiraten (Rang 24), Bahrain (Rang 35) und Kuwait (Rang 37). Der große Ressourcenreichtum ermöglichte ein rasantes wirtschaftliches Wachstum, welches auch für 2012 und 2013 prognostiziert wird. Mit noch jungen institutionellen Einrichtungen zur lokalen Wirtschaftsförderung, wie etwa dem Ministry of Business and Trade und dem Investment, Promotion Department (IPD) sollen zunehmend internationale Akteure an den Standort am Persischen Golf geholt werden. Bis zum Jahr 2012 wurden durch staatliche Gelder 100 Milliarden US-Dollar für Investitionsprojekte und benötigte infrastrukturelle Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Unter anderem wird ein neuer internationaler Flughafen (New Doha International Airport) in der Nähe des bisherigen Doha International Airport gebaut, der mit der Landemöglichkeit des Airbus 380 zu einem der modernsten und größten Flughäfen der Region werden soll. Die prominente Drehscheibe internationaler Fluglinien gewinnt damit weiter an Bedeutung. In Betrieb gehen soll der neue Flughafen 2014 mit einer Passagierkapazität von zusätzlichen 12 Millionen. Die endgültige Fertigstellung aller Bauphasen ist für das Jahr 2020 vorgesehen, dann sollen 60 Millionen Passagiere und zwei Millionen Tonnen Luftfracht sowie 320.000 Landungen im größten Gebäude der Hauptstadt Doha abgefertigt werden. Das Straßennetz in Qatar gilt mit rund 1.300 km ebenfalls als gut ausgebaut und es existieren bedeutende Häfen in Ras Laffan, Mesai und Doha. Seit dem Jahr 2011 laufen die Bauarbeiten für eine Brücke, die Qatar und Bahrain miteinander verbinden soll. Der Qatar Bahrain Causeway (auch Qatar-Bahrain Friendship-Bridge) wird mit einer Länge von 45 Kilometern die längste Brücke der Welt werden. Die Kosten werden auf drei Milliarden US-Dollar geschätzt, die Bauzeit auf etwa viereinhalb Jahre. Deutsche Beteiligte an diesem Projekt sind die Firma Hochtief und die Deutsche Bahn.

Der Marktzugang für ausländische Investoren wurde in den letzten Jahren gelockert. So werden für den Bereich Bildung, Gesundheit, Tourismus, Landwirtschaft und Industrie sowie Energie nicht mehr zwingend lokale Mehrheitspartner benötigt. Die Entscheidungen hierfür werden im Einzelfall von der Regierung getroffen. Zentrale Anlaufstelle für Direktinvestitionen ist zunächst das Ministry of Business and Trade. Einige Defizite liegen im Rechtssystem Qatars. Laut deutschem Auswärtigen Amt kann für ausländische Akteure nicht garantiert werden, gerichtlich durchsetzbare Rechtssicherheit, beispielsweise bei anstehenden Forderungen, zu erlangen.

Im Qatar Science & Technology Park (QSTP) werden Räume und Labore des Innovation Centre und der beiden Tech Centres mit einer erstmaligen Laufzeit von bis zu 15 Jahren vermietet. Einzelne Gebäude stehen ebenfalls zur Verfügung und bieten zusammen mit der anliegenden Education City moderne Voraussetzungen für Forschung & Entwicklung. Der Forschungspark gilt darüber hinaus als Freihandelszone, die eine Firmeneinrichtung ohne Mehrheitsanteil eines lokalen Partners zulässt. Weiterhin ist das Parkgelände eine steuerfreie Zone und erlaubt die Einstellung einer durchweg ausländischen Belegschaft. Die generell für Qatar landestypisch günstigen Energiepreise können auf Antrag für Industriebetriebe und Hotels noch einmal gesenkt werden (0,016 US-Dollar/KWH). Außerdem existieren keine Einkommenssteuern für Ausländer.

Zur weiteren Unterstützung des nationalen Wirtschaftswachstums wurden 2007 zwei Venture Capital Fonds eingerichtet. Der New Enterprise Fund sowie der Technology Venture Fond unterstützten zukunftsfähige und technologieorientierte Start-ups im Technologiepark mit staatlichen Geldern. Die rund 130 Millionen US-Dollar beider Fonds unterstützten dabei vor allem Forschungsinstitute und Unternehmen, um ihre Technologien in Qatar zu etablieren und dem Markt zugänglich zu machen. Die Investitionen reichten von 0,5 bis 3 Millionen US-Dollar und wurden Start-ups in seed stage und early growth stage zugänglich gemacht, um den Übergang von Forschung zur Kommerzialisierung zu ermöglichen.

Nach oben

Thematische Stärkefelder

Qatars eigentliche Stärkefelder beruhen auf seinem Reichtum an Bodeschätzen. Die Erdgas- und Erdölproduktionen stellen fast 2/3 der gesamten Wirtschaft dar. Damit ist unter anderem das Interesse großer Firmen aus dem Bereich Energie in diesem Cluster zu erklären. Ein zweites unmittelbar damit verknüpftes Thema sind die Umwelttechnologien. Die Regierung in Qatar misst Umweltschutzfragen zunehmend politisches Gewicht bei und unterstützt vor allem Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien innerhalb des seit Anfang des Jahrs 2008 in Kraft getretenen Umweltplans. Der CO2-Ausstoß sollte bis ins Jahr 2012 um 25 Prozent reduziert werden. Einem weiteren Schritt zur Nachhaltigkeit wurde nach dem Weltklimagipfel (COP 18) in Qatar im Jahr 2012 zugestimmt: Zusammen mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) soll ein Institut zur Erforschung des Klimawandels eröffnet werden.

Ein drittes, kontinuierlich stärker werdendes Innovationsfeld sind die Informations- und Kommunikationstechnologien, die ihre technologieübergreifenden Innovationspotenziale mit vielen weiteren Technologiefeldern des Clusters gemeinsam nutzen können. Allein der amerikanische Softwareriese Microsoft hat vier Millionen US-Dollar in sechs technologieorientierte Forschungsprojekte im Qatar Science & Technology Park (QSTP) investiert und unterhält ausgeprägte Kooperationen zu Einrichtungen in der Education City.

Hinzu kommt das stark geförderte Stärkefeld im Bereich Gesundheit und Medizin. Qatar bietet in der Gesundheitsvorsorge ein modernes, an westlichen Standards orientiertes System, das jedem Einwohner kostenlos zugänglich ist. Andere Patienten tragen einen geringen Teil der Behandlungskosten selbst. Soziale Härtefälle werden durch Hilfsfonds abgedeckt. Kooperationen mit dem Universitätsklinikum Heidelberg im Bereich der Onkologie ermöglichten beispielsweise schnelle Fortschritte in dem im Jahr 2004 neu gebauten Al Amal Oncology Hospital in Doha. Die dynamische Modernisierung Qatars wird besonders im Bereich Gesundheit und Medizin deutlich. Bis zu den 15. Asienspielen im Jahr 2006 wurden mehrere Kliniken als Teil eines Gesamtprojekts, der Hamad Medical City, errichtet. Seit der großen Sportveranstaltung wird der im Jahr 2009 fertig gestellte Krankenhaus- und Gesundheitskomplex mit über 1.000 Betten weiterhin als Gesundheitszentrum Qatars mit Forschungseinrichtung genutzt.

Ende des Jahres 2012 verabschiedete die Qatar Foundation einen Strategieplan, um Qatars Entwicklung hin zu einer wissensbasierten Wirtschaft zu unterstützen. Die Qatar National Research Strategy (QRNS) beinhaltet fünf Themengebiete, die ausgebaut und intensiviert werden sollen: F&E- Infrastruktur und -Bedingungen, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien, IKT, Gesundheitswesen sowie Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Mithilfe des QNRS soll ebenfalls das seit dem Jahr 2008 verfolgte nationale Entwicklungsprogramm für eine leistungsfähige Infrastruktur, die Qatar National Vision 2030, unterstützt werden.

Nach oben

Akteure und Netzwerke

In Education City bieten derzeit acht internationale Hochschulen verschiedene Studiengänge an:

Durch die Anwerbung angesehener Bildungsinstitute aus dem Ausland, vor allem aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, werden starke Anreize für Forschungskooperationen mit den im Qatar Science & Technology Park (QSTP) ansässigen Unternehmen gegeben. Die amerikanischen Hochschulen zählen alle zu den TOP 100 des Academic Ranking of World Universities (ARWU). Neben den in Education City angesiedelten ausländischen Bildungsinstituten lehren Wissenschaftler am Standort noch an der nationalen Hochschule Qatar University sowie dem Qatar Campus des College of the North Atlantic. Besondere Anreize zur Forschungskooperation erhalten zurzeit technologieorientierte Unternehmen, die mit folgenden Institutionen zusammenarbeiten möchten:

  • Die Carnegie Mellon University betreibt Forschungsprogramme im Bereich Informationstechnologie mit Schwerpunkten in der Robotertechnik und Computerarchitektur.
  • Die Texas A&M University in Qatar forscht derzeit in den Umwelttechnologien sowie im Bereich (Erneuerbare) Energien.
  • Das Weill Cornell Medical College bietet medizinische Ausbildungsprogramme an und plant die Einreichung eines Forschungsprogramms in der Biotechnologie mit dem Fokus auf Genetik und Molekular Medizin sowie Gesundheit.

Anreize für forschungsorientierte Unternehmen werden durch den Qatar National Research Fund geschaffen. Seit 2006 können sich Forschungsprojekte um finanzielle Unterstützung dieser staatlichen Förderung bemühen. Die Projekte der Texas A&M University in Qatar konnten bereits mehr als 20 Subventionen für Forschung & Entwicklung nutzen.

Das Sidra Medical & Research Center, ein Krankenhaus mit Ausrichtung auf medizinische Ausbildung und Forschung, ist 2011 als Teil der Qatar Foundation eröffnet worden. Das gesamte Projekt wurde mit Geldern in Höhe von 7,9 Milliarden US-Dollar verwirklicht. Forschungsschwerpunkte im Bereich der Biomedizin sind:

  • Entwicklung pränataler und präventiver Medikamente
  • Fertilität und pränatale Diagnostik
  • Frauengesundheit/Frauenheilkunde

Im Cluster Qatar existieren einzelne bilaterale Kooperationen zwischen Akteuren des Qatar Science & Technology Parks (QSTP) und dem Bildungsinstitutenkonglomerat Education City. Beispiele hierfür sind unter anderem Vodafone Qatar (Joint Venture der Qatar Foundation, Vodafone und lokale Investoren), Qatar Solar Technologies (Joint Venture der Qatar Foundation, SolarWorld AG und Qatar Development Bank) und Qatar MICE Development Institute (Qatar Foundation und Singex Group). Die Innovationsfelder Gesundheitsforschung und Medizin sowie Informations- und Kommunikationstechnologien bieten allerdings mit schnellem Zuwachs an Akteuren die besten Möglichkeiten, die Verflechtung der Wissenschaft in Qatar auszuweiten. Prominente Schnittstellenakteure zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind vor allem die Qatar Chamber of Commerce and Industry, das Investment Promotion Department (IPD) sowie die Qatar Foundation

Das Arab Expatriate Scientists (AES) Network ist ein Zusammenschluss von 5.000 Wissenschaftlern in Kollaboration mit der Qatar Foundation. Mitverantwortlich waren die AES unter anderem für die Eröffnung drei neuer Forschungszentren in den Bereichen Biomedizin, Energie/Umwelt und IKT.

Nachfolgend werden alle Mitglieder des Qatar Science & Technology Parks (QSTP) aufgelistet:

  • amuser
  • Chevron
  • Cisco
  • ConocoPhillips
  • Engineering Solution
  • ExxonMobil
  • Fuego Digital Media
  • Green Gulf
  • GE
  • Gulf Bridge International
  • Gulf Organization for Research & Development
  • Hydro
  • iHorizons
  • Khayal
  • Meeza
  • Microsoft
  • Qatar Mobility Innovations Center
  • Qatar Petroleum
  • Qatar Robotic Surgery Centre
  • Q-Nexus
  • Rolls-Royce
  • Shell
  • Siemens
  • Tata
  • TNO
  • Total
  • TRL
  • Virgin
  • Williams F1
  • WiMatek Systems

Nach oben

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Arbeitslosigkeit besteht im Emirat Qatar praktisch nicht. In der Hauptstadt Doha werden weiterhin ausländische Arbeitskräfte benötigt. Die Dynamisierung von Wachstum und Diversifizierung der Wirtschaftssektoren wird diese Entwicklung aufrechterhalten. Mit der forcierten Bildungspolitik der Regierung wurden Anstrengungen unternommen, indem in die (Aus-)Bildung der Bürger investiert wurde. Somit konnte zumindest ein Teil des Bedarfs mit hoch qualifizierten Fachkräften gedeckt werden. Wenn auch daraus der Bedarf an Ausbildungsplätzen und dafür benötigtes Personal besonders hoch anstieg, konnten erste Erfolge erzielt werden, die in der "Qatar National Vision 2030" weiter ausgebaut werden sollen. Insgesamt ist bis dato die Grundbildung der Gesamtbevölkerung Qatars enorm gestiegen. Die 2002 in Kraft getretene Bildungsreform, die Arabisch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften im Lehrplan festgelegt hat, konnte bereits Erfolge verzeichen: Die Analphabetenrate konnte durch entsprechende Möglichkeiten des Bildungszugangs drastisch reduziert werden und Stärken in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) gefördert werden. Auch durch die Ansiedlung internationaler Hochschulen im Emirat werden sowohl einheimische als auch ausländische Studierende in Studiengängen des Ingenieurswesens und der Naturwissenschaften ausgebildet. (Nähere Informationen liefert das National Development Strategy Document.) Neben dem nativen Arabisch ist die Handelssprache Englisch schon aufgrund des starken Zufluss an ausländischen Menschen stark verbreitet.

Angesichts des starken Bevölkerungswachstums ist mit weiteren Bildungsmaßnahmen zu rechnen. Im Jahr 2015 sollen 2,3 Millionen Menschen in Qatar leben. Das Anwerben ausländischer Arbeitskräfte mit hohen Qualifikationen trägt ebenso dazu bei, wie auch die eigene gesellschaftliche Wachstumsentwicklung durch die nationale Entwicklungsstrategie. Durch eine Ausländerquote von nahezu 80 Prozent ergibt sich eine international differenzierte Gesellschaftsstruktur, in der ein Großteil indischer, pakistanischer und iranischer Abstammung ist. Unter anderem bedingt durch viele Dienstleistungen im Bau- und produzierendem Gewerbe kamen größere Teile der gegenwärtigen Bevölkerung auch aus Sri Lanka, den Philippinen und Nepal nach Qatar.

An der Qatar University waren im im Jahr 2010/2011 knapp 8.800 Studierende eingeschrieben. Die Bewerberzahlen haben sich im Vergleich zu 2008 mehr als verdoppelt. Die Hochschule ist attraktiv für Investitionen in F&E geworden: 63 Millionen US-Dollar wurden von privater Hand in universitäre Forschungsprojekte investiert (Bericht 2010/2011), zusammen mit öffentlichen Investitionen beläuft sich die Summe auf 177 Millionen US-Dollar. Neben den amerikanischen und einheimischen Hochschulangeboten existieren weitere private und öffentliche Bildungsinstitute.

Nach oben

Entwicklungsdynamik

Die staatliche Förderung hat den dynamischen Wachstumsprozess der nationalen Wirtschaft Qatars zusätzlich unterstützt. Das Land mit den drittgrößten Gasvorkommen auf der Welt entwickelt sich längst nicht mehr ausschließlich in den "alten" Wirtschaftssektoren der Energie. Die Regierung hat die Chancen, die das Land durch seinen Reichtum an Bodenschätzen hat, erkannt und setzt die finanziellen Mittel zum Auf- und Ausbau von weiteren Innovationsfeldern ein. Weitere finanzielle Zuwendungen sollen insbesondere für Innovationen im Bereich des Klimaschutzes eingesetzt werden. Dies gab Qatar zusammen mit den erdölproduzierenden Länder Bahrain, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Doha im Jahr 2012 bekannt.

Die Einrichtung der staatlichen Institution ICT Qatar und Niederlassungen von großen Unternehmen im Bereich IKT zeigen, dass sich das Feld Informations- und Kommunikationstechnologie im Wachstum befindet. Die Gesundheitsforschung und Medizin stellt weitere zukünftige Forschungsschwerpunkte dar. Die Zukunftschancen in diesem Stärkefeld wurden durch enorme Investitionen und bereits zustande gekommenen Kooperationen mit dem Ausland stark verbessert.

Der Standort soll durch Anwerbung von erstklassigen Bildungs- und Forschungsinstituten technologieorientierte Investoren und Unternehmen anlocken, um eine selbsttragende wirtschaftliche Atmosphäre ausbilden zu können. Infrastrukturelle Maßnahmen wurden unter weiteren finanziellen Anstrengungen unternommen, sodass mit dem Forschungspark Qatar Science & Technology Park (QSTP), dem Krankenhauskomplex Hamad Medical City sowie dem Bildungsstandort Education City geeignete Voraussetzungen für Forschung und Bildung entstanden sind. Staatliche und private Fonds unterstützen zudem junge Unternehmen und Forschungsprojekte, die der weiteren Entwicklung des Standorts und Qatar gebundenen Technologien gelten.

Unter dem "Qatar National Vision 2030" wurde 2008 ein Strategiepapier verabschiedet, das vier Entwicklungsziele bis zum Jahr 2030 beinhaltet:

  1. Wirtschaftliche Entwicklung: Die Wettbewerbsfähigkeit und Diversifiziertheit Qatars soll einen hohen Lebensstandard der Einwohner Qatars sichern.
  2. Humane Entwicklung: Durch ein verbessertes Bildungssystem und Gesundheitswesen sollen die Menschen in Qatar zu einer gebildeten und gesunden Gesellschaft werden, um sich auch an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligen zu können.
  3. Soziale Entwicklung: Frieden, Wohlstand, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit sind Ziele des sozialen Lebens, um sich an westliche Standards anzupassen.
  4. Umweltverträgliche Entwicklung: Bevölkerungswachstum und erhöhter Stromverbrauch führen dazu, dass Qatar mittelfristig mit (weiteren) Umweltproblemen zu kämpfen haben wird. Daher müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um Wirtschaft, Bevölkerung und Umwelt miteinander zu verbinden.

Mit dem Zuschlag für die FIFA Fußballweltmeisterschaft 2022 öffnen sich weitere Möglichkeiten für Qatar: Infrastrukturelle und städtebauliche Maßnahmen müssen umgesetzt werden, das Gesamtinvestitionsvolumen wird auf rund 150 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mit der Planung der WM wurde das Frankfurter Planungsbüro AS&P beauftragt. Laut Germany Trade and Invest soll es aber kaum möglich sein, alle Vorhaben in dem Zeitrahmen umzusetzen. Bislang sollen sich die in Qatar angelaufenen Projekte auf 220 Milliarden US-Dollar belaufen.

Nach oben

Kontakte im Cluster

Karten zum Cluster

Clusterbibliothek

Eine Initiative vom

Projektträger