Kurzprofil

São Paulo ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Brasilien. Mit mehr als 10 Mio. Einwohnern im Stadtgebiet und ca. 20 Mio. in der Metropolregion Grande São Paulo, dies entspricht 22 % der Gesamtbevölkerung Brasiliens, sowie seinen zahlreichen Unternehmen, Universitäten und kulturellen Einrichtungen, ist der Cluster einer der wichtigsten Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentren Brasiliens und gehört laut eines Rankings von PricewaterhouseCoopers zu den Top Ten der größten Städte der Welt. Zu der Metropolregion Grande São Paulo zählen unter anderem die Städte Santo André, São Bernardo, São Caetano, Diadema, Guarulhos, Osasco sowie Suzano, die zusammen den betrachteten Cluster abbilden.

Der im Südosten Brasiliens in dem Hochbecken der Flüsse Rio Tietê und Rio Pinheiros gelegene Cluster erstreckt sich über zahlreiche Hügel und ist ca. 80 km vom Atlantischen Ozean entfernt (Karte). Das Stadtgebiet von São Paulo von etwas mehr als 1500 qkm gliedert sich in neun Verwaltungszonen, die zusammen aus 31 Stadtbezirken bzw. 96 Stadtteilen bestehen. Er ist daher der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika und weist zudem eine ausgesprochen multikulturelle Prägung auf.

Mit seinen großen, meist gut qualifizierten Humanressourcen sowie seiner gut ausgebauten Infrastruktur zieht der Bundesstaat São Paulo Investoren aus dem Ausland, insbesondere in der Produktion von Hochtechnologieprodukten an und erwirtschaftet mit einem Anteil von ca. 30 % am BIP das größte Bruttoregionalprodukt in Brasilien. Weitere Investitionsfelder neben der sehr produktiven Landwirtschaft und Viehzucht im Umland sind in der Stadt São Paulo in der Luft- und Raumfahrttechnik, der Automobilindustrie sowie in der Informationstechnik zu finden.

Beispielsweise hat Volkswagen drei seiner fünf brasilianischen Produktionsstätten und seinen Hauptsitz in der Clusterregion errichtet. Insgesamt sollen mehr deutsche Firmenhauptsitze als in irgendeiner anderen brasilianischen Stadt in São Paulo vorhanden sein. Ebenso ist es gelungen, Investitionen aus den Vereinigten Staaten zu akquirieren.

Die Hauptexportgüter des Clusters sind Flugzeuge und Autos. Wichtige Exportziele sind unter anderem Argentinien, Paraguay und Uruguay, die gemeinsam mit Brasilien den Mercosur bilden (spanische Abkürzung für Mercado Común del Sur; portugiesische Bezeichnung: Mercosul für Mercado Comum do Sul). Dieser "Gemeinsame Markt des Südens" verfolgt die Ziele des wirtschaftlichen und politischen Integrationsprozesses und garantiert unter anderem den freien Verkehr von Gütern, Dienstleistungen und Produktionsfaktoren beispielsweise durch die Abschaffung von Zöllen. Zu den assoziierten Staaten gehören Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien und Ecuador. Desweiteren bestehen Freihandelsabkommen mit Israel (seit 2008) und Ägypten (seit 2010). Diskussionen um ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union dauern seit 2004 an und werden von deutscher Seite her begrüßt.

Die Wirtschaft im Bundesstaat trug mit circa 46 Mrd. USD (2006) einen wesentlichen Anteil zum Exportgeschäft Brasiliens bei. Hauptexportgüter sind landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Zuckerrohr, Zuckerrüben, Saccharose und knochenloses Fleisch.

Darüber hinaus weist der Cluster einen interessanten Markt für Wohnimmobilien auf, der besonders durch die Zuwanderung aus Brasilien aber auch aus allen Regionen der Welt angefacht wird.

Infrastruktur

Der Bundesstaat São Paulo verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz, in das der Cluster sehr gut eingebunden ist und in dem er als Knotenpunkt angesehen werden kann. Die wichtigsten Straßen sind Anchieta und Imigrantes (São Paulo -Santos), Anhanguera (São Paulo - Campinas), Fernão Dias (São Paulo - Belo Horizonte), Dutra (São Paulo - Rio de Janeiro), Castelo Branco (São Paulo - Presidente Prudente) und Regis Bittencourt (São Paulo - Curitiba).

Der Schienenverkehr spielt im Verhältnis zum Straßenverkehr eine eher untergeordnete Rolle. Die wichtigste Schienentrasse ist die Santos - Jundiai Linie, da sie die Kaffeeanbaugebiete des Bundesstaates mit dem Hafen in Santos verbindet. Das Schienensystem und die städtischen Züge, die noch immer eine große Bedeutung für den Innerstädtischen- und Pendlerverkehr haben, werden von América Latina Logística (ALL) verwaltet und betrieben.

Der Gütertransport durch die Binnenschifffahrt wurde durch die Errichtung von Dämmen und Schleusen auf wenigen hundert Kilometern ermöglicht.

Im Bundesstaat São Paulo gibt es drei Flughäfen mit unterschiedlichen Leistungsspektren. So fertigt der Congonhas Airport in der Stadt São Paulo zum größten Teil Kurzstreckenflüge beispielsweise nach Rio de Janeiro oder Minas Gerais ab, während der ebenfalls im Cluster gelegene Cumbica Airport (Guarulhos International Airport) der größte Flughafen Brasiliens ist und Verbindungen in die ganze Welt anbietet. Bis der Cumbica Airport in den achtziger Jahren den Betrieb aufnahm, war der Viracopos Airport in Campinas der internationale Flughafen des Bundesstaates. Heute werden dort die meisten internationalen Luftfrachten abgewickelt.

Internationale Anziehungskraft

Die 100 größten Städte der Welt erzeugten 2008 zusammen 30 % des Bruttoweltproduktes. Einige dieser Megacities haben größere Bruttoregionalprodukte als mittelgroße Länder wie Schweden oder die Schweiz. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Agglomerationen und damit die Bedeutung des Clusters für Brasilien. Denn im Global City GDP Rankings 2008-2025 von PricewaterhouseCoopers wurde São Paulo 2008 der fünfte Platz im internationalen Vergleich der Einwohnerzahl und der 10. Platz beim Vergleich der Bruttoregionalprodukte der Megacities attestiert. Dabei hat sich São Paulo innerhalb von drei Jahren mit nun 388 Mrd. USD um 9 Plätze nach vorne geschoben. PwC prognostiziert darüber hinaus, dass der Cluster die Platzierung im Vergleich der Bevölkerungszahlen bis 2025 behaupten wird. Dabei sind der Cluster und Mexico City die einzigen Städte unter den Top Ten aus sich entwickelnden Wirtschaften. Diese wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die beachtlichen Humanressourcen spiegeln sich auch in der Innovationskraft des Clusters wider: Im Innovations City 100 Index, einem Vergleich der Innovationskraft in Städten, belegt der Cluster im Vergleich der nord- und südamerikanischen Städte Platz 24 und Platz 94 weltweit.

Ebenso erlangte São Paulo im Global Metro Monitor, in dem die Volkswirtschaften von 150 Metropolregionen verglichen werden, Platz 37 weltweit, was auf das seit 1993 gestiegene Einkommen (ca. 32% bis 2010) und die Beschäftigungszunahme (ca. 43%) zurück zu führen ist. Im Global Financial Cities Index (GFCI) 10, einem weltweiten Ranking von Finanzzentren, belegt der Cluster Platz 49 und wird als etablierter Standort eingestuft.

Im Jahr 2006 waren die Hauptexportziele des Bundesstaates die USA einschließlich Puerto Rico (19 %), ALADI (Associação Latino-Americana de Integração bzw. Latin-American Association of Integration, einem lateinamerikanischen Binnenmarkt mit insgesamt 14 Mitgliedsstaaten) ausgenommen Mercosur-Mitgliedsstaaten (17 %), Europäische Union (16 %); Mercosur (einem Verbund von Argentinien, Paraguay, Uruguay und Brasilien, dessen Mitglieder auch an der ALADI beteiligt sind, vgl. Kurzprofil) (14 %) und Asien (8 %). Dabei sind die Hauptexportgüter des Clusters Autos, Flugzeuge und Mobiltelefone. Zudem war der Bundesstaat São Paulo 2006 für beinahe 45% der Dienstleistungsproduktion ganz Brasiliens verantwortlich, wovon 60% auf São Paulo entfielen.

Die Exportstärke São Paulos ist auch auf seine gute Vernetzung zurückzuführen. Laut einer Studie des GaWC von 2010 gehört São Paulo zu den besten 14 Städten weltweit hinsichtlich der globalen Vernetzung (Alpha City). Von dem Potential des Clusters profitieren seit Jahrzehnten internationale Unternehmen. Der deutsche Automobilbauer Volkswagen beispielsweise betreibt drei seiner fünf großen brasilianischen Fabriken in der Metropolregion São Paulo. Volkswagen do Brasil Ltda. gilt als größter Fahrzeughersteller des Landes, der seine Position in den nächsten Jahren weiter ausbauen möchte. In einem Zeitraum von fünf Jahren (2009-2014) sollen 2,3 Mrd. Euro in die Entwicklung neuer Produkte und den Ausbau der Fertigungskapazitäten investiert werden. So eröffnete VW 2008 ein in Brasilien bisher einzigartiges Virtual Reality Centre in São Bernardo (Investition 1,6 Mio. Euro), in dem neue Fahrzeugmodelle virtuell entwickelt werden können. Auch Microsoft setzt auf den Standort São Paulo. 10 Mio. USD wurden in ein 1.300 Quadratmeter großes Technologiezentrum (Microsoft Technology Center) investiert, in dem AMD, Dell, Intel, HP, Nokia und zehn weitere Unternehmen mitwirken und das unter anderem auch für Studenten zugänglich ist.

Die Körperschaftssteuer für Unternehmen mit einem jährlichen Gewinn von bis zu 240.000 R$ liegt bei 15 Prozent des steuerpflichtigen Gewinns. Übersteigen die Einnahmen diesen Wert, werden sie mit zusätzlichen 10 Prozent besteuert. Desweiteren wird eine Gewinnsozialabgabe (CSLL - Contribuição Social sobre o Lucro Líquido) von 9 Prozent des Nettogewinns erhoben, weshalb der Spitzensteuersatz für Unternehmen bei insgesamt 24 bzw. 34 Prozent liegt. (Weitere Informationen zum brasilianischen Steuerrecht bietet die Deutsch-Brasilianische Handelskammer)

Bisher hat Brasilien 33 Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen, wobei das DBA mit Deutschland 2006 außer Kraft getreten ist. Natürliche Personen, die in Brasilien ansässig sind, unterliegen einer progressiven Einkommenssteuer von 0,15 bis 27,5 Prozent. Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung bzw. Verminderung der Steuerbelastung sowohl für natürliche als auch juristische Personen gilt das Welteinkommensprinzip. Nach diesem Prinzip fallen sowohl inländische als auch ausländische Einkünfte (zusammen das Welteinkommen) unter die unbeschränkte, inländische Einkommenssteuerpflicht.

Als Mitglied des Mercosur (vgl. Kurzprofil) besteht zwischen Brasilien und den anderen Mitgliedsstaaten eine Freihandelszone.

São Paulo konnte sich in den letzten Jahren durch Investitionen in die Infrastruktur zu einem attraktiven Standort entwickeln. Dabei ist São Paulo der führende Bundesstaat Brasiliens hinsichtlich der Vergabe von Fördergeldern durch Public-Private Partnerships (PPP), die von der São Paulo Company of Partnerships (CPP) betreut und für infrastruktuelle Projekte eingesetzt werden. Obwohl São Paulo führend in diesem Bereich ist, weist das Stadtgebiet Verbesserungspotenzial auf: Durch das schnelle Wachstum der Stadt und die hohe Industriedichte werden Umwelt und Bevölkerung enorm belastet. Die Luftqualität ist, bedingt durch Industrie und Straßenverkehr, schlecht und die Gewässer werden durch industrielle und häusliche Abwässer verschmutzt. Ebenso ist die Beseitigung von Müll problematisch, was zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bevölkerung führt.

Die Partnerschaft von Brasilien und Deutschland ist aufgrund ihrer langen Tradition sehr gut ausgebaut. Seit 40 Jahren bestehen zwischen den Ländern gute Beziehungen im Bereich der Wissenschaft und Forschung, die im Deutsch-Brasilianisches Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011 weiter vertieft wurden. In dem Jahr wurde das Ziel gesteckt, sich globalen Problemen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit zu stellen. Durch gemeinsame Projekte sollte der Austausch zwischen Studierenden und Forschenden ausgebaut werden.

Mit der Eröffnung eines Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) des Auswärtigen Amts in São Paulo Anfang 2012, mit dem der Innovationsaustausch zwischen Deutschland und Brasilien weiter vorangetrieben werden soll, wurde die Bedeutung des Standortes von Deutschland unterstrichen.

Zudem unterstützt die Deutsch-Brasilianische Handelskammer São Paulo dabei, deutsche Innovationen und Technologien in São Paulo zu etablieren und veranstaltet seit 2009 die hoch frequentierte Nachhaltigkeitsmesse ECOGERMA, die über Themen wie Klimaschutz und umweltfreundliche Technologien in Brasilien informiert.

Die südamerikanische Rohrindustrie präsentiert sich alle zwei Jahre auf der TURBOTECH (International Trade Fair for Tubes, Fittings and Components), die von der Grupo CIPA (Brasilien) und der Messe Düsseldorf GmbH (Deutschland) organisiert wird. Mit knapp 17.000 Fachbesuchern war sie 2009 die größte Fachmesse dieser Branche. 2011 wurde erstmals die WiCAB (International Wire and Cable Fair, Teilbereich für Draht- und Kabelindustrie) integriert, die 2013 als Wire South America neben der TURBOTECH als eigenständige Messe veranstaltet werden soll. Beide Messen finden zeitgleich im Imigrantes Exposicoes Exhibition Centre statt.

Thematische Stärkefelder

Der Cluster São Paulo zeichnet sich durch Stärken in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrtindustrie, der Biotechnologie und Lebenswissenschaften, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im Finanzwesen aus. Eine besondere Rolle spielt der Cluster für deutsche Unternehmen, denn rund 1200 deutsche Firmen betreiben laut Deutsch-Brasilianischer Industrie- und Handelskammer (Tochter-) Unternehmen in São Paulo.

Automobilindustrie

Die Automobilindustrie konzentriert sich hauptsächlich in der sogenannten ABC-Region im Süden der Metropolregion São Paulo. Sie umfasst die Städte Santo André (A), São Bernardo do Campo (B) und São Caetano do Sul (C), die zusammen mit den Städten Diadema, Mauá, Ribeiãro Pires und Rio Grande da Serra die "Greater ABC Region" bilden. Unter anderem haben in dieser Industrieregion Automobilkonzerne wie DaimlerChrysler (Mercedes-Benz), Ford, Volkswagen und General Motors ihre Produktionsstätten. São Paulo hat die Entwicklung der brasilianischen Automobilbranche maßgeblich beeinflusst und internationale Automobilhersteller angezogen. In den vergangenen Jahren konnte sich Brasilien so zu einem der Hauptabsatzmärkte der VW-Gruppe entwickeln, in dem von Seiten des Unternehmens weiteres Wachstumspotenzial vermutet wird.

Die Automobilindustrie spielte darüber hinaus bei der Industrialisierung Brasiliens eine wichtige Rolle. Die Branche entwickelte sich schnell und zog viele internationale, vor allem deutsche, Investoren an. In diesem Sektor übte der Staat São Paulo einen maßgeblichen Einfluss auf das Land aus und übernahm die führende Position. Wichtigster Standort innerhalb des Clusters ist São Bernardo, denn die Stadt entwickelte sich schnell zu einer Produktionszone. VW do Brasil betreibt dort eine der fünf brasilianischen Fabriken, die eine Fertigungskapazität von 1300 Autos pro Tag hat. Im eigenen F&E-Zentrum werden Neuprodukte geplant und entwickelt. Insgesamt arbeiten in São Bernando 16.000 Menschen für den deutschen Autohersteller. In São Carlos (ABC-Region) ist die Verbrennungsmotorenproduktion mit ca. 500 Mitarbeitern angesiedelt.

Luft- und Raumfahrtindustrie

Einer der führenden Konzerne im Bereich der Luft- und Raumfahrt ist der brasilianische Flugzeughersteller Empresa Brasileira de Aeronautica (Embraer). Das 1969 von der brasilianischen Regierung als staatliche Flugzeugfabrik gegründete Unternehmen hat sich auf Geschäftsflugzeuge und Regionaljets spezialisiert. In den letzten Jahren hat sich Embraer mit einen Umsatz von 4 Mrd. Euro (2009) zum drittgrößten Flugzeughersteller weltweit entwickelt. Anfang 2012 wurde ein Abkommen mit dem Flugzeughersteller Boeing unterzeichnet, der das brasilianische Militär mit Kampfjets ausstattet und seit Jahrzehnten gute Beziehungen zum Land pflegt. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen soll Effizienz, Produktivität, Kundenzufriedenheit und Sicherheit steigern. Boeing sieht in dem brasilianischen Luftfahrt-Markt enormes Potenzial: Eigenen Prognosen zufolge werde das Land in den nächsten 20 Jahren mehr als 100 Mrd. USD in neue Flugzeuge investieren müssen. Um neue Technologien und nachhaltige Entwicklung zu unterstützten, plant Boeing bereits ein Forschungs- und Technologiezentrum in São Paulo (Boeing Research & Technology-Brazil), das voraussichtlich Ende 2012 eröffnet wird. Dort soll aus der Kooperation zwischen Boeing, beheimateten F&E-Organisationen, privaten Unternehmen und Universitäten Nutzen gezogen werden.

Die im Bundesstaat São Paulo gelegene Stadt São José dos Campos ist ein herausragender Standort für die moderne brasilianische Luft- und Raumfahrt, die als Geburtsstätte dieses Industriezweigs gilt. Seit der Gründung des Departamento de Ciência e Tecnologia Aeroespacial im Jahre 1945 konnte sich die Branche rasch entwickeln. Die vom Verteidigungsministerium ins Leben gerufene Abteilung gründete kurz darauf eine Hochschule für Luft- und Raumfahrttechnik (Instituto Tecnológico de Aeronáutica – ITA), die heute die national angesehenste auf diesem Gebiet ist. Im Jahr werden nur etwa 100 Studenten an dieser Hochschule zugelassen, die sowohl über Lehr- als auch Forschungseinrichtungen und zudem über drei weitere Institute verfügt:

  • Instituto de Aeronaútica e Espaço: Entwickelt Projekte für den Verteidigungs-, Luft-und Raumfahrtsektor
  • Instituto de Estudos Avançados: Spezialgebiete sind unter anderem Nuklearenergie und Angewandte Physik. Verfügt über den größten Hyperschall-Windkanal Lateinamerikas, der im Besitz der brasilianischen Luftwaffe ist.
  • Instituto de Fomento e Coodernação Industrial: Vermittlungsstelle zwischen Industrie und Instituten. Zertifiziert unter anderem Zubehörteile.

Die Entwicklung des Standorts ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Seit einigen Jahren gibt es einen Industriepark (Parque Tecnológico - São José dos Campos, kurz: PqTect-SJC), der eine Freifläche von 188.000 Quadratmetern sowie 30.000 Quadratmeter bebautes Gelände umfasst. Neben der Forschung für die Luftfahrt sind in der Stadt Einrichtungen aus den Bereichen Automobilbau, Energie(produktion), Bio- und Nanotechnologie, Sicherheitstechnik und IT ansässig.

Außerdem haben in São José dos Campos folgende Forschungs- und Ausbildungszentren Präsenzen, die die Ansiedlung von Unternehmen aufgrund der verfügbaren Humanressourcen attraktiv machen: 

  • UNIFESP (Universidade Federal de São Paulo)
  • FATEC (Faculdades de Tecnologia do Estado de São Paulo)
  • UNESP (Universidade Estadual Paulista "Júlio de Mesquita Filho")

Auch deutsche Unternehmen haben sich dort angesiedelt. Beispielsweise bietet ThyssenKrupp Autômata Industria de Peças Ltda. dort Dienstleistungen (Teilvorfertigung, Montagearbeiten, etc.) für die Luftfahrtindustrie an. Die brasilianische Luftfahrtindustrie pflegt darüber hinaus gute Beziehungen zu Deutschland (vgl. Akteure und Netzwerke).

Das Brasilianische Institut für Weltraumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, INPE) hat seinen Hauptsitz in der Stadt. Dessen Forschungsschwerpunkte liegen in: Astro- und Geophysik, Wetter- und Klimastudien, Beobachtung der Erdbewegung, Entwicklung innovativer Technologien, Experimente in Testlaboren (u.a. Fehleranalyse, Systementwicklung) und Satellitenüberwachung.

Biotechnologie und Lebenswissenschaften

Im Bereich der Biotechnologie, Lebenswissenschaften und Herstellung von Pharmazieprodukten ist der Bundesstaat São Paulo ebenfalls ein wichtiger Standort. Fast 37 Prozent der Biotech-Unternehmen Brasiliens sind dort ansässig, unter anderem auch das amerikanische Unternehmen Amgen, das als weltweit größtes Unternehmen dieser Branche gilt. Außerdem werden im Cluster eine Reihe von Forschungseinrichtungen und Lehrkrankenhäusern betrieben, die mit der Universität von São Paulo (USP) zusammenarbeiten. Die USP gilt als führende Hochschule des Landes in Forschung, Lehre und Entwicklung.

Neben den bereits erwähnten Unternehmen sind in São Paulo wichtige Forschungseinrichtungen und –Zentren ansässig. Unter anderem sind dies:

  • Instituto Butantan: Das Institut ist ein biomedizinisches Forschungszentrum und Serumsinstitut des Gesundheitsministeriums von São Paulo. Fachbereiche sind Molekularbiologie, Immunologie und Epidemiologie. 93% der Impfstoffe Brasiliens werden dort produziert, unter anderem gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Grippeviren und H1N1 (Schweinegrippe). International bekannt ist dieses Zentrum für das größte Angebot von Gegengiften in Lateinamerika. Zudem werden Forschungsprogramme für Studierende in Zusammenarbeit mit weiteren Instituten angeboten.
  • Biofabris: Nationale Einrichtung, die sich auf die Herstellung neuer Biomaterialien und Entwicklung von Prothesen spezialisiert hat.
  • Centro de Biotecnologia Molecular e Estrutural: Zentrum für molekulare und strukturelle Biotechnologie.
  • Instituto Dante Pazzanese de Cardiologia: Forschung in der Herzchirurgie. Außerdem ist das Institut eines der Lehrkrankenhäuser der Universität von São Paulo.

Desweiteren sind deutsche Unternehmen wie Henkel, BASF, Bayer, Boehringer Ingelheim und Evonik maßgebliche Akteure in der Pharma- und Chemieindustrie São Paulos. Die Herstellung von Pharmazeutikprodukten und Innovationen im Gesundheitswesen ist im Cluster von großer Bedeutung und erfährt Unterstützung durch die Regierung.

Finanzwesen

In São Paulo-Stadt ist die einzige Börse des Landes ansässig, Bolsa de Valores, Mercadorias e Futuros de São Paulo (kurz: BM&FBovespa S.A.). Mit 70% Marktanteil ist sie der größte Aktienhandelsplatz in Lateinamerika, in dem 381 Unternehmen (April 2008) gelistet sind. Mit 1,22 Billionen USD Marktanteil Ende 2011 war die Börse die achtgrößte weltweit. Neben den 50 größten brasilianischen Firmen, die im Index Bovespa 50 (IBrX-50) gelistet sind, sind internationale Unternehmen wie Dell, 3M, Elli Lilly und Ebay an der Börse aufgeführt. Eine vollständige Liste ist auf der Webseite zu finden.

Akteure und Netzwerke

Im Bundesstaat São Paulo gibt es insgesamt 576 verschiedene Lehreinrichtungen. Zu den sechs wichtigsten Hochschulen gehören: Die Universität von São Paulo (Universidade de São Paulo, USP), die Universidade Estadual Paulista Júlio de Mesquita Filho (UNESP), Universidade Federal do ABC (UFABC, in Santo André), Universidade Federal de São Paulo (UNIFESP), Universidade Federal de São Carlos (UFSCar, in São Carlos) und Universidade Estadual de Campinas (UNICAMP, zweitgrößte Universität hinter der USP, liegt in Campinas). (vgl. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte)

Neben den universitären Forschungseinrichtungen haben sich in den jeweiligen Stärkefeldern (internationale) Netzwerke gebildet.

Für die Automobilbranche nimmt der Verband Associação Nacional dos Fabricantes de Veículos Automotores (ANFAVEA, Nationaler Verband der Automobilhersteller), der die Interessen seiner 24 Mitglieder (unter anderem DaimlerChrysler, VW Ford, GM) vertritt und internationale Handelsbeziehungen pflegt, eine große Bedeutung ein. 2006 war die Organisation maßgeblich an dem Abschluss eines Handelsabkommens mit Argentinien verantwortlich.

In der ABC-Region, die das Zentrum der Automobilbranche des Clusters ist, ist ein staatlich gefördertes Technologie- und Branchennetzwerk ansässig. Akteure innerhalb dieses Stärkefeldes werden über ein sogenanntes "Lokales Produktionssnetzwerk" (Arranjo Produtivo Local – APL) vernetzt. Das Arranjo Produtivo Local do Grande ABC (APL Grande ABC) ist ein Projekt der Agência de Desenvolvimento Econômico do Grande ABC (Agentur für wirtschaftliche Entwicklung des Grande ABC), das finanziell und technisch von Sebrae-SP (Serviço de Apoio às Micro e Pequenas Empresas do Estado de São Paulo) unterstützt wird. Sebrea-SP ist Teil des staatlichen Centro Brasileiro de Apoio à Pequena e Média Empresa (Cebrae), das sich für die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen einsetzt. Das Netzwerk bietet seinen Mitgliedern die Chance, durch finanzielle Mittel sowohl national als auch international wettbewerbsfähig zu sein. Ebenso fördert es Innovationen, die in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen entwickelt werden.

In der Luft- und Raumfahrt hat sich beispielsweise das Brazilian Aerospace Cluster entwickelt, dessen Akteure die Zusammenarbeit von F&E-Einrichtungen, Regierung, Industrie und Lehranstalten verstärken und die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Industrie ausbauen wollen. Das in São Jose dos Campos ansässige Cluster wird vom Competitiveness and Innovation Center of the Northeast Region of São Paulo State (CECOMPI) koordiniert. Neben dieser Organisation sind folgende Einrichtungen von Bedeutung:

Die Luftfahrtbranche Brasiliens zeichnet sich desweiteren durch einen engen Austausch mit der deutschen Branche aus. Die Universität von São Paulo zeigte vermehrt Interesse an deutschen Technologien und lud daher Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu Gastvorträgen ein. Seit 40 Jahren besteht eine wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit zwischen dem DLR und dem Departamento de Ciência e Tecnologia Aeroespacial, die auch in Zukunft weiter ausgebaut werden soll.

In dem Bereich der Biotechnologie spielt der in São Paulo ansässige brasilianische Fachverband BrBIOTECH eine bedeutende Rolle. Dieser fördert die Vernetzung und den Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Einrichtungen und repräsentiert die gesamte brasilianische Biotechnologie. Angestrebt wird der Ausbau bzw. die Etablierung der Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zu einem international anerkannten Exzellenzzentrum. Zwischen Brasilien und Deutschland findet durch die Vernetzung von BrBIOTECH und biosaxony, dem Verband des Freistaates Sachsen für Biotechnologie und Lebenswissenschaften, ein Bildungs- und Technologietransfer statt.

Ebenso von Bedeutung ist das Centro de Inovação, Empreendedorismo e Tecnologia (Cietec). Knapp 150 Unternehmen aus den Sektoren Biotech, Chemie, Lebenswissenschaften und Gesundheitswesen werden durch das Cietec vertreten und untereinander vernetzt. Ein eigener Technologiepark, der eine bessere Koordination und einen schnelleren Austausch möglich machen soll, ist in Planung. Ziel ist es außerdem, die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft weiter zu unterstützen und durch neue Technologien und Innovationen die Branche voranzutreiben.

Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft ist in den vergangenen Jahren zunehmend wichtig geworden. Daher wird die Entwicklung neuer Technologien durch Zusammenführen von Forschungseinrichtungen und Unternehmen von der Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paulo (FAPESP) unterstützt. Die FAPESP bietet eine Vielzahl von Forschungsprogrammen an, kann bei der Finanzierung Beihilfe leisten und vermittelt qualifizierte Arbeitskräfte. Neben nationalen Partnern bestehen Kooperationen mit Deutschland (Deutscher Akademischer Austauschdienst DAAD, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Argentinien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den USA.

Für die Ansiedlung eines deutschen Unternehmens in São Paulo gibt es vor Ort eine Reihe von Anlaufstellen. Die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer steht mit einem Büro zur Verfügung und bietet dort auch Hilfestellung für die Vernetzung im Mercosur (vgl. Kurzprofil) an. In enger Zusammenarbeit mit der AHK São Paulo steht der Verein Deutscher Ingenieure Brasilien (VDI-Brasilien), der als Netzwerk sowohl für deutsche und als auch brasilianische Ingenieure fungiert.

Von brasilianischer Seite stellt die Investitionsförderung Investe São Paulo der Agência Paulista de Promoção de Investimentos e Competitividade Hilfeleistungen zur Ansiedlung von Unternehmen zur Verfügung.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Der Cluster hat ein relativ gut ausgebautes Schulsystem. Schulpflicht besteht für Kinder zwischen sieben und 14 Jahren. Nach der achtjährigen Ausbildung an einer Grundschule kann eine dreijährige Ausbildung an einer Sekundarschule angeschlossen werden, die auch berufsorientiert sein kann. Es gibt sowohl öffentliche als auch private Schulen, die im Gegensatz zu anderen brasilianischen Staaten hoch frequentiert sind.

Die Universität São Paulo ist mit über 80.000 Studenten und sieben Präsenzen im Bundesstaat die größte Universität des Landes und die zweitgrößte in Lateinamerika.

Im weltweiten Times Higher Education and QS World University Ranking belegt die Hochschule aktuell Platz 178 und ist damit die bestplatzierteste Universität Südamerikas. International anerkannt ist die USP aufgrund des großen Lehr- und Forschungsangebots: An den sieben Standorten im Cluster gibt es 40 verschiedene Einrichtungen, fünf Krankenhäuser sind kooperierende Lehreinrichtungen, außerdem wird in einer Vielzahl von Laboren und Zentren Forschung vorangetrieben. In den letzten zehn Jahren war die USP für 22 bis 26 % der wissenschaftlichen Arbeit Brasiliens verantwortlich und ist damit die produktivste Universität Lateinamerikas. Dies kann unter anderem auf die offene Innovationspolitik der Hochschule zurückgeführt werden. Eine Übersicht der Forschungsprojekte ist auf der Internetseite der Universität zu finden.

Der Campus im Stadtkern São Paulos zeichnet sich unter anderem durch ein großes Angebot im Bereich der Biotechnologie, Medizin und Lebenswissenschaften aus. Neben einer Vielzahl von Fakultäten sind dort folgende Institute zu finden, die sich durch Forschung und Entwicklung im Bereich der Lebenswissenschaften und Biotechnologien auszeichnen (insgesamt 29 Einrichtungen in São Paulo):

Viele Studierende schließen nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium an oder promovieren in ihrem Fachbereich. Die Absolventen der Universität von São Paulo genießen eine gute Reputation.

Auch die bereits erwähnte Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paulo (FAPESP) bietet Projekte bzw. Programme für Postgraduenten und Promotionsstudenten an. Jungwissenschaftlern wird mittels Stipendien oder sachlichen Zuwendungen die Möglichkeit geboten, an nationalen und internationalen Forschungsprojekten teilzunehmen. Forschungsbereiche sind unter anderem Biotechnologie, Lebenswissenschaften und Gesundheitswesen.

Entwicklungsdynamik

Die wirtschaftlichen Stärkefelder hinsichtlich Humanressourcen und Infrastruktur sowie die bereits im Cluster ansässigen Unternehmen üben eine große Anziehungskraft auf internationale Investoren aus. Die enge Zusammenarbeit mit Deutschland und die innovationsfördernde Politik des Bundesstaates und der Stadt scheinen in näherer Zukunft weiteren Nutzen zu bringen.

Durch das enorme Wachstum der Industrie und dem starken Bevölkerungsanstieg São Paulos entstanden Probleme in der Infrastruktur, die von Seiten der Regierung bisher gut gelöst werden konnten. Dennoch weist São Paulo in diesem Bereich Verbesserungspotenzial auf, das hinsichtlich der anstehenden Fußballweltmeisterschaft 2014 gehoben werden kann. Als Gastgeberland investiert Brasilien mehrere Milliarden Real (BRL) in die Infrastruktur und Erreichbarkeit der Großstädte, um dem Zuschauerandrang gerecht werden zu können. São Paulo, als Austragungsort mehrerer WM-Spiele, hat mit rund 5,4 Mrd. BRL (umgerechnet rund 2,2 Mrd. Euro) das höchste Kapital zugesprochen bekommen. Mit diesem Geld sollen unter anderem die Schienenwege zwischen Flughäfen und Stadtzentrum ausgebaut werden, die bislang eher vernachlässigt wurden. Für die zweite anstehende Großveranstaltung, Olympia 2016, werden São Paulo weitere Gelder zugesprochen, die größtenteils in Sicherheits- und Umwelttechniken investiert werden sollen, um das Stadtbild weiter verbessern zu können.

Hinsichtlich wirtschaftlicher Faktoren prognostiziert PricewaterhouseCoopers dem Cluster eine erfolgreiche Zukunft vor allem in der Automobilbranche: Bis 2040 solle er sich zu einem der wichtigsten internationalen Zentren entwickeln. Die Automobilhersteller BMW, Volkswagen und DaimlerChrysler scheinen diese Annahme zu unterstützen. Die drei Konzerne wollen in näherer Zukunft mehrere Milliarden Euro in ihre brasilianischen Standorte investieren. Volkswagen beispielsweise erklärte, bis 2016 3,4 Mrd. Euro in Nachhaltigkeits- und Entwicklungsprojekte investieren zu wollen.

Im Bereich der Luft- und Raumfahrt kann der Cluster aus der Kooperation von Embraer und Boeing profitieren. Der intensive Technologietransfer mit den USA wird vor allem dem brasilianischen Flugzeughersteller von Nutzen sein, um aus der amerikanschen Technologieentwicklung zu lernen, eigene Innovationen hervorzubringen und auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

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