Kurzprofil

Der französische Wissenschaftspark Sophia Antipolis nordwestlich von Antibes und südwestlich von Nizza ist einer der ältesten Wissenschaftsparks weltweit. 1969 gegründet, befinden sich heute über 1.350 Unternehmen mit über 34.400 Beschäftigten in dem im Département Alpes-Maritimes (Region Provence-Alpes-Côte d'Azur - PACA) gelegenen Park. Sophia Antipolis erstreckt sich über insgesamt 2.400 ha, darunter die Städte Antibes, Biot, Vallauris, Mougins und Valbonne mit insgesamt über 140.000 Einwohnern.

1960 entwarf der ehemalige französische Senator Pierre Laffitte in Le Monde seine Vision eines „Quartier Latin aux champs“, einer Stadt der sich gegenseitig befruchtenden Wissenschaft und Kultur im Süden Frankreichs. Bis heute gilt der Artikel als Gründungstext für den Cluster, dessen Schwerpunkt in der Informationstechnologie liegt; weitere Themenfelder sind die Lebenswissenschaften, Umweltwissenschaften und die Feinchemie. In dem auf eine private Initiative hin realisierten Park befinden sich heute Unternehmen wie IBM, Infineon, Nvidia, Air France und Hewlett Packard.

Internationale Anziehungskraft

Sophia Antipolis ist einer der frühesten Technologie- und Wissenschaftsparks weltweit, in Frankreich gilt er als französische Variante des Silicon Valley. In einem Ranking des Wirtschaftsmagazins Entreprise der innovationsstärksten Städte Frankreichs landete Sophia Antipolis 2012 auf dem zweiten Platz. 115 Städte wurden in den Kategorien Innovation, Bildung und Wirtschaft untersucht. Sophia Antipolis weist darüber hinaus die dritthöchste Konzentration von Arbeitsplätzen in Führungspositionen in Frankreich auf. Im Laufe der Zeit haben sich diverse internationale Standardisierungsorganisationen angesiedelt: das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) – beispielsweise für die beiden Standards GSM und UMTS verantwortlich – hat seinen Sitz genauso in Sophia Antipolis wie das Gremium zur Standardisierung von World-Wide-Web-Techniken, das World Wide Web Consortium (W3C).

Die natürliche Umgebung des Parks, das multikulturelle Klima mit vielen ausländischen Fachkräften (der größte Arbeitgeber im Park, Amadeus, beschäftigt Mitarbeiter aus 50 verschiedenen Ländern) und die Strahlkraft der nahegelegen Städte Nizza und Cannes sorgen darüber hinaus für die internationale Anziehungskraft des Clusters. Unter den Beschäftigten der wichtigsten Firmen in der IT-Branche ist Englisch die weitverbreiteteste Sprache, zumal eine große Zahl ausländischer Beschäftigter britischer Herkunft im Cluster arbeitet. Für die im Park lebenden Beschäftigten sind notwendige infrastrukturelle Verbesserungen durchgeführt worden: Innerhalb des Wissenschaftsparks existiert mit Garbejaire ein Wohnviertel mit Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten.

Der nahe gelegene Flughafen Aéroport Nice Côte d’Azur liegt etwa 20 km vom Park entfernt und fertigte im Jahr 2014 rund 11,7 Mio. Passagiere ab, davon 61 Prozent mit internationaler Herkunft. Der Flughafen bietet Direktverbindungen zu den größten deutschen Flughäfen, in weniger als zwei Stunden ist Nizza aus jeder westeuropäischen Hauptstadt erreichbar.

Der Cluster ist von hoher Bedeutung für das Département Alpes-Maritimes: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Parks liegt bei ca. 6 Mrd. EUR jährlich und steuert so 50% des gesamten BIPs der Region bei.

Als Investitionsstandort ist Sophia Antipolis auch im Ausland beliebt. Staatlich geförderte Exzellenzprogramme, Universitäten, Grandes écoles und Forschungseinrichtungen in unmittelbarer Nähe sorgen für ein positives Investitionsklima, so dass sich momentan 170 durch ausländische Investoren kontrollierte Unternehmen finden (12,5% aller Unternehmen im Park), die 25% aller Arbeitsplätze im Cluster zur Verfügung stellen.

Weitere Gründe für die ausländischen Investitionen dürften zum einen in der intensiv verfolgten Internationalisierung des Clusters (siehe „Akteure und Netzwerke“) – Sophia Antipolis ist gerade in seiner Frühphase auch in den USA massiv als Hightech-Standort beworben worden – als auch in den attraktiven hohen Steuervergünstigungen liegen. Die BRIC-Staaten werden dabei für Sophia Antipolis und die gesamte Region Côte d’Azur als Investoren immer wichtiger.

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Der Crédit d'impôt recherche (CIR) ist eine Steuergutschrift, die darauf abzielt, die F&E-Aktivitäten der Unternehmen zu fördern. Die Unternehmen bekommen 30% ihrer F&E-Ausgaben erstattet, in den ersten beiden Jahren sogar 50%, bzw. 40%. Übersteigen die Ausgaben 100 Mio. EUR im Jahr, beträgt der Zuschuss nur noch 5%. Zusätzlich garantieren die französischen Regionen und die Regierung in Paris jedem Unternehmen, das 20 Arbeitsplätze im F&E-Bereich schafft, Fördermittel in Höhe von 300.000 EUR.

Um auch in Zukunft Investoren anziehen zu können, gibt es bereits konkrete Pläne für die Flächenerweiterung. Die Erschließung von ca. 400 ha Entwicklungsfläche ist geplant, 700.000 m² neue Büroflächen sollen entstehen. Die Erweiterung ist Teil der Zukunftsstrategie Sophia 2030.

Die Mietpreise für Büroräume sind im Vergleich zu anderen europäischen Städten relativ gering. So betrug 2014 der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Büroraum im Jahr 180€.

International ist der Cluster in die International Association of Science Parks and Areas of Innovation als auch im Network Innovation Champion (NAI) (zusammen mit München und Tel Aviv) und dem ELITE network (Enlarging & Innovation Leveraging Talent in Europe) eingebunden. Die Abteilung "International Relations and European Affairs" der Fondation Sophia Antipolis kümmert sich fortlaufend um die internationale Vernetzung, die Fondation Sophia Antipolis selbst ist ein wichtiger regionaler Akteur im Cluster und in eine Vielzahl EU-geförderter Projekte, wie zum Beispiel Europe Aid, involviert.

Dieser Schwerpunkt auf internationale Aktivitäten spiegelt sich auch in den Messen und Konferenzen des Clusters wider. Die Sophia Antipolis Micro Electronics (SAME) Conference ist ein seit 1997 jährlich stattfindende Messe und Technologieschaufenster im Bereich der Mikro- und Nanoelektronik, auf der ein internationales Fachpublikum Zukunftstrends der Branche in Sophia Antipolis diskutiert.

Um den Cluster auch als Wissenschaftsstandort zu vermarkten, organisiert das Bildungsnetzwerk PERSAN (siehe "Akteure und Netzwerke") bereits seit einigen Jahren das Wochenende der Wissenschaften in Sophia Antipolis, während dessen Interessierten die Möglichkeit geboten wird, Forschungseinrichtungen zu besichtigen und mit Forschern vor Ort ins Gespräch zu kommen. 2013 fand das Wochenende erstmals auf dem fertiggestellten Campus Sophiatech statt.

Neben der intereuropäischen Vernetzung sind mittlerweile auch verstärkte Kooperationsbestrebungen mit den Mittelmeeranrainerstaaten zu beobachten. Der Besuch hochrangiger türkischer Minister 2010 oder Kooperationsbemühungen mit Algerien im Bereich wissenschaftlicher Forschung und technologischer Entwicklung illustrieren diesen Trend. Auch eine chinesische Delegation mit Vertretern zehn größerer chinesischer Unternehmen besuchte Sophia Antipolis.

Thematische Stärkefelder

Geschichte des Clusters

Sophia Antipolis – „Sophia“ leitet sich vom griechischen Begriff für „Weisheit“ und der Ehefrau Pierre Laffittes, Sophie Glikman-Toumarkine, ab, „Antipolis“ ist die antike Bezeichnung der Stadt Antibes – weckte schnell das Interesse der kommunalen Politik, da man die lange stark vom Tourismus abhängige Wirtschaft der Region ohnehin diversifizieren wollte. Auch aufgrund der geringeren Umweltverschmutzung, die den Tourismus in der Region beeinträchtigt hätte, wandte sich die Strategie der Politik schnell in die Ansiedlung von Hochtechnologie-Unternehmen.

Die damals bereits vorhandene touristische Infrastruktur erwies sich in der frühen Phase als günstiger Faktor: Hotels, Konferenzzentren und das überdies angenehme, mediterrane Klima machten es einfacher, die notwendigen Akteure von Sophia Antipolis zu überzeugen.

Struktur des Clusters

Für einen Hochtechnologie-Cluster untypisch kann Sophia Antipolis mit einer bemerkenswerten Landschaft und einem mediterranen Klima aufwarten. Ca. 65% der gesamten Fläche wird von mediterranem Wald abgedeckt, nur ca. 28% werden für Forschung, Fortbildung, Produktion und Verwaltung genutzt. Schulen, Sport-, Sozial- und Kulturanlagen und Wohnungen beanspruchen nur 7%.

Um diesen ungewöhnlichen Standortvorteil weiter zu erhalten, genügen alle Bauprojekte im Park den Erfordernissen einer nachhaltigen Entwicklung: Alle neuen Gebäude dürfen nicht höher als drei Stockwerke gebaut werden, um den Blick auf die Gebirgsgruppen im Hinterland nicht zu versperren.

In Sophia Antipolis finden sich in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten pro Unternehmen liegt bei 13, schwankt jedoch von Branche zu Branche. 65% aller Firmen in Sophia Antipolis im Park haben ihre Zentralen im Cluster.

Die ersten Firmen kamen aus der Computer- und Elektronikindustrie, wie beispielsweise Air France, Certiam, Organic, Télésystemes, Questel, Thomson Sintra und Télémécanique. Inzwischen hat sich die Unternehmenslandschaft diversifiziert.

Von den insgesamt 1.350 Unternehmen unterhalten 40% eine eigene Abteilung für Forschung und Entwicklung (F&E). Dabei ist das thematische Profil Sophia Antipolis klar gegliedert:

  • Informationstechnologie: Mit über 15.000 Beschäftigten in mehr als 300 Unternehmen ist die Informationstechnologie die bestimmende Branche in Sophia Antipolis. 22,2% aller Firmen im Cluster sind in diesem Bereich registriert, der Sektor stellt 43,6% aller Arbeitsplätze. Bekannte Unternehmen aus dem Segment sind beispielsweise Air France, Siemens und France Telecom. Die Schwerpunkte liegen hier in Elektronik, Softwareentwicklung, Telekommunikations- und Multimedia-Technologien, E-Commerce, Internettechnologien und der Nutzung mobiler Breitbanddienste. Die Branche erzielt momentan einen Umsatz von ca. 4 Mrd. EUR Umsatz im Jahr. 
  • Life Science und Feinchemie: Der Bereich Gesundheitswissenschaften, Biotechnologie und Feinchemie wird derzeit von rund 45 Unternehmen im Park mit über 2.600 Beschäftigten repräsentiert, darunter beispielsweise SmithKline Beecham Clinical Laboratories. Die führende Forschungseinrichtung ist das 1989 gegründete Institute of Molecular and Cellular Pharmacology (IPMC), das von der französischen Wissenschaftsorganisation Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) finanziert wird. Die Forschungsaktivitäten des IPMC konzentrieren sich auf die Felder Integrative Biologie und Zell- und Molekularbiologie.
  • Umwelttechnologie: Der Bereich Neue Energien und Umwelt stellt momentan ca. 350 Arbeitsplätze in 23 Unternehmen, aufgeteilt auf private und öffentliche Institutionen sowie kleine und mittlere Unternehmen. Forschungsschwerpunkte liegen in der Solarenergie und Neuen Materialien.

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Die im Cluster beheimatete Kooperation aus SmartSystems, CoRisk International und Prevention 2000 sorgte für Aufsehen, als 2011 die Quake Up-App präsentiert wurde. Dabei agiert Quake Up als mobiles Frühwarnsystem im Falle eines Erdbebens und dient gleichzeitig als Navigationshilfe für Rettungskräfte. Die UN, die Weltbank und das Internationale Rote Kreuz bekunden Interesse an der App.

Im medizinischen Bereich hat seit 1993 die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESCARDIO) ihre Zentrale im Cluster. ESCARDIO repräsentiert ca. 80.000 Fachleute für Kardiologie in ganz Europa und aus dem Mittelmeerraum. Der Forschungsschwerpunkt liegt hier insbesondere in der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sowohl unter dem Aspekt der Anzahl der Unternehmen als auch im Bereich der Arbeitsplätze ist die Informationstechnologie die dominierende Branche im Cluster. Die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten pro Unternehmen liegt hier bei 43, ca. 30 Unternehmen beschäftigen jedoch 100 und mehr Mitarbeiter. Auch die fünf größten Unternehmen des Parks sind der IT-Branche zuzurechnen:

Unternehmen

Beschäftigte

Tätigkeitsfeld

Amadeus

2035

Digitale Reservierungssysteme

Thales Underwater Systems SAS + Thales Service SAS

826

Sonarsysteme

Astek Sud Est

550

Software

Air France - Etablissement Informatique

438

Datenverarbeitungssysteme für Passagier- und Frachtverkehr

Schneider Automation

420

Automatisierte Systeme

Grafik: VDI TZ; Quelle: Olivier Hueber - The top-down innovative coordination flows in Sophia Antipolis, Seite 8.

Zwar dominieren kleine und mittlere Unternehmen den Cluster, gleichzeitig repräsentieren jedoch die zehn größten Unternehmen der Informationstechnologie 43,6% aller Arbeitsplätze im Cluster. Nach dem Rückzug von Texas Instruments war es für den Cluster besonders wichtig, dass Samsung 2013 ein Forschungszentrum im Park errichtete.

Auch wenn der Anteil der Umwelttechnologie im Cluster zurzeit noch vergleichsweise gering ist, wird die Grüne Energie trotzdem als eines der wichtigsten Felder für die zukünftige Entwicklung des Clusters gesehen. ADEME, die französische Agentur für Umwelt und Energiemanagement, bietet über ihren Standort in Sophia Antipolis regelmäßig Fortbildungsmaßnahmen im Bereich der Solarenergie an. Die Solarenergie gehört auch deswegen zu den potenziell wichtigsten Zukunftsfeldern der Region, da die Côte d'Azur mit knapp 2.500 Sonnenstunden im Jahr die besten Voraussetzungen für den Ausbau mitbringt. Auch im Bereich der Wasserkraft verfügt die Region über eine Kraftwerkskapazität von ca.  1 Mrd. kWh/ Jahr.

Der Betonung der interdisziplinären Befruchtung als ein wichtiges Mittel zur Entwicklung des Clusters geht letztlich bis auf Pierre Laffittes konzeptionellen Artikel in Le Monde von 1960 zurück und wird von der Fondation Sophia Antipolis entsprechend gefördert. Zu den Mitteln der Förderung des Netzwerkes zwischen Unternehmen und Branchen gehören informelle Treffen, Seminare und Foren. Damit sollen nicht nur Synergie-Effekte zwischen den Industriezweigen gefördert, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl der Beschäftigten in Sophia Antipolis insgesamt gestärkt werden.

Deutlich wird diese Strategie beispielsweise im sogenannten "converging mobile cluster", dem Innovationsfeld Mobiltechnologie: Verschiedene industrielle Zweige wie das Halbleiterdesign, Informatik und Kommunikationstechnik schaffen Synergie-Effekte, die den Cluster mit Helsinki, Seoul, Tokyo und Silicon Valley zu einem der fünf führenden Cluster im Bereich der mobilen Kommunikation machen.

Eine weitere Verquickung medizinischer und informationstechnologischer Forschung kann man im European Heart House mit Sitz in Sophia Antipolis beobachten. Neben Veranstaltungen, auf denen sich die wichtigsten Kardiologen Europas während verschiedener Seminare und Informationsveranstaltungen austauschen, arbeitet das European Heart House bereits mit medizinischen Datenbanken, in denen neueste Informationstechnologie mit medizinischer Forschung verknüpft wird. Insgesamt trifft das zukünftige Stärkefeld "Digitale Gesundheit" in Sophia Antipolis auf günstige Bedingungen: Die Expertise der informationstechnologischen Unternehmen wie IBM, Cisco und Orange einerseits sowie Forschungseinrichtungen wie INRIA, die Forschung im Bereich der Computermedizin, Biologie und Simulation betreibt, andererseits sorgen hier für ein großes Entwicklungspotential.

Mit dem Campus Sophiatech ist 2012 ein Campus inmitten von Sophia Antipolis errichtet worden, der u. a. wechselseitige Impulse im informations- und kommunikationstechnischen Bereich zum Ziel hat (siehe Kapitel "Bildung, Qualifikation und Fachkräfte").

Auf dem Campus eröffnete im Oktober 2014 zudem das SoFab (Sophia Antipolis Fab Lab), dessen Fokus auf dem Internet der Dinge liegt. SoFab bringt Studenten, Forscher, Projektleiter und Beschäftigte auf dem Campus zusammen und soll eine schnellere Prototypenerstellung ermöglichen.

Akteure und Netzwerke

Da Sophia Antipolis keine Gemeinde im rechtlichen Sinne darstellt, wird die Entwicklung und Verwaltung des Clusters durch eine große Zahl öffentlicher und privater Institutionen und öffentlich-privater Partnerschaften übernommen. Zu den öffentlichen Akteuren zählt etwa der Gemeindeverband La Communauté d'agglomération de Sophia Antipolis (CASA), in dem insgesamt 16 Gemeinden organisiert sind und in deren geographischen Zentrum Sophia Antipolis liegt. CASA fördert die Urbanisierung und die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region. Insbesondere im Bereich der Fördergelder spielt der Gemeindeverband für den Cluster eine bedeutende Rolle – allein 2010 unterstützte der Verband 21 regionale Projekte im Bereich der Technologieentwicklung mit Zuschüssen von insgesamt ca. 500.000 €.

Sophia Antipolis verfügt über eine breit gefächerte Netzwerklandschaft in den Bereichen Forschung, Bildung und Investition. Eine zentrale Rolle im Cluster spielt die 1984 gegründete Fondation Sophia Antipolis. Zu den Aufgaben der Stiftung zählen zum einen die Förderung und Entwicklung des Clusters selbst als auch die Vermarktung zum Forschungs- und Entwicklungsstandort von globalem Rang. Die Fondation definiert die Beibehaltung des ursprünglichen Konzepts Pierre Laffittes für Sophia Antipolis als eine ihrer wesentlichen Aufgaben – die nach wie vor geltenden Vorgaben für Neubauten im Park sind ein Beispiel hierfür. Die Entwicklung von Netzwerken zwischen den Unternehmen und den Bildungseinrichtungen im Cluster und der Politik ist eines der wichtigsten Instrumente für die Stiftung.

Im Bildungsbereich umfasst der Pôles Enseignement et Recherche de Sophia Antipolis Nice (PERSAN) alle öffentlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Département Alpes-Maritimes wie beispielsweise die Universität Nizza Sophia Antipolis oder Einrichtungen wie CNRS, INRIA, EURECOM und SKEMA. Gemeinsame Forschungsprojekte und Kooperationen dienen hier dazu, Forschung und Lehre an der Côte d’Azur auf internationalem Niveau zu entwickeln.

Inkubatoren und Fördergesellschaften spielen für Sophia Antipolis eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe liegt auch in der horizontalen Koordination zwischen den Unternehmen, da die Vernetzung zwischen diesen nicht „natürlich“ gewachsen ist. Inkubatoren sollen die Gründer-Atmosphäre im Cluster unterstützen.

Zu den Fördergesellschaften zählt Invest in Côte d’Azur, eine regionale Wirtschaftsfördergesellschaft der Region Alpes-Maritimes. Zu ihren Aufgaben gehören die Vermarktung des Clusters und das Anwerben ausländischer Investoren. Ähnliche Ziele verfolgt die politisch-wirtschaftliche Initiative Team Côte d’Azur, die sowohl Sophia Antipolis als auch Nizza Eco-Valley als Investitionsstandort zu vermarkten sucht und beispielsweise auch die im Juni 2015 bekannt gegebene Eröffnung des „Bosch Vision Tec“ Forschungs- und Entwicklungszentrum von Beginn an unterstützt hat. Rund 30 Beschäftigte werden im Zentrum arbeiten, dessen Eröffnung im Oktober 2015 geplant ist.

Der 2003 etablierte Sophia Business Angels Club, zu dessen Mitbegründern auch Pierre Laffitte zählt, besteht aus ca. 50 renommierten Unternehmern und Managern aus 18 Ländern, deren Fokus auf Investitionen in nationale und internationale Start-Ups in Sophia Antipolis liegt.

In Sophia Antipolis finden sich auch öffentliche und öffentlich-private Strukturen wie zum Beispiel das Business Innovation Centre (BIC). Das BIC wurde von der Europäischen Kommission eingerichtet, um Innovationsanstrengungen, die sich am regionalen Potential orientieren, zu fördern.

Insgesamt liegt der  Hauptfokus der Inkubatoren im Cluster im Bereich der Forschung und Innovation. Auch die UNS ist ein wichtiger Akteur im Bereich der Existenzgründungsförderung: Über den Inkubator PACA-EST, zu dessen Mitbegründern die UNS zählt, förderte sie seit 2001 über 100 Projekte und fast genauso viele Unternehmensgründungen.

Im Cluster sind acht der insgesamt 71 französischen Wettbewerbspole (Pôles de Compétitivité) vertreten. Die Wettbewerbspole sind thematisch und regional ausgerichtet, werden staatlich gefördert und verbinden die Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Der Wettbewerbspol Solutions communicantes sécurisée (Sichere Kommunikationslösungen) gehört zur höchsten Kategorie der international etablierten Cluster („Pôles mondiaux“), das Mer PACA zu denen mit einer globalen Ausrichtung. Sechs weitere werden der Kategorie „Pôle national“ zugeordnet:

  • Optitec
  • Pôle Risques 
  • PASS
  • Capenergies
  • Eurobiomed
  • Pegase

Der Wettbewerbspol Solutions communicantes sécurisée hat auch deswegen eine zentrale Rolle für den Cluster, weil er dessen Kernkompetenzen, die Informations- und Kommunikationstechnologien, spiegelt. Der Fokus des Wettbewerbspols liegt in den Bereichen Mikroelektronik, Telekommunikation und Software.

Der SCS hat heute 270 Mitglieder, von denen 75% forschungsintensive kleine und mittlere Unternehmen, 14 Ingenieurschulen und sechs Universitäten mit 1.500 promovierten Absolventen sind. Seit 2006 sind im Wettbewerbspol 288 Projekte durchgeführt und mit über 860 Mio. EUR in Forschung und Entwicklung gefördert worden.

Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft spielt im Cluster – auch im intereuropäischen Maßstab -  eine herausgehobene Rolle. Das Institut EURECOM, sowohl Universität für Master- und Diplomstudenten als auch eine Forschungseinrichtung für Telekommunikation und Multimedia, bietet hierfür ein eindrucksvolles Beispiel: es unterhält sowohl Hochschulpartnerschaften mit Universitäten weltweit (darunter mit der TU München) als auch Kooperationen mit derzeit neun Industriepartnern. Mit der BMW Group Forschung und Technik existiert bereits seit 2006 eine enge Kooperation. Den Industriepartnern der EURECOM (wie zum Beispiel SAP, Swisscom und BMW Group Forschung und Technik) wird direkter Einfluss auf Forschungs- und Lehrpläne gewährt. Zusätzlich ist das Institut in eine Vielzahl nationaler und internationaler Forschungsprogramme involviert.

Ein ähnliches Ziel verfolgt der neue ICTS-Campus, der nach angloamerikanischem Vorbild Wissenschaft und Unternehmen der Informationstechnologie auf einem Campus zusammenbringt. Auf dem ICTS-Campus werden sich Forschung und Lehre in erster Linie auf Netzwerktechnik, Bioinformatik und Computertechnik konzentrieren.

Der hohe Stellenwert regionaler und internationaler Vernetzung macht sich in der Vielzahl von Netzwerken im Cluster bemerkbar. Als wichtigster Faktor in der Realisierung von Investitionen zeichnen die Netzwerke 2012 für 58% aller Investitionsprojekte in der Region Côte d’Azur verantwortlich.

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Ein wichtiges regionales Netzwerk bildet hier Le Syndicat mixte de Sophia Antipolis (SYMISA), eine seit 2011 in Sophia Antipolis ansässige öffentlich-private Partnerschaft, die die öffentlichen Behörden und die regionalen Unternehmen in einem Netzwerk zusammenbringt und für die Finanzverwaltung und Entwicklung des Parks verantwortlich ist.

Seit einigen Jahren existiert eine regelmäßige Kooperation zwischen der Sophia Antipolis Fondation und dem Kuwait Finance House Bahrain (KFHB).  Jungen bahrainischen Studenten wird im Rahmen des "Mentorship program" die Möglichkeit gegeben, zwei Wochen lang Erfahrungen in ausgesuchten Unternehmen des Clusters zu sammeln.

Der Club Sophia Nordic Link, der den Austausch zwischen dem Cluster und skandinavischen Firmen und Unternehmern fördert, liefert ein weiteres Beispiel für die intensive internationale Ausrichtung. Dabei soll sowohl ein regionales Netzwerk innerhalb des Departments Alpes-Maritimes als auch ein national und international funktionierender Austausch etabliert werden.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Die Université Nice Sophia Antipolis (UNS) mit ca. 26.000 Studenten (17% davon aus dem Ausland), und das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) mit seinen Laboratorien und Forschungsinstituten bilden das Universitätszentrum, das eng auf die Bedürfnisse des Wissenschaftsparks abgestimmt ist.

Die Vernetzung zwischen der UNS, deren Wurzeln bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen, und dem Cluster begann 1985, als erstmals Postgraduiertenstudiengänge mit Blick auf Sophia Antipolis etabliert wurden. 2.500 Studenten studieren täglich an einer der sechs Fakultäten im Park. Das Institut Polytech Nice-Sophia als Institut der UNS liegt direkt in Sophia Antipolis und ist für die Bildungslandschaft des Clustergebiets von besonderer Bedeutung. Von den angebotenen Studiengängen der Polytech wie Elektronik, Informatik, Biotechnik und Wasserbau profitieren insbesondere die im Cluster vertretenen Felder Informationstechnologie, Life Science und Umwelttechnologie. Knapp 1.000 Studenten zählt die Polytech derzeit, davon etwa 50 Doktoranden; auch hier spielt die Internationalisierung eine herausgehobene Rolle: Es bestehen Kooperationen mit mehr als 200 Universitäten in 25 europäischen Ländern.

Die UNS verfügt über vier Hauptcampusse: Valrose, Trotabas, Saint-Jean d'Angély und Carlone. Daneben verfügt die öffentliche Hochschule noch über weitere Standorte im Départment Alpes-Maritimes wie zum Beispiel in Sophia Antipolis oder Villefranche-sur-Mer. Die Universität bietet Sommerkurse für das Erlernen der französischen Sprache für ausländische Studenten an.

Im Gegensatz zur UNS als öffentlicher Universität zählt die 2009 aus der Fusion der CERAM Business School und der ESC Lille hervorgegangene SKEMA Business School zu den Grandes Ecoles. Zum Angebot der SKEMA zählen Bachelor- und Masterstudiengänge sowie PhD-Programme in China, Frankreich, Marokko und den USA (in Raleigh in unmittelbarer Nähe zum Research Triangle Park) mit Schwerpunkt auf den Bereichen Management und Finanzen. Die verschiedenen Standorte in der ganzen Welt bieten den Studierenden vielfältige internationale Erfahrungen während des Studiums. Mit 6.700 Studenten ist SKEMA die größte französische Business School. In Frankreich verfügt sie über zwei weitere Standorte in Paris und in Lille. In Brasilien, Russland, Indien und Australien sind weitere Campus geplant, um den Anspruch der SKEMA, Manager mit internationaler Erfahrung auszubilden, zu erfüllen. Viele Alumni findet man heute in einflussreichen Positionen in der internationalen Wirtschaft. In dem Financial Times – Ranking "Masters in Management" von 2014 liegt die SKEMA Business School in den Top30 weltweit. Für den Cluster und seinen hohen Bedarf an Führungskräften ist SKEMA deswegen von zentraler Bedeutung. Herauszuheben ist ferner die staatliche Forschungseinrichtung Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA) mit technologischer und wissenschaftlicher Orientierung. Sie steht unter der gemeinsamen Zuständigkeit des nationalen Ministeriums für Bildung, Forschung und Technologie und des Ministeriums für Wirtschaft, Finanzen und Industrie. INRIA ist auf internationaler Ebene eng vernetzt mit dem World Wide Web Konsortium (W3C). 1967 begründet (damals noch als IRIA), erstrecken sich die Tätigkeitsfelder des Instituts heute über die Bereiche Netzwerke und Systeme, Softwareengineering und die Simulation und Optimierung komplexer Systeme. INRIA verfügt in Frankreich über insgesamt acht Forschungszentren.

Neben zahlreichen nationalen und internationalen Forschungskollaborationen macht sich INRIA auch als Inkubator für den Cluster verdient: In den letzten vier Jahren wurden vom INRIA Innovation Lab Siwa in Zusammenarbeit mit Mauna Kea Technologies 129 Projekte gefördert, 32 Patente angemeldet und 126 Software-Programme veröffentlicht. Desweiteren gab es im selben Zeitraum 37 von INRIA geförderte Unternehmensgründungsprojekte und 30 Partnerschaftsprojekte im Bereich des Technologietransfers mit 16 kleinen und mittleren Unternehmen.

Von herausgehobener Bedeutung für die Ausbildung von Fachkräften sind die Ingenieursschulen, darunter die Ecole des Mines mit den internationalen Studiengängen Erd- und Umweltwissenschaften, Energie und Verfahrenstechnik und Mathematik sowie den nationalen Studiengängen Wirtschaft, Management und Gesellschaft.

Im Bezug auf die internationale Ausrichtung von Forschung und Lehre ist auch das intereuropäische Institut EURECOM erwähnenswert. Durch die oben erwähnte starke Bindung an Industriepartnern ist es vor allen Dingen auch für ausländische Fachkräfte von großer Bedeutung: Untypisch für französische Lehranstalten werden fast alle Vorlesungen auf Englisch gehalten, Schwerpunkt der Forschung ist die Kommunikationstechnologie: 60% der Studierenden und 70% der Professoren sind nicht aus Frankreich.

Mit dem STIC (Sciences and Technologies of Information and Communication, manchmal auch: Sophiatech) ist ein Campus nach amerikanischem Vorbild konzipiert worden, auf dem Bildungs- und Forschungseinrichtungen im IKT-Bereich (EURECOM/INSTITUT TELECOM, ESSI, ESINSA, INRIA) zusammengefasst und miteinander verbunden werden. Der Campus bietet die Infrastruktur für Verbundprojekte sowie Synergien für neue Studiengänge einschließlich eines Doktorandenprogramms. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit öffnete der Campus 2012 seine Pforten, momentan finden sich dort 3.000 Studierende. Die Idee geht auf eine Kooperation der EURECOM und verschiedener Unternehmen im Cluster zurück. Gemeinsame Forschungskooperationen der Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft sollen so, auch mithilfe von öffentlichen Zuschüssen, gefördert werden. Das Investitionsvolumen des STIC beträgt 72 Mio. EUR, auf den 15.000 m² werden nach der Fertigstellung 6.000 Studenten und 1.000 Forscher arbeiten können.

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Entwicklungsdynamik

Im Oktober 2008 war bereits das Ergebnis eines halbjährigen Strategieprozesses, Sophia 2020, vorgestellt worden. In 10 Jahren – so die Zielsetzung – sollten 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, davon 2000 für Wissenschaftler, und die Zahl der Studierenden auf 9.000 angehoben werden. Inhaltlich wurde eine Intensivierung der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien als Querschnittstechnologien für z. B. die Lebenswissenschaften angestrebt.

Der Weggang von Texas Instruments (517 von 541 Arbeitsplätzen wurden 2013 gestrichen) war ein Rückschlag für die gesamte mikroelektronische Branche in Sophia Antipolis. Allein 150 Sub-Unternehmer waren von der Schließung betroffen. Auch bei IBM wird derzeit über einen Stellenabbau im Standort Sophia Antipolis nachgedacht. Das macht das Ziel, 40.000 Arbeitsplätze bis 2020 zu schaffen, schwieriger.

Auch in Fragen der Infrastruktur sieht sich Sophia Antipolis weiteren Herausforderungen gestellt: die Verkehrssituation in Sophia Antipolis mit häufigen Staus bedarf einer Modernisierung, die Transportmöglichkeiten sind unzureichend und auch die Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden im Park wird immer größer.

2010 gaben SYMISA und die französische Regierung eine Studie in Auftrag, in der die Zukunft des Clusters skizziert werden sollte. Darin ging es vor allen Dingen um die Schaffung von Leitlinien für eine nachhaltige Entwicklung. Diese umfasst zum einen die Frage nach verbesserter Mobilität in und um den Cluster als auch die Erweiterung der verfügbaren Fläche: 400 ha zusätzliches Land mit potentiell 700.000 Quadratmetern neuer Bürofläche sollen verfügbar gemacht werden. Das Ergebnis dieser Studie wurde im Mai 2012 unter dem Titel „Sophia Archipel 2030“ vorgestellt. Es sind darin neue Entwicklungskonzepte hinsichtlich der Mobilität, des Umweltschutzes, der Landschaftsgestaltung und Verkehrsinfrastruktur formuliert. Auch bereits existierende Gebäude werden im Rahmen des neu erarbeiteten Entwicklungsplans modernisiert.

Um den Cluster Sophia Antipolis und die CASA-Region auch langfristig konkurrenzfähig zu halten, besiegelten die Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur und der Gemeindeverbund Communauté d'Agglomération Sophia Antipolis Anfang 2012 eine Partnerschaft zur weiteren Entwicklung des Großraums Sophia Antipolis. Dabei steuert die Region bis 2017 insgesamt 24 Mio. EUR zu verschiedenen Projekten bei, die den Cluster international konkurrenzfähiger machen und die Lebensqualität der Bewohner erhöhen soll. Das Gesamtinvestitionsvolumen im Gemeindeverbund CASA beträgt 180 Mio. EUR.

Akteure im Cluster

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