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Horizont Europa: EU-Kommission schlägt das bislang ehrgeizigste Programm für Forschung und Innovation vor

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Für den nächsten langfristigen EU-Haushalt (2021-2027) schlägt die Kommission vor, Mittel in Höhe von 100 Mrd. EUR für Forschung und Innovation bereitzustellen.

Das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation – Horizont Europa – soll auf das derzeitige Programm Horizont 2020 aufbauen und dazu beitragen, dass die EU bei Forschung und Innovation Weltspitze bleibt. Carlos Moedas, Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, sagte zum Kommissionsvorschlag: „Horizont 2020 ist eine der größten Erfolgsgeschichten Europas. Das neue Programm „Horizont Europa“ soll dies noch übertreffen. In diesem Zusammenhang möchten wir die Mittel für den Europäischen Forschungsrat erhöhen, um die weltweite Führungsposition der EU im Bereich der Wissenschaft zu stärken und die Bürgerinnen und Bürger durch die Festlegung ehrgeiziger neuer Aufträge für die Forschung in der EU wieder mehr einzubeziehen. Zudem schlagen wir einen neuen Europäischen Innovationsrat vor, um die Finanzierung bahnbrechender Innovationen in Europa zu modernisieren.“

Während der Aufbau wissenschaftlicher Exzellenz durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) und die Stipendien und Austauschprogramme im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen weiter vorangetrieben wird, werden mit Horizont Europa folgende wichtige Neuerungen eingeführt:

  • Ein Europäischer Innovationsrat (EIC) soll die EU dabei unterstützen, eine Vorreiterrolle bei marktschaffenden Innovation zu übernehmen: der Vorschlag der Kommission sieht die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle vor, um vielversprechende und bahnbrechende Technologien mit großem Potenzial vom Labor bis zur Marktreife zu führen und die innovativsten Start-ups und Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Ideen zu unterstützen. Der neue EIC soll dazu beitragen, schnell veränderliche, hoch riskante Innovationen, die über ein großes Potenzial zur Schaffung neuer Märkte verfügen, zu ermitteln und zu finanzieren. Über zwei Hauptfinanzierungsinstrumente, das eine für die Frühphase und das andere für die Entwicklung und Markteinführung, soll der EIC Innovatoren direkt unterstützen und die Arbeit des Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT) ergänzen.

  • Neue EU-weite Forschungs- und Innovationsaufträge, die sich auf gesellschaftliche Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren: im Rahmen von Horizont Europa plant die Kommission, neue Aufträge mit anspruchsvollen, ehrgeizigen Zielen und einem hohen europäischen Mehrwert ins Leben zu rufen, mit denen Probleme angegangen werden können, die das tägliche Leben betreffen. Beispiele dafür könnten von der Bekämpfung von Krebs über den sauberen Verkehr bis zu plastikfreien Meeren reichen. Diese Aufträge sollen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Interessenträgern, dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten konzipiert werden.

  • Optimale Nutzung des Innovationspotenzials in der gesamten EU: Für die Mitgliedstaaten, die bei ihren Bemühungen zur bestmöglichen Nutzung ihres nationalen Forschungs- und Innovationspotenzials zurückliegen, soll die Unterstützung verdoppelt werden. Darüber hinaus sind neue Synergien mit den Strukturfonds und dem Kohäsionsfonds vorgesehen, welche die Koordinierung und Kombination von Finanzierungen erleichtern und die Regionen dabei unterstützen sollen, Innovationen zu fördern.

  • Mehr Offenheit: Der Grundsatz einer „offenen Wissenschaft“ stellt den Modus Operandi von Horizont Europa dar und soll einen offenen Zugang zu Veröffentlichungen und Daten gewährleisten. Dies soll die Markteinführung unterstützen und das Innovationspotenzial der durch die EU-Förderung erzielten Ergebnisse erhöhen.

  • Eine neue Generation europäischer Partnerschaften und verstärkte Zusammenarbeit mit anderen EU-Programmen: Mit Horizont Europa soll die Anzahl der Partnerschaften, die die EU mit Partnern wie der Industrie, der Zivilgesellschaft und Stiftungen gemeinsam organisiert oder finanziert, verringert werden, um ihre Effizienz und Wirkung bei der Verwirklichung der politischen Prioritäten Europas zu verbessern. Horizont Europa soll wirksame und operative Verknüpfungen mit anderen künftigen EU-Programmen, wie Programmen im Bereich der Kohäsionspolitik, dem Europäischen Verteidigungsfonds, dem Programm „Digitales Europa“ und der Fazilität „Connecting Europe“ sowie mit dem internationalen Fusionsenergieprojekt ITER fördern.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC), der wissenschaftliche Dienst der Kommission, soll der Kommission weiterhin mit wissenschaftlicher Beratung, technischer Unterstützung und gezielten Forschungsarbeiten zur Seite stehen. 

Die für den Zeitraum 2021–2027 vorgeschlagene Mittelausstattung in Höhe von 100 Mrd. EUR umfasst 97,6 Mrd. EUR für Horizont Europa (davon 3,5 Mrd. EUR für den Fonds „InvestEU“) und 2,4 Mrd. EUR für das Euratom-Programm für Forschung und Ausbildung. Das Euratom-Programm, aus dem Forschungs- und Ausbildungsmaßnahmen in den Bereichen nukleare Sicherheit, Gefahrenabwehr und Strahlenschutz finanziert werden, soll sich stärker auf Anwendungen außerhalb der Stromerzeugung, z. B. auf Anwendungen im Gesundheitswesen und medizinische Ausrüstung konzentrieren und auch die Mobilität von Kernforschern im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen fördern.

Hintergrund

Der Vorschlag für Horizont Europa baut auf dem Erfolg des gegenwärtigen Programms „Horizont 2020“ auf. Die Zwischenbewertung von Horizont 2020 hat gezeigt, dass das Programm auf einem guten Weg ist, um Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen, größte gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen und das Leben der Menschen zu verbessern. Daraus geht hervor, dass das Programm einen eindeutigen europäischen Mehrwert aufweist und im Vergleich zur Unterstützung auf nationaler oder regionaler Ebene einen nachweisbaren Nutzen erbringt. Seit Mai 2018 wurden aus dem Programm mehr als 18.000 Projekte mit insgesamt über 31 Mrd. EUR unterstützt.

Der heutige Vorschlag stützt sich auch auf den Beitrag der Kommission zum Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am 16. Mai in Sofia „Eine erneuerte europäische Agenda für Forschung und Innovation – Europas Chance, seine Zukunft zu gestalten“, in dem die erforderlichen Schritte zur Sicherung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit Europas hervorgehoben wurden.

Etwa zwei Drittel des europäischen Wirtschaftswachstums in den letzten Jahrzehnten sind auf Innovationen zurückzuführen. Durch Horizont Europa sollen neue Erkenntnisse und neue Technologien in großem Umfang generiert werden, die wissenschaftliche Spitzenleistungen nach sich ziehen. Zudem wird damit gerechnet, dass sich das Programm positiv auf Wachstum, Handel und Investitionen auswirkt und erhebliche Wirkung in den Bereichen Gesellschaft und Umwelt zeigen wird. Über 25 Jahre kann jeder im Rahmen des Programms investierte Euro potenziell eine Rendite im BIP von bis zu 11 EUR generieren. Es wird davon ausgegangen, dass durch FuI-Investitionen der Union in der „Investitionsphase“ (2021-2027) direkt schätzungsweise bis zu 100.000 Arbeitsplätze im FuI-Bereich geschaffen werden.

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Quelle: Europäische Kommission Redaktion: von Tim Mörsch, VDI Technologiezentrum GmbH Länder / Organisationen: EU Themen: Strategie und Rahmenbedingungen Förderung

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