Kurzprofil

Ansan ist eine Stadt in Südkorea, laut Bloomberg Ranking eines der innovativsten Länder Welt. Die Stadt befindet sich in der südkoreanischen Provinz Gyeonggi. Ansan hat ca. 759.000 Einwohner (Stand: 2012) und gehört zur Seoul National Capital Area (SNCA oder Sudogwon). Die SNCA gilt mit einer Bevölkerung von ca. 25 Millionen (2012) hinter Tokio als die zweitgrößte Agglomeration der Welt. Die Region ist international sehr bekannt als Standort der großen südkoreanischen Mischkonzerne wie Samsung, LG oder Hyundai Kia Automotive Group, die zu den international führenden Unternehmen in ihren Geschäftsfeldern gehören. Um diese internationalen Konzerne des Hightech- und Automobilsektors haben sich diverse Zulieferer und Forschungsinstitute angesiedelt. Deutsche Unternehmen sind z. B. Schaeffler und Bayer. Der profilierte Technologie- und Wissenstransfer hat eine starke internationale Komponente. In Bezug auf Deutschland besteht z. B. im Bereich Nanotechnologie enger Kontakt zum Nanoanalytik-Cluster Dresden. Vor der Küste Ansans im Gelben Meer befindet sich das größte Gezeitenkraftwerk der Welt und trägt zu kostengünstiger Energie für den Cluster bei. Das Kraftwerk Sihwa-ho (engl.: Sihwa Lake Tidal Power Station) hat eine installierte Leistung von 254 Megawatt. Eine klare Abgrenzung des Clustergebiets Ansan/Gyeonggi-do ist wegen der Lage in der weltweit zweitgrößten Metropolregion kaum möglich. Ansan und die umliegende Provinz profitieren enorm von den benachbarten Großstädten Seoul und Incheon. Diese sind jedoch politisch eigenständige Einheiten, und werden im vorliegenden Clusterporträt am Rande behandelt.

Internationale Anziehungskraft

Das Clustergebiet Ansan strahlt aufgrund seiner strategisch günstigen Lage in Asien eine enorme internationale Anziehungskraft aus. Neben der Seoul National Capital Area (SNCA) liegt es im Zentrum Nordasiens. In Nordasien wiederum lebt ein Fünftel der Weltbevölkerung, die derzeit bei über 7 Milliarden Menschen liegt (Stand 2014). Ansan ist durch das Gelbe Meer von der bevölkerungsreichen und industriell starken Ostküste Chinas getrennt. Die Entfernung zu Peking und Shanghai beträgt ca. 1.000 Kilometer. Tokio, mit einer Bevölkerung von über 32 Millionen die größte Metropolregion der Welt, liegt etwa 1.300 Kilometer entfernt. Die drei Metropolen sind per Flugzeug in unter drei Stunden zu erreichen.

Neben der günstigen geographischen Lage verfügt die Region über eine hervorragende Infrastruktur. Im Umkreis von 50 Kilometern liegen die beiden größten südkoreanischen Flughäfen und zwei der bedeutendsten Schiffsumschlagsplätze. Incheon International Airport (IIA) wurde 2001 eingeweiht und ist seither der wichtigste Flughafen Südkoreas. Er liegt auf einer der Stadt Incheon vorgelagerten Insel und ist ca. 30 Kilometer von Ansan entfernt. Der Flughafen wird im Rahmen der World Airport Awards regelmäßig als einer der besten Flughäfen der Welt bewertet. Darüber hinaus gilt der Incheon International Airport als einer der größten Luftfrachthäfen der Welt. DHL Express betreibt hier ein eigenes Gateway, welches als Zentrale für die Geschäfte in Japan, Südkorea und Ostrussland dient. Frachtverbindungen nach Deutschland bestehen u. a. durch AeroLogic, ein Gemeinschaftsunternehmen von DHL und der Lufthansa, das von Incheon aus den DHL-Knoten Leipzig bedient. Gimpo International Airport war bis zur Eröffnung des Flughafens in Incheon 2001 der bedeutendste Flughafen Südkoreas. Er liegt im äußersten Westen Seouls und knapp 40 Kilometer nördlich von Ansan. Er ist der zweitgrößte südkoreanische Flughafen und hat heute eine hohe Bedeutung vor allem für Inlandsflüge. Die Seehäfen Incheon und Pyeongtaek liegen ebenfalls in direkter Nähe zu Ansan. Incheon ist der zweit-, Pyeongtaek der fünftgrößte Hafen des Landes. Ansan ist durch eine Metrolinie direkt mit der Hauptstadt Seoul verbunden. Regelmäßiger Busverkehr bedient die Verbindung zum internationalen Flughafen und zum Incheon Harbor. Außerdem führen die wichtigen und gut ausgebauten Autobahnen Yeongdong Express Way und West Coast (Seohaean) Express Way direkt an Ansan vorbei.

Ausländische Investoren finden lukrative Anreize in den freien Wirtschaftszonen (FEZ) Südkoreas. Südkorea gilt nach dem Bloomberg Ranking als eines der innovativsten und wirtschaftsaktivsten Länder der Welt (Stand 2014). Neue Unternehmen sind z. B. für mindestens drei Jahre von der Unternehmenssteuer befreit. Regionale Abgaben oder Steuern auf Landerwerb können sogar bis zu 15 Jahre nicht erhoben werden. Ausländische Investoren genießen weitere Vorteile wie z. B. beim Grundstückskauf. Detaillierte Informationen können auf der Internetseite des FEZ Planning Office oder der Invest Korea abgerufen werden.

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Thematische Stärkefelder

In der Provinz Gyeonggi gibt es diverse Unternehmen mit ausländischer Beteiligung. Nahezu alle diese Unternehmen produzieren für die großen südkoreanischen Mischkonzerne, die in dieser Provinz tätig sind. Sie fungieren beispielsweise als Zulieferer für die Hyundai Kia Automotive Group, die hier Produktionswerke betreiben. Auch ausländische Zulieferer des Elektroniksektors sind wegen der nahen Standorte der Branchengrößen Samsung und LG vertreten. Kaum ein Unternehmen, welches durch Investitionen aus dem Ausland gegründet wurde, verkauft seine Produkte direkt an die südkoreanischen Verbraucher.

Die vier Schlüsselindustrien in der Provinz Gyeonggi sind Informations- und Kommunikationstechnologien (v.a. Halbleiter- und Bildschirmindustrie), Automobile, Biotechnologie/Medizintechnik/Pharmazie und erneuerbare Energien:

  • Südkorea ist weltweit einer der größten Produzenten von Bildschirmen und Halbleitern (v. a. Speichermodule). Neben der Herstellung von IKT-Produkten verfügt die Provinz auch über eine herausragende IKT-Infrastruktur. Südkoreas Internet-Infrastruktur gilt als eine der ausgereiftesten und schnellsten der Welt. Dies geht aus dem Bericht Measuring the Information Society der ITU hervor.
  • Südkorea gehört zu den größten Ländern in Bezug auf die Herstellung von Automobilen. In der Provinz Gyeonggi produzieren die südkoreanischen Unternehmen Hyundai Kia Automotive Group, GM Daewoo und SsangYong Motor Company. Außerdem sind viele Zulieferer in unmittelbarer Nähe. Der technologische Fortschritt wird von etlichen Forschungs- und Entwicklungszentren getragen. Hierzu zählen beispielsweise Hyundai Motor's Namyang Technology Research Center, Renault Samsung Motors, Bosch Korea, Korea Delphi Automotive Systems Corporation, Mando Corporation und Hyundai Mobis. Damit gehört der Cluster Ansan mit der umliegenden Seoul National Capital Area zu den weltweit bedeutendsten Automobilstandorten.
  • Die Provinz Gyeonggi ist zudem das Zentrum der südkoreanischen Biotechnologie/Medizintechnik/Pharmazie. Hier gibt es fast 800 tätige Unternehmen. Neben etlichen südkoreanischen Firmen sind auch Tochterunternehmen von internationalen Konzernen ansässig. Zu den bekanntesten zählen: Kimberly Clark, sanofi-aventis, Janssen, MSD, GlaxoSmithKline, Abbott, Merck Advanced Technologies und Otsuka Pharmaceuticals.
  • Die traditionelle Stärke in der Halbleiter- und Bildschirmindustrie gibt der Region um Ansan einen Standortvorteil im Bereich der erneuerbaren Energien, da z. B. photovoltaische Produkte auf ähnlichen Technologien und Herstellungsverfahren basieren. Aufgrund der zahlreichen Automobilunternehmen in der Nähe wird auch intensiv an der (Wasserstoff-) Brennstoffzellentechnologie gearbeitet. Hyundai Kia ist z. B. Mitglied in der California Fuel Cell Partnership und plant außerdem, bis 2015 einen Bus auf den Markt zu bringen, der von einer Brennstoffzelle angetrieben wird.

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Akteure und Netzwerke

Eine national und international viel beachtete Initiative ist der Education-Research-Industry Cluster auf dem Campus der Hanyang University in Ansan (ERICA). Hier kooperieren Akteure aus Forschung, Bildung und Industrie. Außerdem werden Ausbildungsprogramme und Studiengänge durch die Vernetzung der relevanten Akteure besser an den tatsächlichen Bedarf der Unternehmen und Forschungseinrichtungen angepasst. Folgende bedeutende Institute und Einrichtungen sind z. B. auf dem ERICA-Campus vertreten:

Im ERICA Education Center werden die Arbeiten dieser Einrichtungen koordiniert. Von hier werden die verschiedenen Netzwerke und Ausbildungsprogramme organisiert, und es finden sich kompetente Ansprechpartner von internationalen Partnerorganisationen.

Der profilierte Technologie- und Wissenstransfer findet auch international statt. Das Clustermanagement von ERICA hat vielfältige internationale Kooperationen angeregt. ERICA arbeitet z. B. mit dem japanischen Industrial Cluster Project METI (insbesondere TAMA) und den amerikanischen Universitäten Central Florida und Alaska Anchorage sowie der Northeastern University zusammen. In Deutschland besteht z. B. im Bereich Nanotechnologie u. a. enger Kontakt zum Nanoanalytik-Cluster Dresden, welcher sich aus neun Fraunhofer-Instituten, einem Helmholtz-Zentrum und drei Fakultäten der TU Dresden zusammensetzt (Stand: Mai 2014).

Ein weiterer zentraler Akteur für die Förderung der Hochtechnologie auf dem ERICA-Campus ist der Gyeonggi Technopark (GTP). Der GTP wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, Infrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen des Hochtechnologiesektors bereitzustellen und das lokale Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Der Technologiepark wurde 2003 fertiggestellt. Heute befinden sich über 120 Firmen im Park (Stand: Mai 2014). Diese Initiative wird von einem akademischen Konsortium bestehend aus den Universitäten Hanyang, Kyunghee, Myongji, Sungkyunkwan, Suwon und Ajou unterstützt. Auch einige deutsche Unternehmen haben sich im GTP angesiedelt. Neben dem Augsburger Industrieroboterhersteller Kuka und dem Elektronik- und Photovoltaikunternehmen Gebrüder Schmid aus Freudenstadt betreiben auch Bayer und der Kunststoffproduzent Alfmeier Dependancen im Wissenschaftspark.

Darüber hinaus finden sich weitere wichtige Netzwerke und Akteure im Clustergebiet:

Viele ausländische Unternehmen haben sich in der Gyeonggi Association of Foreign-Invested Companies zusammengeschlossen. Die Internetpräsenz der Vereinigung verfügt bisher ausschließlich über einen koreanischen Sprachzweig. Die Internetplattform Korea Business Central hingegen ist ein junges, englischsprachiges Online-Netzwerk.

Vor dem Hintergrund niedriger Geburtenrate, der alternden Gesellschaft und der schrumpfenden Wachstumspotenziale in etablierten Branchen hat die neue Regierung Südkoreas im Jahr 2013 den Ansatz der kreativen Wirtschaft (creative economy) vorgestellt, der u.a. die Etablierung neuer Industrien und neuer Arbeitsplätze durch die systematische Integration diverser Wissenschaftssektoren mit bereits existierenden Industrien zum Ziel hat. Das aus dem Ministry of Education, Science and Technology ( MEST) und dem Postministerium hervorgegangene Ministry of Science, ICT and Future Planning hat u. a. die Aufgabe, geeignete Initiativen und Maßnahmen für die Zielerreichung zu entwickeln. Die ebenfalls neugegründete National Science & Technology Commission (NSTC) ist damit beauftragt, den National Science & Technology Basic Plan umzusetzen und zu koordinieren.

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Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Durch die Lage in der Seoul National Capital Area (Sudogwon) ist das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften im Cluster Ansan in einer zunehmend alternden Gesellschaft noch sehr groß. Im Bildungsbereich profitiert die Provinz von der unmittelbaren Nähe zur Hauptstadt Seoul, die auch das akademische Zentrum Südkoreas bildet.

Der Bildungsbereich im Clustergebiet wird hauptsächlich von privaten Institutionen geprägt. In der Provinz Gyeonggi gibt es zwei staatliche Universitäten: die Korea National Police University (KNPU) und die Hankyong National University. Viele der privaten Bildungseinrichtungen haben ihren Hauptcampus in Seoul. Wegen des Wirtschaftswachstums der Metropolregion und der steigenden Nachfrage nach sowohl qualifizierten Arbeitskräften als auch Studienplätzen haben viele Universitäten Zweigstellen in der Provinz Gyeonggi errichtet. Ansan, die Provinzhauptstadt Suwon und Yongin sind so zu wichtigen Bildungsstandorten geworden.

Wichtige Bildungseinrichtungen sind:

Besondere Institutionen im Clustergebiet sind die die sogenannten Gyeonggi English Villages. In den Dörfern lernen südkoreanische Schüler - meist in Klassenverbänden - die englische Sprache in einem realen Umfeld. In den "English Villages" wird im öffentlichen Leben Englisch gesprochen, und die Schüler lernen die Sprache in alltäglichen Situationen, z.B. in der Bank, beim Einkaufen oder Busfahren. Die Sprachdörfer werden als Stiftung betrieben und dienen als kostengünstige Alternative zu Auslandsaufenthalten, die für viele Südkoreaner kaum finanzierbar sind.

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Entwicklungsdynamik

Südkorea gehört zu den größten Exportnationen der Welt. Die enorme Bedeutung, die der Welthandel für die asiatische Nation hat, wird in Zukunft vermutlich noch zunehmen, da die südkoreanische Regierung neben Verträgen mit den ASEAN-Staaten weitere Freihandelsabkommen anstrebt. Ein entsprechendes Freihandelsabkommen mit der EU wird seit 2011 praktiziert. Es ist das erste Handelsbündnis dieser Art zwischen der EU und einem asiatischen Staat. Anvisiert ist, dass in den ersten fünf Jahren 98,7 Prozent der Zölle auf landwirtschaftliche und industrielle Produkte wegfallen. Ein ähnlicher Vertrag mit den USA wurde 2012 abgeschlossen. Nicht nur wegen dieser Freihandelsabkommen sondern auch wegen seiner Nähe zu China und der guten Infrastruktur bietet sich Ansan als lukrativer Standort für chinesische Unternehmen geradezu an.

Der Great Train eXpress (GTX) soll ab 2016 die Metropolregion mit der Provinz Gyeonggi verbinden. Durch Hochgeschwindigkeitszüge soll die Reisezeit von Ansan nach Euijeongbu im Norden Seouls von zwei auf unter eine Stunde mehr als halbiert werden. Durch den unterirdischen Verlauf der Schienen sollen alle Stadtgebiete Seouls sogar in unter 30 Minuten zu erreichen sein. Der Bau der Trassen soll im Jahr 2014 beginnen.

Die Regierung der Provinz Gyeonggi arbeitet daran, die IT-Infrastruktur noch weiter zu verbessern und die Informations- und Kommunikationstechnologien noch stärker zu nutzen, um Synergieeffekte in anderen Sektoren und Branchen freizusetzen. Im Laufe des Jahres 2014 werden zusätzliche 3000 WLAN-Hotspots eingerichtet sein ("G-free zone project"), die in der Provinz flächendeckend ein schnelles drahtloses Internet ermöglichen sollen.

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Akteure im Cluster

Länderbericht Südkorea

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