Kurzprofil

Kapstadt ist die Hauptstadt der südafrikanischen Provinz Westkap (Western Cape) und liegt im Südwesten des Landes an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans. Mit einer Bevölkerung von rund 3,5 Millionen Einwohnern (etwa sieben Prozent der nationalen Gesamtbevölkerung und 66 Prozent der Provinz) ist Kapstadt die drittgrößte Stadt Südafrikas nach Johannesburg und Durban.

Die Wirtschaft Südafrikas wird von Johannesburg dominiert, da dort die meisten der bedeutenden Unternehmen des Landes ihren Sitz haben, doch gilt Kapstadt auf nationaler Ebene gleich im Anschluss als zweitwichtigste Metropole. Circa zehn Prozent des nationalen Bruttoinlandprodukts werden in der Stadt erwirtschaftet (2009 fast 189 Millionen südafrikanische Rand/ZAR). Die Stadt ist das wirtschaftliche Kraftzentrum des Westkaps, da in Kapstadt über 70 Prozent der wirtschaftlichen Aktivitäten der Region erbracht werden. Kapstadt gehört zu den Ökonomien Südafrikas, die ein schnelles und konstantes Wachstum aufweisen. Zwischen 2005 und 2009 konnte ein jährliches Wachstum von landesüberdurchschnittlichen vier Prozent verzeichnet werden (nationales Wachstum 3,65 Prozent).

Die Region ist durch einen hohen Grad an sozialer Ungleichheit geprägt. Der Gini-Koeffizient, ein statistisches Maß zur Darstellung von Ungleichheitsverteilungen (Wertebereich von 0 ensprechend Gleichverteilung bis 1 entsprechend maximaler Ungleichverteilung), liegt hinsichtlich der Einkommensverteilung bei 0,67 (Stand 2005). Im Vergleich zu Johannesburg (0,75) ist dieser Wert zwar eher niedrig, im internationalen Vergleich jedoch (beispielsweise Deutschland 0,29) sehr hoch. Dies führt innerhalb der Bevölkerung zu sozialen Spannungen, da die Lebensstandards von weißen und schwarzen Südafrikanern weit auseinanderklaffen. Das Haushaltseinkommen weißer Familien beträgt mehr als das Zehnfache von dem schwarzer Familien, was der jahrzehntelangen Apartheid in Südafrika geschuldet ist. Desweiteren hat Kapstadt mit einer hohen Arbeitslosen- und Analphabetenquote (ca. 22 und 28 Prozent) zu kämpfen. Die Arbeitslosenquote ist im internationalen Vergleich zwar relativ hoch, ist aber für südafrikanische Verhältnisse trotzdem positiv zu bewerten.

Neben der Tourismusbranche gehören zu den drei wichtigsten Branchen Kapstadts der Finanzsektor, die Produktionsindustrie (Schiffsbau, Automobile bzw. Automobilteile, Leicht- und Schwermetalle) und der Groß- und Einzelhandel. Als Hafenstadt spielt Kapstadt eine bedeutende Rolle im Im- und Export, denn von dort aus werden landwirtschaftliche Erzeugnisse der Provinz (Obst, Wein, Blumen) exportiert. Die wissenschaftlichen und technologischen Stärken des Clusters liegen in den Bereichen Biotechnologie/Lebenswissenschaften und Informations- und Kommunikationstechnologien, weshalb Kapstadt als Afrikas Innovationshauptstadt gilt. Das Potenzial, das die IKT-Branche Kapstadts ausstrahlt, konnte in den vergangenen Jahren auch den internationalen Fokus auf die Metropole ziehen. Kapstadt ist 2014 die World Design Capital und konnte sich gegen Städte wie Bilbao (Spanien) und Dublin (Irland) durchsetzen.

Zwischen Deutschland (bzw. Nordrhein-Westfalen) und Südafrika bestehen gute wirtschaftliche Beziehungen. Seit 2010 findet jährlich das Deutsch-Afrikanische Wirtschaftsforum NRW statt, um deutsche bzw. nordrhein-westfälische Unternehmen für Investitionen in Südafrika zu gewinnen und den Handel zwischen den Ländern zu stärken.

Internationale Anziehungskraft

Kapstadt ist weltweit als beliebte Touristenmetropole bekannt. Über die größte Reise-Webseite TripAdvisor wurde die Stadt 2011 zum zweiten Mal zum beliebtesten Reiseziel vor Städten wie New York, Paris oder Sydney ernannt.

Das Straßennetz in Kapstadt ist gut ausgebaut, jedoch für Fußgänger und Radfahrer unfreundlich gestaltet, denn selten gibt es separate Geh- oder Radwege. Der ärmere Teil der Bevölkerung ist aber auf den öffentlichen Nahverkehr oder Fahrräder angewiesen, da Autos meist nur den besser situierten Bürgern vorbehalten sind. Die Stadt arbeitet jedoch an der Verbesserung dieser Problematik, um das Transportmittel Fahrrad attraktiver zu gestalten und die Stadt damit "grüner" zu machen. Der Personennahverkehr soll durch Streckenerweiterungen ebenfalls weiter ausgebaut werden.

Über den Cape Town International Airport ist der Cluster aus dem In- und Ausland erreichbar. Der Flughafen ist mit 8,2 Millionen Passagieren und über 93.000 Flugbewegungen der zweitgrößte südafrikanische Flughafen. Er liegt 22 Kilometer östlich von Kapstadt und wurde im Zuge der Fußballweltmeisterschaft 2010 erweitert. Bis 2017 soll die jährliche Passagierkapazität durch den Bau zweier Terminals verdoppelt werden.

Der Port of Cape Town, der in der Tafelbucht (Table Bay) an der meistbefahrensten Schiffroute der Welt liegt, spielt für die Wirtschaft und Geschichte Kapstadts eine große Rolle. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wurde an der Stelle des heutigen modernen Hafens durch niederländische Kaufleute eine Versorgungsstation für Handelsschiffe eingerichtet und als Verbindungsstelle zu Indien genutzt. Heute verfügt der Hafen über modernste Ausstattung und Technik: Trockendocks samt Kräne zur Reparatur von Schiffen, einen 200-Tonnen-Schleppkran und Liegeplätze mit Kränen und Lifts, die auch mit Kühllagerungsmöglichkeiten (für verderbliche und gefrorene Ware) ausgestattet sind. Im internationalen Ranking der American Association of Port Authorities (2009) belegt er hinsichtlich seiner Umschlagszahlen (766.127 TEUs, Twenty-foot Equivalent Units) weltweit Platz 106.

Kapstadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Investitionsstandort auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt. Beispielsweise ist der Finanzsektor im Cluster signifikant gewachsen und gilt daher als wichtigster Standort Südafrikas. Unternehmen, die Niederlassungen in Afrika planen, ziehen Kapstadt meist anderen afrikanischen Städten vor. Das liegt unter anderem daran, dass Südafrika die negativen Folgen der weltweiten Rezession relativ gut überstanden hat, was insbesondere Kapstadt Vertrauen für sichere Investitionen eingebracht hat.

Neben der finanziellen Stabilität weist der Cluster weitere Vorteile im Vergleich zu anderen Städten des Kontinents auf: Die weltweite Vernetzung ist durch Hafen und Flughafen gesichert, Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsrate sind verhältnismäßig gering und die Qualität und Sauberkeit des Trinkwassers nimmt stetig zu. Die Lebensqualität in gehobeneren Stadtteilen Kapstadt entspricht einem hohen, westlichen Niveau. Der City of Cape Town ist daran gelegen, auch in Zukunft die Voraussetzungen für Arbeiter und Anwohner in der Stadt zu verbessern. Daher werden mehrere Strategiepläne verfolgt, um beispielsweise die Luftverschmutzung zu reduzieren, Armut zu bekämpfen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Bevölkerung Kapstadts ist sehr jung und weist ein starkes Wachstum auf, allerdings muss das Bildungssystem weiter ausgebaut werden. In der schnell wachsenden Wirtschaft werden viele qualifizierte Arbeitskräfte benötigt, die ohne eine Anpassung bzw. Ausweitung der Kapazitäten im Bildungswesen nicht schnell genug ausgebildet werden können.

Südafrika pflegt gute Handelsbeziehungen zu Deutschland, seinem zweitwichtigsten Importpartner mit einem Anteil von 10,7 Prozent im Jahr 2011. Desweiteren zählen zu den Hauptlieferländern China (14,2 Prozent), die USA (8,1 Prozent), Saudi-Arabien (4,5 Prozent), Indien und UK (je 4 Prozent) und Nigeria (3,1 Prozent). Hauptabnehmerländer sind China (13,9 Prozent), die USA (9,8 Prozent), Japan (9 Prozent), Deutschland (7 Prozent), UK (4,7 Prozent), Indien (4 Prozent), Niederlande und Schweiz (je 3,5 Prozent). Seit 2000 besteht zwischen Südafrika und der Europäischen Union ein Freihandelsabkommen, zudem gibt es eine Vielzahl von Doppelbesteuerungsabkommen. In Kapstadt bzw. Südafrika liegt der Körperschaftssteuersatz bei 28 Prozent für im Land gegründete und ansässige Unternehmen (weitere Informationen zum südafrikanischen Steuerrecht).

Im Hinblick auf erneuerbare Energien wird Kapstadt in internationales Licht rücken. Wind- und Solarenergie sind bereits im Schiffbau im Einsatz, doch durch die Eröffnung des südafrikanischen Hauptsitzes der Firma juwi Renewable Energies wird dieser Wirtschaftssektor an Bedeutung gewinnen.

Thematische Stärkefelder

Im Cluster haben sich Stärken in folgenden Bereichen gebildet: Produktionssektor, Biotechnologie/Lebenswissenschaften und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT).

Produktionssektor

Der Produktionssektor ist in Kapstadt und dem gesamten Westkap der zweitstärkste Sektor nach der Finanzbranche. 2009 machte er rund 15 Prozent des Bruttoregionalprodukts (Westkap) aus. Zu den Produkten, die in der Region hergestellt werden, zählen: Chemische und pharmazeutische Produkte, Nahrungsmittel (auch Alkohol und Tabak), Holz, Papier, Transportzubehör, elektronische Kleinteile und Metallprodukte.

Die Produktionsbranche im Westkap umfasst etwa 23.000 Arbeitsplätze und zwischen 2004 und 2010 wurden ausländische Investitionen in Höhe von 250 Millionen ZAR akquiriert. Zu den größten Unternehmen der Region zählen unter anderem Atlantis Foundries (Tochterunternehmen von Mercedes-Benz in Atlantis, etwa 50 Kilometer nördlich von Kapstadt), Plastamid und GWR Engineering.

Eine besondere Stärke des Clusters liegt im Schiffsbau, der einen großen Beitrag zum Exportgeschäft Kapstadts (vor allem mit Deutschland und den USA) beiträgt. Der Sektor besteht überwiegend aus kleineren und mittleren Unternehmen mit insgesamt 3.000 Arbeitsplätzen. Zu den größeren Unternehmen zählen Southern Winds, Quantum Sails, Admiral Yachts, Veecraft, Voyage Yachts, Matrix Yachts und Dean Catamarans.

Um Investitionen im Produktionssektor attraktiver zu gestalten, verfolgt die südafrikanische Industrie- und Handelskammer einen Aktionsplan, der das Manufacturing Competitiveness Enhancement Programme (MCEP) beinhaltet. Dieses Programm soll Produzenten beim Ausbau ihrer Kapazitäten und die Ausweitung von Forschung und Entwicklung (F&E) unterstützen bzw. ihnen durch Steuergutschriften Anreiz dazu geben.

Biotechnologie/Lebenswissenschaften

Das Westkap weist eine hohe Dichte von Unternehmen, Forschungszentren und Gesundheitseinrichtungen im Bereich der Biotechnologie, Lebenswissenschaften und Pharma-Branche auf. Aufgrund dessen ist das Westkap für knapp 32 Prozent der nationalen Aktivitäten in diesem Sektor verantwortlich. Zu den größten Unternehmen gehören Pharma Dynamics, Fine Chemicals Corporation, Cipla Medpro, Synexa Life Sciences und Novartis.

Das Biovac Institute ist ein nationales Exzellenzzentrum, das von staatlicher Seite her gefördert wird. Die Einrichtung verfügt neben Anlagen zur Impfstoffherstellung über Labore für F&E, Qualitätssicherung und klinische Tests. Außerdem verfügt es über Pack- und Abfertigungsanlagen, um Pharmazeutika für Im- und Export bereit zu stellen. Unter anderem werden Impfstoffe gegen Tuberkulose, Hepatitis B und Tetanus in Kapstadt hergestellt und an internationale Firmen wie Pfizer, GlaxoSmithKline und Novartis (Basel, Schweiz) verkauft.

Aufgrund der wachsenden Bevölkerung und dem noch unterentwickelten Gesundheitssystem auf dem afrikanischen Kontinent ist der Bedarf an Medikamenten und neuen Entwicklungen im Bereich der Biotechnologie von besonderer Bedeutung. Kapstadt nimmt hier eine Vorreiterstellung ein, denn viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind dort ansässig. Neben dem Biovac Institute wird an dem International Centre for Genetic Engineering and Biotechnology (ICGEB) im Bereich der Molekularbiologie und Biotechnologie geforscht und ebenfalls ausgebildet. F&E ist dort auf die Bedürfnisse sich entwickelnder Länder ausgerichtet, beispielsweise gibt es mehrere Forschungsgruppen im Bereich der Infektionskrankheiten. Das Zentrum in Kapstadt gehört zu einem weltweiten Netzwerk von Einrichtungen mit Partnern an Standorten in Italien (Trieste) und Indien (Neu-Delhi).

Um einen weiteren Schritt in diesem Bereich zu gehen, plant die Regierung des Westkaps zusammen mit der City of Cape Town einen Cape Health Technology Park. Ziel dieses Parks ist es, pharmazeutische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und –gruppen und Labore für klinische Studien an einem Standort zu bündeln und einen Knotenpunkt für Innovationen einzurichten. Die Regierung rechnet mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze und Investitionen in die Region von knapp einer Milliarde ZAR in den ersten fünf Jahren. Gleichzeitig soll so Südafrika als Standort für die Produktion von Impf- und Schutzstoffe weiter international etabliert werden.

Mit der University of Western Cape und der Stellenbosch University sind im Cluster zwei höhere Bildungsanstalten ansässig, die ebenfalls auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und Biotechnologie forschen und den Nachwuchs fördern. Die Fakultäten der Naturwissenschaften genießen ein hohes (internationales) Ansehen.

Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)

In Kapstadt gibt es mit circa 1.500 Unternehmen, die erfolgreich in der IKT-Branche tätig sind, die meisten IKT-Firmen Afrikas. Besonders KMUs (kleinere und mittlere Unternehmen) dominieren den Markt in der Region des Westkaps, die vor allem Dienstleistungen wie Software-, Web-, und Sicherheitssystementwicklung anbieten und in der Beratung tätig sind. Insgesamt umfasst diese Branche etwa 18.000 Arbeitsplätze. Der Wirtschaftszweig wird mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,5 Prozent zunehmend von Bedeutung für die Wirtschaft des Clusters. Zu den größeren, internationalen Unternehmen gehören Saatchi & Saatchi und Moonlightning.

Das Potenzial der Branche hat in den vergangenen Jahren vermehrt internationales Interesse geweckt. Von der International Design Alliance (IDA) wurde die Stadt beispielsweise zur World Design Capital 2014 ernannt.

Google sieht großes Potenzial in der südafrikanischen IKT-Branche und unterstützt die Stadt mit Projekten und Förderungen. Um die Innovationskraft des Clusters zu stärken, startete der Konzern sein Pilotprojekt Umbono in der Stadt. Das Umbono-Projekt soll junge Wissenschaftsteams bei der Umsetzung ihrer neuen Ideen durch finanzielle Unterstützung und Bereitstellung eines passenden Arbeitsumfeldes fördern. Mithilfe dieses Programms sollen Investitionen in die afrikanische IKT-Branche noch attraktiver gestaltet werden.

Akteure und Netzwerke

In den jeweiligen Stärkefeldern Kapstadts haben sich Netzwerke gebildet, die für den Cluster von Bedeutung sind. 

Produktionssektor

In diesem Bereich sind zwei der größten nationalen Netzwerke aus der Automobil- und Schiffbaubranche in Kapstadt vertreten:

Für diesen Sektor ist ebenso das Department of Trade and Industry (dti) von Bedeutung, da es sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene bemüht ist, Kapstadts Wirtschaft und die Südafrikas im Allgemeinen auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig zu machen. Für die Region wichtig ist die regionale Handelskammer Kapstadts, die mit 4.500 Mitgliedern die größte ihrer Art in Südafrika ist. 

Biotechnologie/Lebenswissenschaften

Im Bereich der Biotechnologie und Lebenswissenschaften werden sich durch den geplanten Cape Health Technology Park in näherer Zukunft weitere Netzwerke bilden und Forschungseinrichtungen ansiedeln. Schon heute besteht eine Vielzahl von Institutionen und universitären Forschungseinrichtungen, die für den Cluster von Bedeutung sind:

Die bedeutsamsten an bzw. in Zusammenarbeit mit der University of Cape Town (UCT):

An der Stellenbosch Universität:

Das International Centre for Genetic Engineering and Biotechnology (ICGEB) auf dem Campus der UCT weist neben seiner Innovationskraft eine gute, weltweite Vernetzung auf. Verbindungen und Austauschmöglichkeiten bestehen sowohl kontinental als auch transkontinental. Das afrikanische Netzwerk besteht aus einer Kollaboration von Forschungszentren in Kamerun, Ägypten, Kenia, Mosambik, Nigeria, Sudan, Tansania, Tunesien und Uganda. Zum weltweiten Netzwerk gehören eine Vielzahl europäischer Länder sowie Australien (University of Melbourne), Brasilien, Neuseeland und die USA. Zu Deutschland bestehen Verbindungen zu den Universitäten in Würzburg, Leipzig, Heidelberg, München und Düsseldorf sowie zum Forschungszentrum Borstel.

Die University of Western Cape hat F&E-Schwerpunkte in (medizinischer) Biochemie, Biodiversität und Geochemie.

Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)

Ein wichtiges Netzwerk im Bereich der IKT ist die Cape Information Technology Initiative (CITi). Die CITi initiiert seit 1998 Projekte und Programme, um die IT-Industrie des Clusters zu stärken und international zu etablieren. Eines der Programme, das CapaCITi 1000, ist ein Ausbildungsprogramm für niedrig qualifizierte IT-Arbeitskräfte, um sie möglichst schnell auszubilden. Die IKT-Branche weist ein hohes Wachstum und Bedarf an qualifiziertem Personal auf, dem das Bildungssystem nur langsam hinterher kommen kann. Ein weiteres Projekt sind die iT heroes & pioneers, einer Plattform für Erfolgsgeschichten aus dem IKT-Bereich. Anhand von Mentorenprogrammen sollen junge Menschen für Berufe des Sektors begeistert werden.

Ein ebenfalls bedeutendes Netzwerk ist die Cape Silicon Initiative (Silicon Cape). In Anlehnung an das US-amerikanische Silicon Valley soll innerhalb Kapstadts bzw. Westkaps ein IKT- Cluster entstehen und so (internationale) Investoren akquirieren. Im  "Silicon Cape" sind weit über 5.000 Fachkräfte miteinander vernetzt. Von anderen Regionen des Landes wird die Organisation kritisch betrachtet, da sie sich explizit nur für regionale Belange einsetzt.

Das Research ICT Africa Network ist verantwortlich für die Vernetzung innerhalb des Kontinents, um Afrika als IKT-Standort attraktiver zu machen. 20 afrikanische Länder sind an dem Informations- und Innovationstransfer beteiligt.

Das nationale South African National Research Network fördert die IT-Infrastruktur durch die Einbindung der Forschungszentren Südafrikas in ein nationales Breitbandübertragungsnetz (Backbone) sowie dessen Nutzung durch Informations- und Schulungsangebote.

Weitere Netzwerke und Akteure

Sowohl Kapstadt als auch Südafrika insgesamt ist es wichtig, Technologien aus der Region und des Landes zu fördern. Darum wird von Seiten der Regierung eine Vielzahl von Programmen angeboten, die die Innovationskraft durch finanzielle Anreize unterstützen. Eine Übersicht bietet die südafrikanische Industrie- und Handelskammer.

Wichtiger Akteur für (internationale) Investitionen in den Cluster ist die offizielle Marketing- und Investitionsagentur Wesgro

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika unterhält eine Niederlassung in Kapstadt.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Gemessen am nationalen Durchschnitt ist das Bildungsniveau in Kapstadt überdurchschnittlich hoch. Dennoch sind wie in Südafrika insgesamt weiterhin noch schwerwiegende Probleme gegeben. Lediglich 25 Prozent der Bevölkerung haben die reguläre Schule abgeschlossen, ganze 28 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Im internationalen Vergleich wirken diese Zahlen ernüchternd, jedoch müssen die Auswirkungen der jahrzehntelangen Apartheid berücksichtigt werden. Das Bildungsniveau der weißen und schwarzen Bevölkerung klafft sehr weit auseinander und die Lösung dieses Problems wird die Stadt und das Land noch einige Anstrengungen und Investitionen in den Bildungsbereich kosten.

Neben dieser historischen Bürde liegen die heutigen strukturellen Defizite vor allem im unzureichenden Zugang der Bevölkerung zu guten Schulen. Diese liegen meist in den bevölkerungsärmeren Gegenden der Stadt, während in den bevölkerungsreichen Gegenden weniger Schulen vorhanden sind.

Die Zustände im akademischen Bildungsbereich sind hingegen bedeutend besser. Die Akademikerquote der Stadt ist vergleichsweise hoch: 13 Prozent der Bewohner Kapstadts haben einen Hochschulabschluss und liegen damit 5 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt.

Die vier Hochschulen der Stadt genießen sowohl national als auch international eine hohe Reputation. Dabei handelt es sich um die University of Cape Town, die University of Western Cape, die University of Stellenbosch, und die Cape Peninsula University of Technology. Die University of Cape Town ist die bedeutendste Institution und schneidet bei einer Vielzahl von Rankings gut ab. Im Times Higher Education-Ranking des Jahres 2011-2012 befindet sich die Universität auf Platz 103 der besten Universitäten der Welt. Auch im nationalen Vergleich handelt es sich um die bestbewertete Universität. Auch andere Rankings wie das Academic Ranking of World Universities bestätigen den ersten Platz der UCT in Südafrika und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Die zweite wichtige Universität Kapstadts ist die University of Stellenbosch. Zusammen mit der University of Cape Town wird sie laut dem Bericht des Centre for Higher Education einem Bildungscluster von forschungsintensiven Spitzenuniversitäten zugerechnet.

Bei allen Hochschulen des Clusters ist ein Zuwachs der Studentenzahlen zu verzeichnen. Im Zeitraum 2005 bis 2009 stieg die Anzahl an immatrikulierten Studenten auf über 90.000 an. Generell studiert ein Großteil Maschinenbau sowie Gesundheits- und Geisteswissenschaften, wobei der Trend gegen Ende des Zeitraums hin zu den Wirtschaftswissenschaften auf Kosten der Gesundheitswissenschaften ging. Des Weiteren ist die Nachfrage an Studienplätzen im Bereich Naturwissenschaften gering.

Um den Herausforderungen des Mangels an Nachwuchs in den MINT-Fächern zu begegnen, wurde als eine der Maßnahmen das African Institute for Mathematical Sciences gegründet. Dabei handelt es sich um ein im Jahr 2003 in Kapstadt gegründetes akademisches Partnerschaftsprojekt von sechs Universitäten (u.a. Oxford und Cambridge), welches Mathematik und Naturwissenschaften in Afrika fördern soll. Die Zielgruppe sind exzellente Postgraduierten-Studenten aus verschiedenen afrikanischen Ländern, denen das Institut als Sprungbrett für eine wissenschaftliche Karriere dienen soll.

Man erhofft sich von dem Projekt einen Beitrag zur Lösung der schwerwiegenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme Afrikas. Primär sollen jedoch nicht Kapstadt und Südafrika von diesem Brain-Gain profitieren, sondern die Ursprungsländer der Studenten, zu denen sie im Idealfall wieder zurückkehren sollen. Insofern bildet Kapstadt einen Knotenpunkt, der Südafrika und die anderen afrikanischen Staaten akademisch besser verknüpfen soll. Zweigstellen des Mathematischen Instituts werden in anderen afrikanischen Ländern bereits eröffnet.

Entwicklungsdynamik

Kapstadt weist sowohl infrastrukturelle als auch bildungspolitische Probleme auf, die es in Zukunft zu verbessern gilt. Dennoch strahlt der Cluster eine hohe Anziehungskraft und Attraktivität für Unternehmen aus, die Investitionen in den afrikanischen Kontinent tätigen möchten, da Kapstadt sowohl wirtschaftlich als auch wissenschaftlich im Vergleich zu anderen Städten des Kontinents gut entwickelt ist.

Der Stadt und auch der Region ist daran gelegen, sozialer Ungerechtigkeit und Ungleichheit entgegenzuwirken, um ein ausgeglicheneres soziales Klima und die Integration der Bevölkerung (sowohl sozial als auch kulturell) in Kapstadt herzustellen. Dies soll beispielsweise durch die Schaffung bezahlbaren Wohnraums geschehen, aber auch durch Investitionen in das allgemeine Stadtbild. Darauf zielt unter anderem die Cape Town Partnership zusammen mit der Regierung des Westkaps, die den Aktionsplan Cape Town 2025 verfolgt und sich ebenfalls für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum einsetzt.

Südafrika nimmt auf dem afrikanischen Kontinent dank globaler Vernetzung, Innovationskraft und wirtschaftlichen Wachstums eine Vorreiterstellung ein. Die Verbindungen zwischen Deutschland und Südafrika sind gut ausgebaut und beide Länder können durch diese profitieren.

Das Land ist eines der wenigen afrikanischen Länder, das global wettbewerbsfähig ist. So konnte sich Südafrika beispielsweise als Konkurrent Australiens als Bewerber um den Standort der weltgrößten Radioteleskopanlage behaupten. Die Anlage soll in Südafrika aufgestellt, die bestehende Anlagen in Australien erweitert werden. Deutschland ist an der Organisation zum Aufbau des Square Kilometre Arrays (kurz SKA) beteiligt, dessen Umsetzung für 2016 geplant wird.

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