StartseiteLänderHightech-RegionenSkolkovo / Selenograd (Moskau)

Kurzprofil

Moskau ist die Hauptstadt der Russischen Föderation und mit 10,6 Millionen Einwohnern in der Stadt (2010) und 14,6 Millionen in der Metropolregion (2007) die größte Stadt und Agglomeration Europas. Der Großraum Moskau ist in zwei Teile gegliedert: die Stadt und die Oblast Moskau. Die Stadt Moskau ist ein eigenes Föderationssubjekt. Ihre zehn Verwaltungsbezirke umfassen das zentrale Stadtgebiet sowie die Wissenschaftsstadt Selenograd im Nordwesten. Die Oblast Moskau verwaltet das dicht besiedelte und wirtschaftlich gut entwickelte Umland der Hauptstadt. Neben der Stadtverwaltung ist Moskau auch Sitz des russischen Präsidenten und seiner Präsidialverwaltung sowie der Föderationsregierung. 

Der Großraum Moskau ist der wichtigste Wirtschaftsstandort und der größte Absatzmarkt der Russischen Föderation. 2008 erwirtschaftete Moskau ca. 24 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts. Etwa zwei Drittel der gesamten ausländischen Investitionen fließen in die Metropolregion der Hauptstadt. Das produzierende Gewerbe im Großraum Moskau setzt sich vor allem aus Betrieben in den Branchen Chemie, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Lebensmittelverarbeitung und Energie zusammen. Ca. 1.000 Großunternehmen und 13.000 KMU beschäftigen 600.000 Angestellte im industriellen Sektor. Neben den im Großraum produzierenden Unternehmen haben fast alle großen russischen Explorationskonzerne ihren Hauptsitz in Moskau. Außerdem gibt es in der Stadt etwa 1.200 Banken, über 60 Versicherungsgesellschaften und mehrere Dutzend Börsen. 

Auch in Bezug auf die russische Clusterlandschaft nimmt Moskau eine nationale Spitzenposition ein. Stellvertretend stehen hierfür die Wissenschaftsstädte Selenograd und Skolkovo, die beide in der Stadt bzw. im Oblast Moskau liegen. Beide Stadtteile wurden bzw. werden von der nationalen und internationalen Presse häufig als russische Kopie des Silicon Valley pauschalisiert. 

Selenograd (auch die englische Transkription Zelenograd wird häufig im Deutschen verwendet) ist eine eigenständige Verwaltungseinheit (Okrug) ca. 37 Kilometer nordwestlich des Moskauer Stadtzentrums und hat rund 220.000 Einwohner (2010). Die Trabantenstadt wurde 1958 gegründet. Ab 1962 unterstand sie dem Staatsausschuss für Elektronik und wurde systematisch zu einem Zentrum der Mikroelektronik ausgebaut. Durch Ansiedlung des Research Institute of Material Science and Technology, des  Scientific Research Institute of Molecular Electronics und des Mowcow Institute of Electronic Technology sowie einiger Produktionsanlagen wurde Selenograd zum wichtigsten sowjetischen Halbleiterstandort. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verfielen allerdings viele Produktionsstätten und es kam zum technologischen Stillstand. Mittlerweile wird der Standort allerdings wieder stärker von der Regierung unterstützt und russische Elektronikkonzerne wie Sitronics oder Angstrem modernisieren mithilfe ausländischer Unternehmen ihre Produktionslinien. So hat beispielsweise der Stuttgarter Anlagenbauer M+W Zander 2008/2009 eine schlüsselfertige Halbleiterfabrik für Angstrem errichtet und der US-Chipkonzern Advanced Micro Devices (AMD) hat den Großteil seiner alten Produktionslinie Fab30 (Dresden) an den russischen Technologiekonzern verkauft. 

Skolkovo liegt knapp 15 Kilometer westlich des Moskauer Stadtkerns. Obwohl der äußere Moskauer Autobahnring (MKAD) an Skolkovo vorbeiläuft, gehört das Dorf verwaltungstechnisch zum Stadtbezirk (Rajon) Odinzowo. Hier soll bis 2015 das Innovationszentrum Skolkovo entstehen, ein Forschungs- und Industriegebiet nach Vorbild des Silicon Valley. Allein in den ersten drei Jahren sollen von staatlicher Seite Investitionen in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar in das Projekt fließen. Die Skolkovo Foundation, die unter Vorsitz des russischen Milliardärs Wiktor Wekselberg (häufig auch Victor Vekselberg) das Bauvorhaben organisiert, hat bereits etliche internationale Technologiekonzerne für eine Beteiligung am Projekt gewonnen. Hierzu gehören beispielsweise Intel, Microsoft, Nokia, Siemens, Boeing und Tata. Der Baubeginn ist für das zweite Halbjahr 2011 geplant. In diesem Jahr wurde auch das Skolkovo Institute of Technology (kurz: Skolkovo Tech) durch die Kollaboration von neun russischen Institutionen und Organisationen eröffnet. Bereits ein Jahr später wurden durch die Kooperation internationaler Hochschulen und Institute drei „Centers for Research, Education and Innovation” gegründet (mehr Informationen unter Akteure und Netzwerke). Skolkovo war bis dato nur als Standort der Skolkovo School of Management bekannt, die 2006 auf Drängen von nationalen und internationalen Unternehmen gegründet wurde. Der russische Präsident Medwedew ist Aufsichtsratsvorsitzender dieser privaten Hochschule. 

Moskau ist neben St. Petersburg der wichtigste Bildungsstandort Russlands. Circa 250.000 Studierende werden an über 80 Hochschulen ausgebildet. 

Viele weiterführende Links in diesem Profil führen zum englischen Sprachzweig der russischen Webseiten, die allerdings meist nur oberflächliche Informationen liefern. Ein Wechsel zum russischen Sprachzweig wird daher empfohlen.

Internationale Anziehungskraft

Mit fünf Flughäfen und acht Fernbahnhöfen ist Moskau der wichtigste Verkehrsknoten Russlands. Außerdem verfügt die Stadt über drei Binnenhäfen, die sie mit dem Weißen Meer, der Ostsee, dem Schwarzen Meer, dem Asowschen Meer und dem Kaspischen Meer verbindet. Moskau nennt sich daher auch die "Stadt der fünf Meere". 

Ein Großteil des Flugverkehrs wird über die beiden internationalen Flughäfen Domodedowo und Scheremetjewo abgewickelt. Domodedowo ist der größte Flughafen Moskaus. Er liegt ca. 35 Kilometer südsüdöstlich des Stadtkerns. Im Jahr 2009 wurden über die zwei Terminals 18,9 Millionen Passagiere abgefertigt. Da der Flughafen damit an seinen Kapazitätsgrenzen stößt, wird 2012 ein weiterer Terminal eröffnet. Domodedowo ist von den Flughäfen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München zu erreichen. Scheremetjewo liegt 30 Kilometer nordwestlich des Kremls und ist mit gut 15 Millionen Fluggästen (2008) der zweitgrößte Flughafen Moskaus. Scheremetjewo verliert allerdings kontinuierlich an Bedeutung, da viele internationale Fluggesellschaften (u. a. fast alle Linien der StarAlliance) mittlerweile den moderneren Domodedowo-Airport anfliegen. Wnukowo (engl. Vnukovo) ist der dritte und älteste Moskauer Flughafen. Er wird allerdings aktuell von der Stadtregierung ausgebaut. Investitionsprogramme laufen bis 2015. 2010 nutzten 9,4 Millionen Passagiere den Flughafen. Germanwings fliegt Wnukowo von Berlin, Hannover, Köln/Bonn und Stuttgart an. Bykowo und Ostafjewo sind die beiden anderen Flughäfen. Bykowo bedient nur Inlandsflüge. Ostafjewo ist in Besitz der Fluggesellschaft Gazpromavia, einem Tochterunternehmen des Gazprom-Konzerns. 

Die U-Bahn im Stadtgebiet ist gut ausgebaut. Das Liniennetz hat aktuell eine Länge von 302 Kilometern. Zwölf Linien transportieren täglich bis zu neun Millionen Fahrgäste. Dabei werden 182 Stationen bedient. Mit 2,4 Milliarden beförderten Personen im Jahr 2009 ist die Moskauer Metro eine der am stärksten in Anspruch genommenen U-Bahnen der Welt. Durch das starke Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in der postsowjetischen Ära ist allerdings auch die Metro trotz hoher Taktung an ihre Grenzen gestoßen, da sie nur für ca. sieben Millionen Passagiere pro Tag ausgelegt ist. 

Im Clustergebiet ist im Dezember 2005 die Sonderwirtschaftszone (SWZ) Zelenograd gegründet worden. Die sogenannte "Sonderwirtschaftszone für die Einführung innovativer Technik" unterstützt Investoren aus der Hightech-Branche u. a. durch Steuererleichterungen und Bereitstellung der Infrastruktur. Die Vorteile werden für 20 Jahre gewährt. Der erste ansässige Akteur in der SWZ Selenograd war das Zelenograd Innovation Technological Centre im Jahr 2006.
Die SWZ Selenograd ist in zwei Flächen unterteilt. Um den sogenannte Moscow Institute of Electronic Technology (MIET) Innovation Complex entstand bzw. entsteht die Infrastruktur für einen Inkubator, ein Ausbildungs- und ein Technologietransferzentrum sowie verschiedene Gemeinschaftsgebäude ("shared use"). Dabei soll das MIET den nachhaltigen Aufbau der Institutionen durch seine Erfahrung und Netzwerke unterstützen. Dieser Teil der SWZ umfasst ca. sieben Hektar. Das zweite Areal der SWZ, die Industriezone Alabushevo, ist 150 Hektar groß. Es soll von Unternehmen der Hightech-Branche besiedelt werden. Präferiert werden Akteure aus den Sektoren Information, Telekommunikation und Informatik sowie Optik, Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie. Neben den finanziellen Aspekten profitieren die Unternehmen in der SWZ von schnelleren administrativen Genehmigungsverfahren, die im One-Stop-Shop-Prinzip abgewickelt werden. Außerdem haben Behörden und Zolldienste eigene Vertreter vor Ort. 

Der russische Messemarkt ist sehr stark auf Moskau konzentriert. Ca. 65 Prozent aller russischen Messen finden in Moskau statt. Das sind laut IHK Frankfurt am Main rund 600 Messen mit acht Millionen Besuchern. 

Im Dezember 2010 unterzeichneten die Europäische Union und Russland ein Abkommen zum Abbau von Handelshemmnissen. Der Vertrag gilt als Meilenstein auf dem Weg zu einer WTO-Mitgliedschaft. Im Oktober 2010 hatten bereits die USA grünes Licht für eine Aufnahme Russlands in die Welthandelsorganisation gegeben. Von einem WTO-Beitritt würde die Privatwirtschaft im In- und Ausland profitieren. Der Markteintritt für ausländische Unternehmen würde durch gesteigerte Rechtssicherheit (z. B. Streitschlichtungsmechanismen) und abnehmenden Protektionismus erleichtert. 

Im European Cities Monitor 2010 von Cushman & Wakefield ist Moskau das beliebteste Ziel für Unternehmensexpansionen in Europa, obwohl die russische Hauptstadt in den meisten Bewertungskategorien (z. B. Zugang zu qualifiziertem Personal, Telekommunikation, politisches Klima, etc.) im unteren Drittel der europäischen Großstädte rangiert.

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Thematische Stärkefelder

Moskau ist Russlands wichtigster Industrie-, Finanz- und Dienstleistungsstandort. Obwohl nach dem Fall der Sowjetunion ein (industrieller) Abwärtstrend einsetzte, wurde der Kern der Produktionskapazitäten erhalten. Im Gegenzug hat sich der Dienstleistungs- und Finanzsektor durch die Öffnung der Märkte rasant entwickelt. So beträgt bspw. der Anteil der Stadt am gesamten russischen Einzelhandel etwa 30 Prozent.

Das produzierende Gewerbe im Großraum Moskau setzt sich vor allem aus Betrieben in den Branchen Chemie, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Lebensmittelverarbeitung und Energie zusammen. Ca. 1.000 Großunternehmen und 13.000 KMU beschäftigen 600.000 Angestellte im industriellen Sektor. Neben den im Großraum produzierenden Unternehmen haben fast alle großen russischen Explorationskonzerne ihren Hauptsitz in Moskau. Dazu gehören beispielsweise:

  • Gazprom, das weltgrößte Erdgasförderunternehmen
  • Lukoil, der größte russische Mineralölkonzern
  • Rosneft, der zweitgrößte russische Mineralölkonzern
  • Russneft
  • Gazprom Neft, eine Mineralöltochter von Gazprom
  • TVEL, ein Produzent von Brennelementen
  • Sibur Holding, der größte Petrochemiekonzern und Reifenhersteller in Russland

Moskau ist auch für deutsche Unternehmen die erste Wahl bei einer Expansion nach Russland. Laut Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben etwa zwei Drittel der 4.600 in Russland engagierten deutschen Unternehmen ihren Stützpunkt in Moskau. Hierzu gehören beispielsweise Mercedes-Benz, Deutsche Bank, Axel Springer, Lanxess, Siemens oder Knauf.

Moskau ist mit Abstand der wichtigste Forschungsstandort in Russland. Zurzeit sind in der Hauptstadt etwa 1.600 Organisationen konzentriert, die sich mit Forschung und Entwicklung beschäftigen, was etwa 70 Prozent des wissenschaftlichen Forschungspotenzials der Russischen Föderation ausmacht. Viele dieser Institutionen sind in der Wissenschaftsstadt Selenograd vertreten und planen, sich auch an dem internationalen Prestigeprojekt, dem Innovationszentrum Skolkovo, zu beteiligen.

Selenograd ist der wichtigste Halbleiterstandort Osteuropas. Hier produzieren die beiden wichtigsten russischen Chiphersteller, Mikron, eine Tochtergesellschaft von Sitronics, und Angstrem. Sitronics exportiert Telekommunikationssysteme für Handys und Drahtlosnetzwerke sowie Software und Mikrotechnologie in 60 Länder weltweit. Für den russischen Markt produziert das Unternehmen elektronische Fahrkarten, Bank- und Kreditkarten sowie SIM-Karten. Angstrem stellt hauptsächlich Speicherbausteine, Mikrocontroller und Multiplexer her. Beide Unternehmen verfügen allerdings bisher nur über veraltete Technologien und sind sowohl bei der Errichtung/Wartung ihrer Anlagen als auch bei der Ausbildung von Facharbeitern auf internationale Kooperationspartner angewiesen. Angstrem z. B. hat 2008 ausgediente Ausrüstung von AMD aus Dresden gekauft. Die Ausrüstung der Fab30 wurde 1999 in Dresden installiert. AMD produzierte in der Fab30 anfangs mit 180-Nanometer-Technologie, ab August 2004 mit 90-Nanometer. Angstrem produziert mit dem System auf 130-Nanometer-Basis, will es allerdings zukünftig mit Zusatzmodulen aufwerten. Zum Vergleich: Intel startet 2013 in Arizona bereits die 14-Nanometer-Fertigung.


Auch deutsche Unternehmen unterstützen die beiden Halbleiterhersteller. M+W Zander hat eine schlüsselfertige Halbleiterfabrik für Angstrem errichtet und der Wasseraufbereiter Hager und Elsässer liefert Mikron das sterile Wasser, mit dem das auf 3.000 Grad Celsius erhitzte Silizium abkühlt. Mühlbauer lieferte Sitronics eine Anlage, die vollautomatisch Antennen in die Computerchips integriert. Hinzu kommen Ausbildungskooperationen mit deutschen Unternehmen, die für die Bedienung der ausländischen Anlagen unabdingbar sind.

Die Abhängigkeit von ausländischen Technologien soll allerdings in Zukunft verringert werden. Dazu kooperieren in Selenograd einige Unternehmen im Bereich F&E. Da es sich dabei um ein "nationales Anliegen" handelt, werden die Entwicklungen vom russischen Staat unterstützt.

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Akteure und Netzwerke

Moskau und Selenograd unterhalten u. a. Partnerschaften zu vier deutschen Städten, aus denen verschiedene Wirtschafts- und Bildungskooperationen hervorgegangen sind:

  • 2011 feiern Berlin und Moskau das 20-jährige Jubiläum ihrer Städtepartnerschaft. Aus der Partnerschaft ist u. a. eine Zusammenarbeit zwischen einem der größten deutschen Technologieparks, Berlin Adlershof, und Zelenograd hervorgegangen. Die 2009 unterzeichnete Vereinbarung stellt u. a. eine Kooperation in den Technologiebereichen Optik, Photonik, Mikrosysteme und Werkstoffe in den Vordergrund.
  • Seit 1992 besteht zwischen Moskau und Düsseldorf eine Städtepartnerschaft. Seit 2000 finden in Moskau jährlich die Düsseldorfer Wirtschaftstage statt. Eine Zusammenfassung des Treffens aus dem Jahr 2010 findet man u.a. bei der Stimme Russlands. Das Pendant in Düsseldorf sind die Moskauer Wirtschaftstage, die seit 2005 jährlich stattfinden. Bei beiden Veranstaltungen wirkt die IHK Düsseldorf federführend. Auf den Moskauer Wirtschaftstagen in Düsseldorf 2010 wurde bspw. eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Architektenbüro RKW und der Moskauer Stadtregierung getroffen. Zusätzlich wurde eine Zusammenarbeit der Flughäfen Düsseldorf und Wnukowo vereinbart und Thyssen-Krupp unterzeichnete ebenfalls Verträge mit der Stadtregierung. 2010 war außerdem der Düsseldorfer Oberbürgermeister mit einer 50-köpfigen Wirtschaftsdelegation in Moskau zu Gast. Dabei wurde ein weiteres Kooperationsabkommen zwischen den beiden Städten unterzeichnet. Ein anderer wichtiger Akteur in der Städtepartnerschaft ist die Messe Düsseldorf, die bereits seit 1979 in Moskau aktiv ist.
  • Die Stadt Unterschleißheim und der Innovatiove Community Unterschleissheim (ICU) e. V. unterhalten seit 2002 wirtschaftliche Kontakte zu Moskau und Selenograd. Ziel der Wirtschaftspartnerschaft mit Selenograd ist die Vermittlung von Kontakten, der Auf- und Ausbau internationaler Kooperationen und der Wissenstransfer zwischen beiden Städten. Dabei werden die Städte von der Technischen Universität München (TUM) unterstützt. Mittlerweile unterhalten Unterschleißheim und Selenograd zwei Verbindungsbüros in der jeweils anderen Stadt. Die Büros sind lokale Anlaufstellen für Kooperationspartner und unterstützten den Informationsfluss.
  • Seit 2008 besteht ein Kooperationsabkommen zwischen der Science City Frankfurt-Riedberg und Selenograd. Thematischer Schwerpunkt der Partnerschaft sind weite Teile der Informatik und der Nanotechnologie. Vertreter der Science City Riedberg sollen sich außerdem an einem Innovations- und Geschäftszentrum in der Sonderwirtschaftszone Selenograd beteiligen.

Die enge Verknüpfung Selenograds mit Deutschland wird auch mit Blick auf den Technopark-Zelenograd deutlich, dem ersten Technologiepark in Moskau. Der 1997 gegründete Park ist seit Ende 2010 ein vollwertiges Mitglied der International Association of Science Parks (IASP). Auf internationaler Ebene kooperiert er mit vier Partnern, von denen zwei in Deutschland sitzen:

Auf dem Gelände des Technologieparks stehen insgesamt 10.000 Quadratmeter Industrie- sowie 1.500 Quadratmeter Bürofläche für KMU zur Verfügung. Außerdem hilft der Park jungen Unternehmern bei der Aufstellung von Geschäftsplänen und berät Forscher auf betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Ebene. Zusätzlich stellt der Betreiber Ausstellungs- bzw. Konferenzräume bereit. Technopark-Zelenograd soll die klassischen Funktionen eines Wissenschaftsparks erfüllen: Technologietransfer, Förderung der Beziehung von Konzernen und KMU, Innovationssteigerung, etc. Weitere nach dem gleichen Prinzip aufgebaute und organisierte Parks sind seitdem im Moskauer Clustergebiet in Kooperation mit Universitäten, Forschungsinstitutionen und der Regierung entstanden.

Nagatino i-Land, ein Großprojekt des Moscow Business Incubator (MBI), befindet sich in der zweiten Bauphase. In der ersten Phase wurde eine Fläche von 216.000 Quadratmetern errichtet. In Nagatino i-Land wird nach Abschluss der fünften Errichtungsphase (voraussichtlich 2013) auf einer Baufläche von 32 Hektar rund eine Million Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung stehen.  Nagatino i-Land liegt 8 Kilometer südöstlich vom Kreml. Das Projekt wird zu drei Vierteln von privaten Investoren finanziert.

In Nagatino i-Land steht u. a. das German Center Moscow der Landesbank Baden-Württemberg. Hier können deutsche KMU Büroflächen für einen Markteinstieg in Russland anmieten. Das deutsche Zentrum bietet regelmäßige Treffen sowie Fach- und kulturelle Veranstaltungen, die den Austausch von Erfahrungen und Informationen zwischen neuen und alteingesessenen Firmen fördern. Das Gebäude ist ab Juni 2011 bezugsfertig und soll Startbasis für rund 120 deutsche Unternehmen werden.

Ein weiterer zentraler Akteur im Bereich des Technologie- und Wissenstransfers sowie bei der Förderung junger Unternehmen ist der International Business & Technology Incubator (IBTI). Der Inkubator wurde 1996 von der russischen Regierung in Kooperation mit dem amerikanischen Unternehmen Fenixtec gegründet. Um die Verbreitung von Wissen und die Kommerzialisierung von Technologien voranzutreiben, arbeitet der Inkubator neben lokalen Behörden und Ministerien eng mit internationalen Organisationen zusammen. IBTI gibt auf der Homepage u. a. folgende Kooperationspartner an:

Ein landesweites Technologietransfer-Netzwerk, das seine meisten Mitglieder allerdings in Moskau hat, ist das


Folgende Institutionen im Großraum Moskau sind Mitglied im RTTN:

Weitere wichtige nationale Netzwerke, die sich ebenso in Moskau konzentrieren, sind:

Das Zelenograd Innovation and Technology Centre (ZITC) wurde 1998 zur Förderung der wissenschaftlichen und industriellen Aktivitäten in den Bereichen Mikroelektronik, Elektronik und IT gegründet. ZITC ging aus einer Initiative des Moscow Institute of Electronic Technology (MIET) hervor und arbeitet weiterhin sehr eng mit diesem zusammen. Das ZITC ist einer der wichtigsten Akteure für den Technologietransfer und den Aufbau von Infrastruktur für innovative Unternehmen im Clustergebiet Moskau. Außerdem unterstützt es junge Unternehmen und KMU aus den Sektoren Elektronik und IT mit vielfältigen Dienstleistungen.

Die Entwicklung Skolkovos zu einem aufkeimenden Wissenschaftsstandort ist durch die Gründung der Skolkovo Foundation und des Skolkovo Institutes of Technology bereits angelaufen. Zu den Gründungsmitgliedern des Skolkovo Techs gehören neun russische Organisationen und Institutionen: Moscow Institute of Physics and Technology, Tomsk Polytechnic University, Moscow School of Management Skolkovo, New Economic School, Rusnano, Russian Venture Company RVC),Bank for Development and Foreign Economic Affairs (Vnesheconombank), Foundation for the Assistance to Small Innovative Enterprises in Science and Technology und RAS Scientific Center in Chernogolovka. Durch die Planung der ersten drei „Centers for Research, Education and Innovation (CREI)” sind Partnerschaften zwischen Skolkovo Tech und rennomierten internationalen Institutionen entstanden. Jedes Zentrum erhält zehn Millionen USD Startkapital zur Umsetzung von Forschungsprogrammen. Forschungsschwerpunkte der ersten drei CREIs mit Fokus auf Biomedizin und Energie sind:

Weitere Ansprechpartner für Unternehmen sind die Industrie- und Handelskammern (siehe z. B. die Länderinfo - Russland der IHK Frankfurt am Main), die AHK Moskau oder die Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation mit ihrer deutschen Außenstelle in Berlin. Der Wirtschaftsclub Russland fördert den Austausch unter deutschsprachigen Führungskräften, die in Russland leben und arbeiten.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ist das Gemeinschaftsorgan der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (BDI, GDV, AVE, ZDH, BdB) und die Interessenvertretung der deutschen Unternehmen auf den Märkten Russland, Weißrussland, Ukraine, Zentralasien, im Kaukasus und in Südosteuropa. Der Ost-Ausschuss fungiert als Mittler zwischen Wirtschaft und Politik und verfügt über ein weites Netzwerk an Kontakten.

Weitere Informationsquellen im Internet:

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Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

Moskau ist neben St. Petersburg der wichtigste Bildungsstandort Russlands. Circa 250.000 Studierende werden an über 80 Hochschulen ausgebildet. Seit dem Fall der UdSSR hat sich die Bildungslandschaft in Moskau stark verändert. Während zu Sowjetzeiten die staatlichen Universitäten relativ stark auf Grundlagenforschung und das Ingenieurwesen spezialisiert waren, haben sie mittlerweile ihre Strategie geändert. Die Hochschulen erweitern ihre Forschungsfelder, erhöhen ihre Studierendenanzahl und bieten internationale Abschlüsse an. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt durch die aufkommenden privaten Bildungseinrichtungen verstärkt, deren Zahl in den vergangenen Jahren v. a. in den Bereichen Wirtschaft und Management stark zugenommen hat.

Die größte und wohl renommierteste russische Universität ist die Lomonossov-Universität (MSU). Sie verfügt über 40.000 Studierende, 7.000 habilitierte bzw. promovierte Lehrkräfte sowie fast 300 Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hinzu kommen 4.000 internationale Studierende und Doktoranden. Die Hochschule deckt mit ihren Fakultäten fast alle natur- und geisteswissenschaftlichen Forschungsbereiche ab und pflegt Kooperationen mit etlichen internationalen Hochschulen, aus Deutschland u.a. mit der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Augsburg.

Als wirtschaftliches und finanzielles Zentrum Russlands ist Moskau Hauptsitz der bedeutendsten russischen Wirtschaftshochschulen und Business Schools. Hierzu zählen u.a.:

Die hohe Zahl an Wissenschaftsparks, Forschungsinstituten und Universitäten zeigt, dass die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik und Forschung in Moskau aktiv gefördert wird. Die Kooperation dieser Akteure spiegelt sich auch in überarbeiteten Ausbildungsprogrammen bzw. Studiengängen wider, in denen die Bedürfnisse der Wirtschaft verstärkt berücksichtigt werden. Beispielhaft sei hierfür das MSU Nanotechnology Education and Research Center (ERC) vorgestellt. Nanotechnologie wird an den Fakultäten Physik, Chemie, Materialkunde, Biotechnik und Bioinformatik sowie Medizin der MSU unterrichtet. Durch die Gründung des ERC 2009 wurden die interdisziplinären Bestrebungen nochmals verstärkt. Die Ausbildungsprogramme "Nanosystems and Nanodevices", "Functional Nanomaterials" sowie "Nanobiomaterials and Nanobiotechnology" beinhalten neben 460 theoretischen auch 300 Stunden praktische Arbeit in modern ausgestatteten Laboren. Voraussetzung für eine Zulassung ist ein dreijähriges Studium an einer der oben genannten Fakultäten, in dem bereits interdisziplinäre Prüfungen abgelegt wurden. Im ERC können die Studenten exklusiv Supercomputer für Berechnungen der Strukturen und Eigenschaften der Nanomaterialien nutzen.

Zwei Moskauer Bildungseinrichtungen sind Mitglied des internationalen TIME-Netzwerks, das sich aus 55 bedeutenden technischen Hochschulen zusammensetzt:

Die besten Studenten der teilnehmenden Universitäten haben die Chance, über das Exzellenznetzwerk zwei Masterabschlüsse in zwei verschiedenen Ländern zu erhalten. Aus Deutschland sind die Technischen Universitäten zu Aachen, Berlin, Darmstadt, Dresden und München sowie die Universitäten Erlangen-Nürnberg und Stuttgart Mitglieder des TIME-Netzwerks.

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Entwicklungsdynamik

Die Finanz- bzw. Weltwirtschaftskrise hat Russland im Allgemeinen und den Großraum Moskau im Speziellen hart getroffen. Wie schon 1998/99 mussten viele Investitionsvorhaben gekürzt, verschoben oder gestrichen werden. Die Erholung der Weltwirtschaft sorgt jedoch wieder für ein positiveres Investitionsklima und gerade der Großraum Moskau wächst wieder kräftig. Bereits geplante Projekte werden wieder angegangen oder neue geplant.

Die Moskauer Stadtregierung beabsichtigt, gemäß dem Generalentwicklungsplan der Hauptstadt bis 2025 etwa 90 Millionen Quadratmeter Wohnraum zu errichten. Der Plan sieht außerdem vor, bis 2025 das Straßennetz um 2.000 km und das U-Bahn-Netz um 380 km auszubauen. Die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sind dringend nötig, da es laut Manager Magazin selbst an normalen Wochentagen etwa 650 Staus mit einer Gesamtlänge von 700 Kilometern gibt. Hinzu kommt, dass die U-Bahn mit ca. neun Millionen Passagieren pro Tag stark überlastet ist. Das Streckennetz und die Stationen sind bisher auf maximal sieben Millionen Fahrgäste pro Tag ausgelegt.

Ein weiteres zentrales Investitionsprojekt in Moskau ist das internationale Handelszentrum Moscow City (Moscow International Business Center). Moscow City soll das Hauptgeschäftsviertel Moskaus werden. Es liegt knapp fünf Kilometer westlich des Stadtzentrums. Nach ursprünglichen Planungen sollte das Projekt 19 Hochhäuser und eine Büro- und Wohnfläche von ca. vier Millionen Quadratmetern umfassen. Durch die beiden Finanzkrisen (1998/99 und 2008/09) wurden die Bauvorhaben sowie die Fertigstellungstermine mehrfach geändert bzw. verschoben. Laut Aussagen des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin im Dezember 2010 sind gegenwärtig mit 840.000 Quadratmetern rund 20 Prozent der geplanten Fläche in Betrieb. Ein im November 2010 eingesetzter Stab soll die endgültige Fertigstellung des Projekts bis 2015 sicher stellen. Moscow City ist das größte Investitionsprojekt der Stadt. Die Gesamtkosten werden auf mindestens zwölf Milliarden Dollar geschätzt.

Das wahrscheinlich bedeutendste Vorhaben für den Clusterstandort Moskau ist das Innovationszentrum Skolkovo, ein Forschungs- und Industriegebiet nach Vorbild des Silicon Valley. Skolkovo soll Russlands führendes Wissenschafts- und Innovationszentrum werden, eingebettet in eine neue Stadt mit rund 25.000 Einwohnern. Von 2011 bis 2013 investiert die Russische Föderation über die Skolkovo-Foundation allein 2,8 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur des Prestigeprojekts. Bis zur Fertigstellung im Jahr 2015 werden nach offiziellen Schätzungen Finanzmittel in Höhe von 6,6 Milliarden US-Dollar benötigt. Die Forschungsschwerpunkte des Zentrums werden Energie, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Biomedizin und Nukleartechnik sein. Durch die Planung der zur Skolkovo Tech gehörigen „Centers for Research, Education and Innovation (CREI)” wird der Technologie- und Innovationstransfer zwischen russischen und kooperierenden  internationalen Instituten weiter ausgebaut und gefördert, da ein CREI aus der Kollaboration einer russischen und einer nicht-russischen  Forschungseinrichtung besteht

Die Skolkovo-Foundation unter Führung von Wiktor Wekselberg hat bereits weitere Kooperationsabkommen mit führenden Technologiekonzernen und Universitäten abgeschlossen. Hierzu gehören u. a. Cisco, Tata, Intel, Nokia, Microsoft, Siemens, Boeing sowie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und das Kurchatov Institut. Außerdem laufen Verhandlungen mit weiteren Unternehmen wie EADS, Enel oder Alstom. Ferner steht die Skolkovo-Foundation in engem Kontakt mit der Association of American Universities (AAU) und der American Foundation for International Education. Um die Arbeitsbedingungen für ausländische Unternehmen, Arbeitnehmer und Forscher im Vergleich zu anderen Teilen Russlands zu verbessern, kooperiert das Management des Innovationszentrums mit dem Federal Migration Service. Durch ein Büro in Skolkovo sollen Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen für ausländische hoch qualifizierte Forscher und Arbeitnehmer schnell und unbürokratisch erteilt werden.

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