Kurzprofil

Venetien ist eine von 20 Regionen in Italien und gliedert sich in die sieben Provinzen Belluno, Padua, Rovigo, Treviso, Venedig, Verona sowie Vicenza. Dabei sind die italienischen Regionen mit den deutschen Bundesländern und die Provinzen mit den Regierungsbezirken vergleichbar. Die Region macht mit einer Fläche von 18.389 Quadratkilometern circa sechs Prozent des italienischen Staatsgebietes aus. Dieser Prozentsatz spiegelt sich auch in dem Bevölkerungsanteil Venetiens an der italienischen Gesamtbevölkerung wider: Mit circa 4,9 Millionen beträgt dieser 6 Prozent. Aus geologischer Sichtweise ist Venetien durch relativ fruchtbare Böden gekennzeichnet, die jedoch kaum Rohstoffe aufweisen.

Venetien gehört zu den wirtschaftlich potentesten Regionen in Italien. Die Arbeitslosenquote pendelte sich in den letzten Jahren zwischen 3,3 und 3,7 Prozent ein, was gemessen am Rest Italiens, mit durchschnittlich 10 Prozent, relativ niedrig ist. Letztendlich forderte aber die Finanz-und Wirtschaftskrise auch im wirtschaftsstarken Norden ihren Tribut, so dass die Arbeitslosenquote Venetiens bis 2010 auf 6 Prozent angestiegen ist. Die Region erwirtschaftet mit 148 Milliarden Euro (Stand 2010) 9,5 Prozent des italienischen Bruttoinlandprodukts; das Pro-Kopf-BIP beträgt 30.000 Euro (Quelle PDF-Dokument S.6).

Die wirtschaftlich sehr dynamische und flexible Region ist stark exportorientiert und wird von kleinen Betrieben geprägt. Diese befinden sich oftmals im Familienbesitz. Die Anzahl der Betriebe beläuft sich auf etwa 450.000, auf 10 Einwohner Venetiens kommt etwa ein Unternehmen. Die gut funktionierende Koexistenz zwischen traditioneller Fertigung und Innovationen im Hochtechnologie-Sektor, beispielsweise im Maschinenbau, ist eines der wichtigsten Merkmale der Region und wird auch oftmals als "Model-Veneto" bezeichnet. Dieses Modell durchlief Ende der 90er Jahre eine Krise, der u.a. durch die systematische Förderung der technologischen Innovationsfähigkeit insbesondere im Themenfeld Nanomaterialien begegnet wurde.

Der Cluster Venetien ist Standort von etwa 45 regionalen und lokalen Produktionssystemen, sogenannten Industriedistrikten, welche allein 268.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Diese liegen seitens des traditionellen Sektors vor allem im Bereich Metallverarbeitung, Schiffsbau, Gerberei, Töpferei, Juwelierarbeit, Fischerei, Steinbruch und der Holz- und Möbelproduktion.

Besonders für die Produktion von Textilwaren und Schuhen ist die Region ebenso wie das ganze Land bekannt. Abgesehen von der althergebrachten Fertigung und den ehrwürdigen Universitäten ist Venetien mittlerweile auch ein wichtiger Hochtechnologiestandort, insbesondere im Bereich Nanotechnologie.

Internationale Anziehungskraft

Stets für Touristen attraktiv, ist Venetien auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Regionen Italiens herangewachsen: Venetien kommt hinsichtlich des Exportes an zweiter Stelle nach der Lombardei: 14,3 Prozent der gesamten italienischen Exporte stammen aus der Region. Damit übertreffen die venetischen Exporte beispielsweise die akkumulierten Exporte von Portugal und Griechenland.

Innovationen sind laut Aussage des Statistical Report (2009) der Region Venetien ein weiterer wichtiger Faktor für die Attraktivität der Region, die besonders bei Produkten, Handel und Technologie angewandt werden. Dabei spielt besonders die Entwicklung neuer Verkaufskonzepte sowie neuer Methoden in der Unternehmensführung und anderer Prozesse in Beschaffung und Vertrieb eine wichtige Rolle. Von 2005 bis 2007 sollen 40,9 Prozent der Unternehmen Venetiens laut eigener Aussage neue Innnovationskonzepte bei sich umgesetzt haben - dies zum großen Teil auch bei KMUs. Für die Messung von Innovationen sind Patente ein wichtiger Indikator. Im Jahr 2010 wurden in Venetien 6.348 Patentanmeldungen registriert, womit die Region mit 9,1 Prozent der nationalen Gesamtmenge an Patentanmeldungen den fünften Platz aller italienischen Regionen einnimmt.

Obwohl Italien von der derzeitigen globalen Wirtschafts- und Finanzkrise stark getroffen wurde, steht Venetien laut der genannten Studie sowohl im gesamtitalienischen als auch europäischen Vergleich noch relativ gut da und die Verschuldung der Haushalte war niedriger als in anderen Ländern der EU. Im Krisenjahr 2009 ging das venetische Bruttoinlandsprodukt (Anteil am nationalen Bruttoinlandprodukt: 9,3 Prozent) um 5,9 Prozent zurück. Wesentlich stärker war der Rückgang der industriellen Wertschöpfung, die um 14,1 Prozent einbrach. Der Rückgang in anderen Sektoren, wie z.B. in der Landwirtschaft (-2.2 Prozent), fiel dagegen glimpflicher aus. Aufgrund der positiven strukturellen Bedingungen ist Venetien jedoch gut aufgestellt, um diese mittelfristigen Konjunkturprobleme in den Griff zu bekommen.

Die Region ist bezüglich der infrastrukturellen Anbindungen gut vernetzt. Für den Flugverkehr sind die drei Flughäfen in Venedig, sowie die Flughäfen in Treviso, Vicenza, Asagio Verona und Belluno Verkehrsknotenpunkte. Die Regionalfluggesellschaft "Air Dolomiti" aus Verona ist in der Region für den nationalen und internationalen Flugverkehr das wichtigste Unternehmen. Vor allem für Reisende aus Deutschland ist die Fluggesellschaft attraktiv, da sie neben Verona ihren wichtigsten Standort in München hat. Zudem existieren preislich günstige Zugverbindungen zwischen München und Venedig. In Venedig werden neben bedeutenden kulturellen Events auch Business-Konferenzen abgehalten - viele davon auf der Laguneninsel San Servolo.

Während laut dem Statistical Report die gesamtitalienische Gesellschaft relativ statisch ist, weist Venetien eine vergleichsweise gute soziale Durchlässigkeit auf, d. h. der soziale Aufstieg hängt weniger stark vom familiären Hintergrund ab. Dadurch wurde besonders für Angehörige der sozial benachteiligten Schichten eine Vielzahl von neuen beruflichen Chancen geschaffen. Da es besonders im Dienstleistungsbereich einen verstärkten Bedarf an qualifiziertem Personal gibt, profitiert Venetien von diesem positiven gesellschaftlichen Faktor auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Im gesamtitalienischen Vergleich wird die Integration von Ausländern verhältnismäßig gut umgesetzt, wenn auch Ausländer im Vergleich zu Einheimischen größere Hürden beim sozialen Aufstieg zu überwinden haben. 

Die Studie Doing Business 2009 kommt zu dem Ergebnis, dass der Prozess der Unternehmensgründung in Venetien vergleichsweise zügig vonstatten geht - die Studie reiht Venetien diesbezüglich innerhalb der EU auf Platz 14 und global auf Platz 47 von 181 Ökonomien ein. Beispielsweise werden in Padua um ein Unternehmen erstmalig registrieren zu lassen 7 Tage benötigt, während derselbe Vorgang in Rom 10 Tage dauert.

Thematische Stärkefelder

Hinsichtlich des traditionellen Produktionssektors der Stadt Venedig, stechen die Glasbläsereien hervor. Im Stadtteil Murano sind etwa 250 ortsansässige Betriebe aktiv, die circa 2.000 Arbeiter beschäftigen. Des Weiteren sind die Fischerei und der Schiffbau wichtige Wirtschaftsfaktoren der Stadt.

Venedig ist auch ein wichtiger Standort des seit einigen Jahren wachsenden Nanotechnologie-Sektors der Region Venetien. Beispielsweise sind die Forschungseinrichtungen NanoFab und CIVEN (vgl. Abschnitt Akteure und Netzwerke) in Venedig ansässig. Die gewachsene Bedeutung Venedigs im Hochtechnologie-Sektor zeigt sich auch anhand des Ranking von innovation-cities.com des Jahres 2011, in dem die Stadt auf Platz 90 unter den Top 100 gelistet wird.

Norditalien ist für seine besonders in Mailand präsente Mode- und Textilindustrie international bekannt. In Venetien sind 20 Prozent der italienischen Industriedistrikte (vgl. Abschnitt Akteure und Netzwerke) dieser Branche ansässig. Daher ist Venetien ein ebnso bedetender Produktionsstandort der Bekleidungsindustrie. (Die folgenden Daten und Zahlen sind größtenteils aus dem Bericht "Good Practice on Cluster-Management" der Webseite www.clusterlink.com/acenet/ entnommen).

Die venetische Textilbranche konzentriert sich auf die Provinzen Venedig, Rovigo, Treviso und Padua. 7.100 Unternehmen beschäftigen circa 71.700 Mitarbeiter. Obwohl wie in einigen anderen Branchen KMUs vorherrschen, gibt es hier auch einige international bekannte Markenlabels wie Benetton, Diesel oder Marzotto. Die Textilbranche Venetiens zeichnen die starke Exportorientierung sowie ein sensibles Verständnis für die Wünsche der Kunden aus. Generell wird bei der auserlesenen Produktion viel Wert auf Design und Style gelegt. Die Beliebtheit der Textilwaren bestätigt sich fortlaufend in starken Exportzahlen, die etwa ein Viertel des nationalen Umsatzes der italienischen Textilbranche darstellen.

In der Bekleidungsbranche liegt Venetiens Stärke vor allem in der Schuhproduktion, in der die Region im gesamtitalienischen Vergleich führend ist. In der Stadt Montebelluna (Provinz Treviso) sind die meisten Firmen der venetischen Schuhproduktion angesiedelt. Die Massenanfertigung von gewöhnlichen Schuhen ist mittlerweile weitgehend nach Osteuropa und Asien ausgelagert worden, sodass in Venetien selbst nur noch komplexere Produkte hergestellt werden. So liegt der Fokus in der Produktion von Inlineskates sowie Ski- und Snowboardschuhen. Die Branche konzentriert sich dementsprechend auf qualitatives Wachstum in Nischenbereichen.

Die Metallverarbeitung und der Maschinenbau sind mit der Hälfte der gesamten Exporte und Umsätze Venetiens die bedeutendsten Branchen der Region. Die Branchen umfassen insgesamt ca. 25.000 Betriebe. Die Ballungszentren der metallverarbeitenden Unternehmen befinden sich in den Provinzen Treviso, Padua und Vicenza. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Zulieferbetriebe. Diese Zulieferer machen die Region international attraktiv, da sie in stark fragmentierten Produktionsprozessen hochspezialisierte Aufgaben übernehmen. Die Region liegt zudem unter geographischen Gesichtspunkten strategisch günstig, da die benötigten Rohstoffe für die Metallverarbeitung meist aus dem nahe gelegenen Rumänien importiert werden.   

In der Holzverarbeitungsbranche hat Venetien einen Anteil von etwa 30 Prozent an der nationalen Möbelproduktion. In der Branche sind je nach Erhebung zwischen 11.000 und 14.000 Unternehmen tätig, die ca. 75.000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Fokus liegt auf gestalterisch wertvollen, klassisch designten Möbeln (vor allem aus der Provinz Vicenza), mit denen die venetische Holz – und Möbelindustrie zu den weltweit führenden Herstellern besonders bei der Produktion von hochwertigen Küchen, zählt. Der venetische Sektor für Holzverarbeitung ist quantitativ im Vergleich zur skandinavischen oder zur erstarkenden asiatischen Konkurrenz zwar nicht groß, dafür jedoch hoch entwickelt. Deutschland stellt das wichtigste Exportgebiet für Endprodukte dar.

Ein weiterer traditioneller Wirtschaftszweig ist in Venetien im Steinbruch und Marmorabbau zu finden. Italienischer Marmor ist seit den Kunstwerken und der Architektur der Antike weltberühmt, was sich auch weiterhin in starken Exportzahlen widerspiegelt. Im Gegensatz zu anderen Branchen, in denen das Wachstum vor allem in qualitativer Hinsicht gewonnen wird, ist Venetien mit einem geschätzten jährlichen Umsatz von 2,07 Milliarden Euro sowie mit einem Anteil von 30 Prozent der weltweiten Marmorproduktion hier auch in quantitativer Hinsicht führend. Deutschland ist hier wiedermals ein sehr wichtiger Markt, da die venetischen Marmorexporte nach Deutschland die Exporte zum gesamten amerikanischen Kontinent übertreffen.

Die Region hat aufgrund des hohen einschlägigen Potentials in den KMUs und der Reputation der ansässigen Universitäten einen Standortvorteil im Wettbewerb mit anderen Regionen Italiens, so dass das italienische Ministerium für Bildung und Forschung (MIUR) im Jahr 2003 entschied, in der Region den Aufbau eines Hochtechnologieclusters im Bereich Nanotechnologie zu fördern, der den Charakter des traditionellen Industrie-Clusters Venetien nachhaltig verändern sollte.

Veneto Nanotech entstand durch die Zusammenarbeit des Ministeriums für Bildung und Forschung, der Universitäten von Venedig, Padua und Verona, Forschungseinrichtungen sowie öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen. Das Ziel lag darin, internationale Bestleistungen in der Forschung zu erreichen, die Entwicklung von Start-Up-Unternehmen voranzutreiben und damit allgemein technologische Innovationen, die sich mit nanostrukturierten Materialien und der Verfahrenstechnik beschäftigen, in der Hochtechnologie zu fördern. Die Errungenschaften der Nanowissenschaften sollen zudem Fortschritte in den traditionelle Industrien vorantreiben.

Der finanzielle Rahmen des Clusters lag ursprünglich bei 63 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren. Davon finanzierte das MIUR 26 Millionen Euro und den Rest die regionale Regierung Venetiens. Mittlerweile beträgt das Budget über 100 Millionen Euro. In den ersten fünf Jahren nach der Gründung wurden 400 Firmen in die Arbeit des Clusters involviert und 80 Forschungsprojekte in Auftrag gegeben. 

Der Cluster gliedert sich in die sieben Technologiefelder Oberflächentechnik, Polymere und Pulver, Sensoren, Herstellungsprozesse, Nanopartikelanalyse, Messtechnik und Umweltüberwachung. Jedes Technologiefeld hat unterschiedliche Technologieplattformen auf denen zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt werden. Dabei handelt es sich unter anderem um mechanische, fertigungstechnische, elektronische und nanomedizinische Plattformen. 

Akteure und Netzwerke

Kennzeichnend für Veneto und Norditalien insgesamt sind sogenannte Industriedistrikte (Distretti industriali). Damit werden regionale oder lokale Produktionssysteme bezeichnet, in denen Unternehmen arbeitsteilig verflochten sind und sich dabei oftmals auf bestimmte Endprodukte spezialisiert haben. Die Leistungsfähigkeit der Industriedistrikte wird geprägt durch die flexible Spezialisierung und Kooperation der Unternehmen, deren räumliche Nähe, das Vertrauen der Akteure untereinander und die Einbettung in ein sozio-kulturelles Umfeld, sowie das Vorhandensein einer hohen Dichte von unterstützenden Institutionen (Quelle: Klett Geographie Infothek).

Diese Industriestruktur ist durch kleine und - in geringerem Maße - mittlere Unternehmen geprägt. Die größeren Einzelunternehmen der Region stellen größtenteils Kleidung, Traktoren, Fahrräder, Sportartikel, Schreibwaren und Brillen her. Eine Übersicht über die wichtigsten Unternehmen Venetiens findet sich auf Wikipedia.

Die venetische Außenhandelskammer bildet mit der regionalen Regierung, Unternehmensverbänden, Kreditinstitution, Universitäten und lokalen Behörden ein regionales Wirtschaftsnetzwerk. Auf nationaler Ebene arbeitet die Kammer mit dem Außenministerium, dem Institut für Außenhandel und mit Unioncamera, der Dachorganisation der italienischen Handelskammern zusammen. Im Zuge der Europäisierung der Märkte kooperiert die Kammer mittlerweile verstärkt mit Institutionen der Europäischen Union, so auch besonders mit Eurochambres, der Europäischen Dachorganisation der Handelskammern. Die primäre Aufgabe der Kammer liegt in der Unterstützung der KMUs, beispielsweise bei der Erschließung neuer Märkte.

Der Hochtechnologie-Sektor ist im Verhältnis zu den traditionellen Produktionssektoren stärker institutionalisiert. Veneto Nanotech steht an der administrativen Spitze des Nano-Clusters und stellt die Management-Ebene der Organisationsstruktur dar. Veneto Nanotech hat die strategische Koordination des Clusters übernommen, indem es u.a. für die Kapitalbeschaffung zuständig ist, Strategien für das Marketing entwirft und die bereitgestellten öffentlichen Gelder koordiniert. Das Unternehmen versucht die wichtigsten Forschungstrends auf dem Gebiet der Nanotechnologie zu erfassen und identifiziert die Sektoren, in denen Nanotechnologie am stärksten positive Auswirkungen haben könnte. Des Weiteren ist es für die Förderung der Forschungsprojekte sowie den Technologietransfer zuständig. 

Veneto Nanotech hat mit dem Programm Nanochallenge den ersten in Europa organisierten Businessplan-Wettbewerb für Nanotechnologie ins Leben gerufen. Die Start-Up-Unternehmen für Nanotechnologie werden von Veneto Nanotech bei der Entwicklung eines erfolgreichen Unternehmenskonzepts oder einer effektiven Marketing-Strategie unterstützt. Der Gewinner wird von Veneto Nanotech mit einem Startkapital in Höhe von 300.000 Euro prämiert.

Zudem veranstaltet Veneto Nanotech gemeinsam mit einigen anderen Institutionen aus dem Bereich Nanotechnologie traditionell die wichtigste internationale Fachkonferenz Italiens- die NanotechItaly, die meist im November in Venedig stattfindet.

Das Venice Gateway for Science and Technology (VEGA), ist ein Netzwerk von Hochschulen, Forschungszentren und produzierenden Unternehmen das wissenschaftliche Forschungsinitiativen fördert. Das Ziel des Netzwerks liegt in der Schaffung von Wettbewerbsvorteilen für die regionalen Unternehmen. Dieser Wissenschafts- und Technologiepark dient also vor allem den Unternehmen, z.B. durch neue Initiativen und innovative Geschäftsideen. 

Bei Coordinamento Interuniversitario Veneto per le Nanotecnologie (CIVEN) handelt es sich um eine im Jahr 2003 von vier Hochschulen gegründete, interuniversitäre Institution, die angewandte Forschung und Entwicklung im Nanotechnologie-Sektor für Unternehmen und private Gruppierungen fördert. CIVEN hat im Bildungsbereich das Masterprogramm "International Master in Nanotechnologies" etabliert (vgl. Bildung, Qualifikation und Fachkräfte). 

Die von Veneto Nanotech geförderte NanoFab ist eine der ersten Laboranlagen in Europa, an denen nanotechnologische Erkenntnisse in der industriellen Produktion getestet wurden. Es stellt damit ein Bindeglied zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft dar. NanoFab ist aufgrund seiner Kooperation mit zahlreichen nationalen und internationalen akademischen Einrichtungen eine Anlaufstelle für die wissenschaftliche Beratung. Das Labor wird von Unternehmen als auch von Universitäten in Anspruch genommen. Zusammen mit Veneto Nanotech ist das Labor auch stark im Technologietransfer involviert. Die technologischen Schwerpunkte liegen in der Entwicklung von chemischen und biochemischen Nanosensoren, nanostrukturierten Prototypen, sowie der Oberflächenbehandlung. 

Die Kooperation zwischen NanoFab und den Universitäten hat in der Vergangenheit das Interesse einer Vielzahl von Spitzenunternehmen an der Region geweckt und hat dazu beigetragen, industrielle Forschung sowie technologisches Wissen den Unternehmen in der Region zu Gute kommen zu lassen. Bereits im ersten Jahr war NanoFab an 40 Unternehmensprojekten und 36 Projekten des Ministeriums für Forschung- und Bildung beteiligt. Momentan profitieren ca. 300 Unternehmen von den Angeboten des NanoFab.

Weitere wichtige Forschungsakteure des Nano-Clusters sind u.a. das Laboratory for Nanofabrication of Nanodevices (LaNN), ein Nanofertigungs-Labor, in dem auf die Entwicklung von Nanobausteinen und Nanosensoren abgezielt wird, sowie das European Center for the Sustainable Impact of Nanotechnology (ECSIN), an dem die Wirkung der Nanotechnologie auf den menschlichen Körper, die Umwelt sowie auf die Gesellschaft untersucht wird. 

Auch über den Nanotechnologie-Bereich hinaus weist die Region Venetien eine dichte Forschungsinfrastruktur auf. Der Nationale Forschungsrat CNR unterhält in Padua ein Forschungszentrum mit 20.000 Quadratmetern Labor- und Bürofläche und zahlreichen Forschungseinrichtungen. Weitere öffentliche Forschungseinrichtungen sind das Nationale Institut für Kernphysik INFN und das Institut für Festkörperphysik INFM. Weiterhin sind in Venetien universitäre Forschungskonsortien, drei Wissenschaftsparks, 26 Innovationszentren und mehr als 100 Forschungslabore beheimatet. Die Innovationsagentur Veneto Innovazione fördert die Innovation und Forschung in der regionalen Wirtschaft.

Bildung, Qualifikation und Fachkräfte

In der Region Venetien sind sechs angesehene Universitäten ansässig. Die Universität in Padua (Universita degli Studi di Padova) sticht dabei besonders heraus. Sie wurde bereits im Jahr 1222 gegründet und ist damit die drittälteste Hochschule Italiens und damit eine der ältesten Europas. Laut dem Hochschul-Ranking Times Higher Education Index belegte sie zuletzt einen Platz zwischen 301-350, die nicht näher differenziert werden. Damit ist sie die viertbeste Universität Italiens und die am besten bewertete Universität Venetiens. Dadurch zieht sie auch von allen venetischen Hochschulen die meisten internationalen Studenten an. 

Drei der sechs Hochschulen Venetiens sind in Venedig ansässig: Die größte und wichtigste, die Università Ca' Foscari di Venezia sowie die Venice International University (VIU) und die Università IUAV di Venezia. Besonders die VIU ist für ein internationales Publikum aufgrund ihres primär englischsprachigen Programms sehr gut geeignet und zieht so auch eine Reihe von Doktoranden aus aller Welt an. Die Universität liegt auf der Laguneninsel San Servolo, wo recht häufig internationale Business-Konferenzen und für die Stadt bedeutende kulturelle Events abgehalten werden.

Da sowohl die Ca’Foscari, als auch die Universitäten von Padua und Verona mit CIVEN assoziiert sind, kann das Masterprogramm „International Master in Nanotechnologys“ an einer der drei Hochschulen absolviert werden. Das Postgraduierten-Programm ist international ausgelegt und die Unterrichtssprache ist Englisch. Die lehrenden Professoren kommen von renommierten Hochschulen wie Cambridge, der UCLA, dem Imperial College und dem MIT. Zur praxisnahen Ausbildung gehört unter anderem ein verpflichtendes dreimonatiges Praktikum sowie die Teilnahme von Mitarbeitern der Unternehmen an bestimmten Master-Kursen. Unternehmen können zudem Absolventen des Masters mit themenbasierten Stipendien finanziell fördern. 

Die Studentenanzahl hat in Venetien laut dem Statistical Report (2009) in den letzten Jahren stark zugenommen - von 1999 bis 2009 betrug der Anstieg 9 Prozent. Positiv ist, dass gleichzeitig die Abbrecher-Quote signifikant zurückgegangen ist. Die beliebtesten Fächer sind in erster Linie Human- und Geisteswissenschaften sowie an zweiter Stelle Wirtschaftswissenschaften. Sowohl was Ingenieure als auch hochspezialisierte Fachkräfte der naturwissenschaftlich-technischen Berufe anbelangt, hat sich eine Lücke zwischen Angebot und wachsender Nachfrage gebildet. Das liegt u.a. daran, dass trotz steigender Anzahl von Schülern im Sekundärbereich die Absolventenzahlen technisch geprägter Schulen stagnieren. Von 2003 bis 2009 stieg die Schülerzahl an klassischen Lyzeen, die etwa einem deutschen Gymnasium entsprechen, um 35 Prozent an, wogegen der Anstieg an den technischen Fachoberschulen nur 2,4 Prozent und an den Berufsschulen lediglich 0,9 Prozent betrug. Dieser Missstand wird zunehmend durch internationale Studenten und Schüler kompensiert, die sich vor allem an berufsbegleitender Bildung orientieren. Weiteres Fachkräftepotential wird auch von dem europäischen Innovationsprojekt WITE –„Women in technical education“ erhofft, in dem vor allem Frauen frühzeitig an MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) herangeführt werden sollen.

Entwicklungsdynamik

Vom einer einstig sehr schwach entwickelten Region Norditaliens zur Vorzeigeregion und dann zur Krise des Veneto-Modells Ende der 90er Jahre - die Region Venetien durchlief heftige Schwankungen. Trotz starker Kompetenzen im traditionellen Fertigungssektor schien die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Massenproduktion im asiatischen Raum auf Dauer nicht mehr möglich zu sein. Es wurde befürchtet, dass vor allem KMUs dem schärferen Wettbewerb nicht mehr gewachsen sein würden. Familiengeführte Betriebe waren oft mit ungenügenden finanziellen Mitteln ausgestattet. Außerdem entstanden beim Generationenwechsel Nachwuchsprobleme, weil es in manchen Branchen der Region einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gab.

Anfang des neuen Jahrtausends wurden daher wichtige Schritte unternommen, um die strukturelle Krise zu überwinden und Venetien mithilfe einer systematischen Hochtechnologie-Förderung, die an traditionelle Stärken anknüpft, zukunftsfähig zu machen.  In Zukunft dürften die Synergieeffekte, die sich aus wissenschaftlicher Forschung, großen Unternehmen und familiengeführten Betrieben ergeben, letztendlich auch die KMUs stärken.

Dabei muss die für Venetien typische hohe Anzahl von KMUs nicht von Nachteil sein, weil diese sich zunehmend auf qualitatives Wachstum konzentrieren und Nischenprodukte entwickeln, die international konkurrenzfähig sind.

Die Wirtschaftskrise hatte u.a. zur Folge, dass eine Vielzahl der im Nanotechnologie-Bereich gegründeten Start-Ups wieder geschlossen wurden. Trotz allem konnte sich der Nanotechnologie-Sektor gut behaupten und verzeichnet konstantes Wachstum, welches sich nach Einschätzungen von Marktbeobachtern in Zukunft sogar noch verstärken wird.

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